Aufsatz 
Bericht über die Jubelfeier zum 25jährigen Bestehen des Realprogymnasiums zu Marburg a.d. Lahn
Entstehung
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Blühen und Gedeihen des Realprogymnaſiums. Als Vertreter derjenigen Schüler, welchen es vergönnt war, in 1870/71 für des Vaterlandes Ruhm und Ehre ihr Leben zu weihen, ſprach Herr Georg Schott, und gedachte u. A. auch des alten Schulinſpectors Grau, indem er noch auf den patriotiſchen Geiſt, der von jeher in der Realſchule geherrſcht, hinwies, ſchloß er ſeine in jeder Beziehung wohlgelungene und ſchöne Anſprache mit einem Hoch auf das deutſche Vaterland. Im Laufe des Abends ſprachen nun noch Herr Langerichtsrath Gleim als Vertreter des Kuratoriums auf das fernere Blühen und Wachſen des Realgymnaſiums. Herr Heinr. Klee toaſtirte auf das Lehrercollegium. Herr J. Strauß erinnerte in ſeiner Anſprache daran, daß noch heute, nach bei⸗ nahe 15 Jahren, dieſelben Lehrer an der Schule wirkten, wie damals, als er in die Schule eintrat. Im weiteren Verlauf ſeiner Anſprache führte er aus, daß man doch nicht etwa aus Haß gegen die Fran⸗ zoſen auch des verdienſtvollen Lehrers der franzöſiſchen Sprache, des Herrn Hölzerkopf, vergeſſen möge und ſchloß ſeine von Beifall öfters unterbrochene Rede mit einem Hoch auf den letzteren. Hierauf ſprach Herr W. Römheld in treffklicher, höchſt ge⸗ lungener und von jubelndem Beifall unterbrochener Rede im echten Marburger Dialect, und citirte einige ſehr gelungene Ereigniſſe aus ſeiner Schulzeit. Rau⸗ ſchender Applaus und da capo⸗Rufe folgten dieſer Anſprache. Herr E. G. Spörhaſe gedachte noch⸗ mals der Verdienſte des Herrn Rector Dr. Hempfing, ſowie Herr S. Haas des Herrn Dr. Schäfer, als eines der älteſten, noch heute an der Schule wirkenden Lehrers. Als einer der jüngſten noch an⸗ weſenden, früheren Schüler wandte ſich noch Herr Albrecht, ein diesjähriger Abiturient, in Worten des Dankes an das Lehrercollegium, worauf ein von ihm commandirter ſchneidiger Salamander folgte. Wiederholt trat an Herrn Dr. Hempfing die Ge⸗ legenheit heran, das Wort zu ergreifen. Gegen Schluß des offiziellen Theiles ſprach noch Herr Dr. Schäfer im Namen des Lehrercollegiums ſeinen Dank für den ſchönen Abend aus, worauf Herr Georg Schott nochmals das Wort ergriff und in längerer Rede eines verdienſtvollen Lehrers, der leider am Erſcheinen verhindert war, des Herrn Oberlehrers Düte gedachte. Gegen 1 Uhr wurde Schluß des officiellen Theiles Seitens des Herrn Fabrikanten Holzhauer erklärt, und es begann die Fidulitas. Lange noch blieben die Theilnehmer in gemüthlicher Stimmung zuſammen, ſich noch mancherlei Erlebniſſe aus der Schulzeit erinnernd, und ſchon war es Tag geworden, als man den Heimweg antrat mit dem Bewußtſein, ſchon lange nicht mehr ſo ein paar ge⸗ müthliche Stunden verbracht und manche alte Freund⸗ ſchaft wieder aufgefriſcht zu haben. Mit Recht können wir mit Herrn Rector Dr. Hempfing ſagen, es war einer der ſchönſten Abende unſeres Lebens und lange noch wird die Erinnerung in uns wach bleiben

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an das 25jährige Jubiläum des Realprogymnaſiums in Marburg.

IZleiben wir in der hiſtoriſchen Folge der Ereig⸗ niſſe, ſo haben wir nunmehr mit dem Bericht über das Schuljahr Oſtern 1892 bis Oſtern 1893 zu be⸗ ginnen.

In dem vorjährigen Programm wurden die Ver⸗ handlungen mitgeteilt, welche bei den ſtädtiſchen Behörden, ſowie zwiſchen dieſen und den reſp. Staats⸗ behörden ſtattgefunden hatten, aus denen das End⸗ reſultat hervorging, daß das bisherige Realprogym⸗ naſium im Laufe der nächſten ſechs Jahre in eine ſechsklaſſige Realſchule verwandelt werden ſollte, jedoch in der Weiſe, daß den Schülern von der Untertertia an Gelegenheit zur Erlernung des Lateiniſchen ge⸗ geben werde, und daß das Ziel der Entwickelung der neuen Anſtalt eine Oberrealſchule ſei. Auf Grund der Zahl der Anmeldungen zu Oſtern vorigen Jahres darf man annehmen, daß die eingetretene Aenderung in dem Lehrplane der Anſtalt im Sinne einer großen Anzahl der Eltern und zwar wohl mehr der hieſigen als der auswärtigen geſchehen iſt. So traten mit dem Beginn des Schuljahres 54 Schüler und zwar meiſtens in Sexta ein.

Am 26. April v. J. begann das letztverfloſſene Schuljahr. Tags zuvor wurde die Aufnahme⸗Prüfung der angemeldeten Schüler abgehalten. Diejenigen Schüler, welche dieſe beſtanden hatten, wurden am erſtgenannten Tage bei der feierlichen Eröffnung des neuen Schulkurſus mit Geſang und Gebet in Gegen⸗ wart aller Lehrer und Schüler der Anſtalt mit einer Anſprache des Unterzeichneten in erſtere aufge⸗ nommen. Hierauf wurde nach Vorſchrift die Schul⸗ ordnung verleſen und erläutert, woran ſich die be⸗ ſondere Erwähnung der Verfügungen der vorgeſetzten Behörden anſchloß, welche ſich auf das verderb⸗ liche Unweſen der Schülerverbindungen beziehen. Dieſe Bekanntmachung hatte den doppelten Zweck, die neuen Schüler mit den Forderungen, welche die Anſtalt an ſie ſtellen muß, bekannt zu machen und die älteren Schüler hieran zu erin⸗ nern, auf daß ſich alle Schüler mit Ernſt beſtreben, die geſtellten Anforderungen für Betragen, Fleiß und Aufmerkſamkeit zu erfüllen. Vorſchriftsmäßig wur⸗ den alsdann die eintretenden Schüler durch Hand⸗ gelöbnis hierzu verpflichtet.

Mit dem letztverfloſſenen Schuljahre hatte denn auch die Umwandlung des Realprogymnaſiums in eine

ſechsklaſſige Realſchule mit fakultativem La⸗ teiniſch von Untertertia an in der Weiſe begonnen,

daß in Sexta ſtatt des bisherigen Lateiniſch nunmehr Franzöſiſch gelehrt wurde. Mit dem nächſten Schuljahr wird nun das Lateiniſche in Quinta fortfallen. Eine andere zu Oſtern 1892 von den Lehrern und auch von Eltern und Schülern

ſchmerzlich empfundene Aenderung war jedoch der Verluſt der O.II. Hoffen wir, daß mit der geplanten