12 höchst gewissenhaft. Und deshalb kann es uns nur freuen, wenn wir lesen, daß er doch nicht gan⸗z ohne Anerkennung im Altertum geblieben ist. So tut der Statthalter von Gallien Julius Vindex in einer im Jahre 68 gehaltenen Rede seiner als eines Kaisers Erwähnung, der neben Augustus die Ehrennamen Cäsar und Princeps mit vollem Recht geführt habe,“) und der Kaiser Vespasian be- kundete ihm durch den Bau seines von Nero halb vollendeten und dann wieder niedergerissenen Tempels öffentlich seine Hochachtung. ²)
IIIl. Der Lod des Kaisers Claudius.
Der Kaiser Claudius fand, wie bereits kurz erwähnt, den Tod durch die Hand seiner Ge- mahlin Agrippina. Das erste Anzeichen eines gestörten Einvernehmens zwischen beiden Ehe- gatten bildete die Anklage des Günstlings der Kaiserin L. Vitellius durch den Senator Junius Lupus wegen Majestätsverbrechens. Es soll nämlich damals zwischen Claudius und Agrippina zu erregten Szenen gekommen sein und letztere sich sogar so weit vergessen haben, ihrem Ge- mahl mit ihrer Macht und ihrem Einfluß zu drohen. ²) Wie Claudius dies aufnahm, erzählt Tacitus nicht, aber es hat doch den Anschein, als ob von dieser Zeit das Verhältnis zwischen beiden an- fing, sich zu trüben. Allerdings ist es nach dem, was die Schriftsteller erzählen, sehr schwer, sich eine klare Vorstellung von dem weiteren Zusammenleben dieser beiden zu machen. Aeus- serlich betrachtet, ändert sich nämlich zunächst gar nichts. Agrippina ist nach wie vor die be- neidete und zugleich gefürchtete Gemahlin des Kaisers; ihr Sohn Domitius, den Claudius ein Jahr zuvor adoptiert und unter dem Namen Nero in die Claudische Familie aufgenommen, erfreut sich auch weiterhin seiner bevorzugten Stellung am Hofe und wird durch seine zwei Jahre später er- folgte Verheiratung mit Oktavia Schwiegersohn des Kaisers.“) Und doch muß im Schoß der Fa- milie eine kleine Aenderung eingetreten sein, eine Aenderung, die den Geist der Agrippina mit Sorge für die Zukunft erfüllte. Kurz nach dem Prozeß Lupus-Vitellius entstand in Rom ein Auf- stand, bei dem der Kaiser Claudius beinahe sein Leben verlor und den Agrippina durch künst- liche Brotsteigerung veranlaßte.“) Welche Absicht diese dabei leitete, wissen wir nicht, dürfen aber wohl annehmen, daß sie ihren Gemahl in unauffälliger Weise beseitigen wollte. Warum dies? Sie mußte wohl gemerkt haben, daß Claudius seine Liebe wieder mehr seinem Sohne Britanni- cus zuwandte, der seit der Adoption des Nero und den kurz danach sich abspielenden Freignissen bei dem Vater in Ungnade gefallen war. ¹) Tatsächlich erfahren wir weiterhin von einem erbitter- ten Streite zwischen Agrippina und Narcissus und wissen ganz genau, daß dieser Streit sich hauptsächlich um die Person des Prinzen Britannicus drehte. Bei dieser Gelegenheit suchten beide einander bei Claudius in jeder Weise zu verdächtigen. Als vor dem Ablassen der Wasser des lacus Fucinus der Kaiser zur Feier der Trockenlegung dieses Sees ein großes Gladiatorengefecht veranstaltete, brach ein Damm und brachte Claudius samt seiner Um- gebung in große Lebensgefahr. Alsbald war Agrippina mit der Beschuldigung bei der Hand, daß Narcissus, der Leiter des Unternehmens, den Damm absichtlich zum Einsturz gebracht habe.) Andrerseits tat Narcissus alles, das Mißtrauen zwischen Kaiser und Britannicus zu zerstreuen und Agrippina in den Augen seines Herrn herabzusetzen. Zu statten kam ihm dabei die unvor-
¹) Dio 63, 22.
²) Sueton Vesp. c. 9; Claud. c. 45.
²¹) Tacitus ann. XII 42.
¹) Tacitus ann. XII 58.
⁵³) Tacitus ann. XII 43. Zonaras ann. XI 11.
³) Agrippina stand damals auf der Höhe ihrer Macht. Der Prätorianerpräfect Burrus, der Nachfolger des Geta und Crispinus, war ihr ergeben, ja sie hatte sogar im Senat ihre eigene Partei. Britannicus galt nichts. ihr Sohn Nero alles. Wenn also damals Claudius starb, so war gar nicht zu bezweifeln, daß Nero sein Nachfolger werden würde. Andernfalls, wenn also Claudius linren lebte und seinen Sohn Britannicus wieder zu Ehren brachte, wurden seine Aussichten geringer.
*) Tacitus ann. XII 56. 57. Dio 60, 33.


