und in ſeiner Familie Namen ſprach der Jubilar jedem Vereine ſeinen beſten Dank für die ſo paſſenden und wohlgelungenen Geſangsvorträge tiefbewegt aus.
Die Jubiläumsfeier fand in der geräumigen Aula der ſtädiſchen Schulen ſtatt, welche in ſchönſter und würdigſter Weiſe ausgeſchmückt war. Die Feier begann um 11 Uhr— der 11. September v. J. war ein Sonntag. Zu derſelben war als Vertreter der Staatsbehörde Herr Provinzialſchulrat Kanne⸗ gieſſer aus Caſſel hier angekommen; ferner waren anweſend die ſtädtiſchen Behörden, das Lehrerkollegium des Königl. Gymnaſiums und der ſtädtiſchen Schulen in ihren Vorſtänden ſowohl, als auch in einer anſehn⸗ lichen Anzahl ihrer Mitglieder; außerdem waren viele Freunde und Verwandte, ſowie eine große Anzahl früherer Schüler des Jubilars und Eltern der gegen⸗ wärtigen Schüler anweſend; ſelbſtverſtändlich die Lehrer und Schüler des Realprogymnaſiums.
Herr Vicebürgermeiſter Bücking und Ausſchuß⸗ vorſteher Siebert geleiteten den Jubilar von ſeiner Wohnung nach der feſtlichen Aula.
Die Feier war in folgender Weiſe geordnet:
Programm zur Feier des 50 jährigen Amtsjubiläums des Rektors des eeeer e Herrn Dr. Chr. Hempfing, am 11. September 1892, morgens 11 Uhr in der Aula der ſtädt. Schulen. 1. Choral: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Vers 1 u. 2.(Geſungen v. d. Verſammlung.) Anſprache des Herrn Oberlehrers Leimbach. Sängerchor: Singet dem Herrn ein neues Lied; von Bernhard Klein. Begrüßung durch den Vertreter der hohen Staatsregierung, der Stadt und des Kuratoriums, des Lehrer⸗Kollegiums, der Schüler, der ehemaligen Schüler, den Stadtſchul⸗Inſpizienten, durch die Vertreter der höheren Schulen der Provinz. Sängerchor: O großer Gott; von Max Tadtler. Rede des Jubilars. Sängerchor: Preis und Anbetung ſei unſerm Gott; von H. Rinck. Choral: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Vers 4 u. 5.(Geſungen v. d. Verſammlung.)
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Nach dem gemeinſamen Geſang der beiden erſten Verſe des erſten Liedes betrat Herr Oberlehrer Leimbach das Katheder und hielt im Namen des Lehrerkollegiums, als deſſen älteſtes Mitglied, das bereits zwei Jahre früher gleichfalls das goldene Amtsjubiläum in denſelben Räumen gefeiert und wo⸗ bei der heutige Jubilar damals im Namen der Anſtalt zu ihm geſprochen hatte, die Anſprache an letzteren. Ihm lag es beſonders nahe, Gruß und Glückwunſch dem Jubilar darzubringen, da er mit letzterem auch
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die längſte Zeit ſeiner Amtsthätigkeit in Gemein⸗ ſchaft geſtanden, beide auch die Vorbereitung für den Lehrerberuf gemeinſchaftlich genoſſen hatten. So konnte derſelbe denn auch am beſten den nicht ganz gewöhnlichen Bildungsgang des Jubilars zeichnen: von Lehrerſeminar zum praktiſchen Lehramt, von da zur polytechniſchen Schule und dann zur Univerſität zwecks Studium der Naturwiſſenſchaften und Mathe⸗ matik, welches Studium mit Ablegung der Reallehrer⸗ prüfung und Erwerbung der philoſophiſchen Doktor⸗ würde ſeinen Abſchluß fand.— Im weiteren Verlauf der Rede wurde der in jener Zeit in unſerem Heſſen⸗ lande bezüglich des Realſchulweſens noch herrſchenden Unklarheit gedacht und hervorgehoben, wie der Jubilar die verſchiedenen Stadien der Entwickelung des Real⸗ ſchulweſens habe mit durchmachen müſſen, und wie gerade die Marburger Realſchule mit mancherlei Hemmniſſen zu kämpfen gehabt, an deren Ueber⸗ windung der Jubilar vom Anfang an beteiligt geweſen. Somit ſtellte ſich dem Redner von ſelbſt die Ent— wicklungsgeſchichte der Marburger Realſchule und die Amtsthätigkeit des Jubilars in der innigſten Verbindung dar. Dem entſprechend zeichnete er nun in großen Umriſſen dieſe Entwicklungsgeſchichte von der anfänglich zweiklaſſigen Schule und deren Er⸗ haltung durch den Jubilar bis zu der Reorganiſation derſelben und der Bildung der dreiklaſſigen Schule im Jahr 1854, den Niedergang dieſer letzteren und ihre Reducierung auf eine Klaſſe, deren Verbreitungs⸗ klaſſen die beiden oberen Klaſſen der Knabenbürgerſchule wurden(1861— 1867) und hierauf den neuen Aufbau der Schule und ihre Geſtaltung zur höheren Bür⸗ gerſchule mit Latein im Sinne der preußiſchen Unterrichts- und Prüfungsordnung vom Jahr 1859, welches Ziel 1870 erreicht war, worauf 1878 die Vollberechtigung und der Normaletat eintrat und im Jahr 1882 die Umwandlung in ein Realprogym⸗ naſium erfolgte. Hinweiſend auf die Mühen und Beſchwerden, welche es gekoſtet, bis man zu dieſem Ziele gelangte, anerkennend die Unermüdlichkeit, Un⸗ verdroſſenheit und Beharrlichkeit, die für den Leiter der Schule erforderlich waren, um dieſe dahin zu führen, daß ſie ihre Aufgabe erfüllte, kam Redner nun zum Schluß: daß der Jubilar heute mit voller Befriedigung auf ſeine lange Amtsthätigkeit zurück⸗ blicken dürfe, da das klare Zeugnis vorhanden ſei, daß die Schule ihre Aufgabe voll und ganz erfüllt habe, wofür der ſprechendſte Beweis in dem Umſtande gefunden werden müſſe, daß dieſelbe nach der Neu⸗ organiſation volle 25 Jahre hindurch in gleicher Lebenskraft beſtanden habe, indem ſtets eine durch— ſchnittliche Schülerzahl von über 200 vorhanden ge⸗ weſen, daß ca. 100 Schüler die Abgangsprüfung beſtanden, d. h. die Primareife erlangt(von denen nachmals 15 die Univerſität bezogen) und daß außer dieſen ca. 120 durch Aufrücken in die Oberſekunda das Befähigungs⸗Zeugnis zu dem einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt ſich erworben haben.— Im Rückblick


