liche Zeugnis durch das Beſtehen eines Examens erworben.— Wenn wir noch einer anderen Aenderung in dem Organiſationsplane gedenken, ſo geſchieht es zur Erwähnung der damit verbundenen Namens⸗ änderung. Durch eine Annäherung des Lehrplanes des Gymnaſiums an den des Realgymnaſiums in den 3 unteren Klaſſen fand man ſich höheren Orts nun⸗ mehr bewogen, die Realſchulen I. Ordn. mit Real⸗ gymnaſium und die vollberechtigten höheren Bürger⸗ ſchulen mit Realprogymnaſium zu benennen. Dieſer Name und die 1882 erhaltene Organiſation iſt denn
nun 10 Jahre unverändert geblieben, wird aber nun⸗
mehr im Laufe der nächſten Jahre durch eine andere Deaziſaton klaſſenweiſe von unten nach oben erſetzt werden.—
Es iſt wohl nur ein Akt ſchuldiger Pietät, den ich gern ausübe, wenn ich in dieſer Stunde derjenigen Kollegen gedenke, welche nach ſegensreicher Wirkſam⸗ keit an unſerer Schule das Zeitliche geſegnet haben. Ich nenne als ſolche die Lehrer: Inſpektor Nöding, Dr. Hoffa, Prof. Fliedner, Dr. Hach, Prof. Stegmann, Dr. Weber, Maler Creuzer, Rektor Becker, Baurat Schuchard, Hauptlehrer Schreiber, Zeichenlehrer Heinemann, Inſpektor Breunung, Dr. Hölting, Oberſchulinſpektor Grau. Ihnen allen wird die Schule wie ſeither ſo auch fernerhin mit dankbarer Pietät gedenken.
Mit gleichen Geſinnungen und Empfindungen ſchließen wir an dieſe Verſtorbenen diejenigen Kollegen an, welche nach längerer oder kürzerer erfolgreicher Wirkſamkeit an unſerer Anſtalt, uns verließen, um ihre Kräfte anderen Schulen zu widmen. Wegen ihrer großen Zahl möge mir geſtattet ſein, auf das Verzeichnis in der ausgegebenen Feſtſchrift zu ver⸗ weiſen. Allen treuen Arbeitern im Amte werden die Kollegen und auch die Schüler ein ehrendes Andenken bewahren. Es iſt mir eine große Freude in dieſen Kreis früherer treuer Mitarbeiter auch alle Lehrer einzuſchließen, welche gegenwärtig, zum Teil ſchon ſeit
langer Zeit an unſerer Anſtalt thätig ſind und durch
deren pflichttreue und eifrige Bemühungen es möglich wurde, die Anſtalt in fortſchreitender Entwickelung auf die Höhe zu heben und auf derſelben zu erhalten, daß ſie zu den beſuchteſten Reallehranſtalten gleicher Art in Preußen zählt und ſich des vollen Vertrauens hoher vorgeſetzter Behörden ſtets zu erfreuen gehabt hat. Hierfür, ſowie für das von hochdenſelben im Verein mit den hieſigen wohllöblichen Schul⸗ und Gemeinde⸗ behörden der Schule und ihren Lehrern erwieſene Wohlwollen und Fürſorge, wodurch wir zu dem ſchönen Ziel gelangt ſind, ſage ich namens des Lehrerkollegiums beſten Dank. Noch fühle ich mich gedrungen, auch den Eltern für das unſerer Schule in ſo reichem Maße
geſchenkte Vertrauen, nach welchem ſie uns ihre Söhne
zur Erziehung und Ausbildung überwieſen haben, im Namen des Lehrerkollegiums verbindlichſt zu danken.
Der 1700 Schüler unſerer Anſtalt in alter, treuer Liebe zu gedenken, kann wohl keine Zeit und Gelegen⸗
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heit mehr auffordern, als die gegenwärtige doppelte Gedenkfeier. War doch in den meiſten Fällen das Verhältnis zwiſchen Lehrern und Schülern ein ſo inniges geworden, daß das gegenſeitige Intéreſſe den Schulbeſuch lange überdauerte, und die Lehrer den Lebenswegen ihrer Schüler mit inniger Teilnahme folgten. Hierbei konnten die Lehrer bemerken, daß die Schüler der früheren Realſchule ſich meiſt dem Geſchäftsleben zuwandten; jedoch unſer Verzeichnis auch Männer aufweiſt, die in verſchiedenen Zwei⸗ gen des Staatsdienſtes zu wichtigen Stellungen gelangt ſind. Es iſt gewiß eine recht erfreuliche Wahrnehmung, daß die meiſten Schüler ſich in den verſchiedenſten Berufsarten unter den mannig⸗ faltigſten Verhältniſſen in faſt allen Ländern der Erde eine auskömmliche ſelbſtändige Stellung er⸗ rungen haben. Daß ſich aber auch viele unſerer früheren Schüler durch ihr Leben und Wirken und insbeſondere durch ihre erfolgreiche Beteiligung an gemeinnützigen Beſtrebungen die Achtung und das Vertrauen ihrer Mitbürger erworben haben, wird zur Genüge dadurch bewieſen, daß ſie und einige derſelben zu wiederholten Malen in die ſtädtiſchen Behörden gewählt worden ſind und ſo zum Wachſen und Auf⸗ blühen unſerer Stadt mit ſichtlichen Erfolgen beige⸗ tragen haben.
Mit der neuen Organiſation im Jahre 1867 wurde unſerer Anſtalt, wie vorhin erwähnt, eine zwei⸗ fache Aufgabe geſtellt, und dieſer hat ſie in voll⸗ kommener Weiſe entſprochen, wie wohl insbeſondere die Abiturienten und die mit dem Befähigungszeugnis abgegangenen Schüler durch ihre gewählten Berufs⸗ arten und erlangten Stellungen hinreichend darthun.
So wie die langjährige anſehnliche Frequenz unſerer Schule ein unzweideutiger Beweis des Vertrauens der Eltern iſt, ſo iſt die große Zahl der Teilnehmer an unſerer Schulfeier ein das Lehrerkollegium hocher⸗ freuendes und ehrendes Zeugnis von dem lebhaften Intereſſe vieler Freunde und Gönner unſerer Anſtalt; die Lehrer ſagen hierfür den hochgeehrten Anweſenden ihren verbindlichſten Dank, dem ſie die ergebenſte Bitte hinzufügen, dieſes Vertrauen und Wohlwollen auf unſere AÄnſtalt in der neuen Organiſation in gleichem Maße zu übertragen.
Die kleine Aenderung in dem Lehrplane wird an der unſerer Schule und ihren Lehrern bisher geſtellten Aufgabe für Bildung und Erziehung der Schüler nichts ändern, wenn auch das Realprogymnaſium aus ſeiner Mittelſtellung zwiſchen humaniſtiſchen und reali⸗ ſtiſchen höheren Lehranſtalten heraus⸗ und zu letzteren übertritt. Dieſe Aufgabe für beide höheren Lehran⸗ ſtalten iſt aber von keinem geringeren als vom größten Staatsmanne, dem Fürſten Bismarck mit folgenden Worten beſtimmt worden:;
„Die höheren Lehranſtalten bilden die Pfleg⸗ ſtätten des nationalen Gedankens, der höhere Lehrerſtand in ſeiner idealen Geſinnung ſtellt
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