Aufsatz 
Beschreibung des neuen Gymnasialgebäudes / von dem Stadtbaumeister Gollhofer
Entstehung
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in das öffentliche Leben hinaussteuern, ausgerüstet seien mit allen Gaben des Verstandes und des Herzens, welche sie befähigen, ihren Beruf voll und ganz auszufüllen! Möge vor allem in die Herzen der Ge- schlechter, die von hier ausziehen, eingepflanzt werden Gottesfurcht und Achtung vor der Ueberzeugung anderer, Liebe zu unserm Herrscherhause, Begeisterung für unser grosses deutsches Vaterland und seine ruhmreiche Vergangenheit! Das gebe Gott!

Der Stadtverordnetenvorsteher und Landtagsabgeordnete Herr Kommerzienrat Cahensly gab hierauf eine Ubersicht über die Verhandlungen und Beschlüsse der städtischen Körper- schaften in betreff der Neubau-Angelegenheit. Er schloss mit den Worten:

Am 19. Mai 1904 fand die feierliche Grundsteinlegung zu dem Gebäude statt, und nach kaum zweijähriger Bauzeit sahen wir den herrlichen Bau fertig vor uns, der seinem Erbauer alle Ehre macht. Die Bürgerschaft Limburgs frent sich des schön gelungenen Werkes und knüpft daran die Hoffnung, dass es stets eine Stätte sein möge, wo die Jugend von Limburg und der Umgegend zu charakterfesten Männern und guten Staatsbürgern herangebildet werde.

Nach ihm ergriff Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler das Wort zu

zolsender Rete Hochgeehrte Festversammlung!

Das Königl. Provinzial-Schulkollegium hat mich beauftragt, der höheren Lehranstalt in Limburg zu der Einweihungsfeier des neuen Schulgebäudes den herzlichsten Glückwunsch auszusprechen. Ausser- dem hat mich Se. Exzellenz der Herr Oberpräsident ersucht, der Versammlung seine Grüsse zu über- mitteln, sowie dem lebhaften Bedauern Ausdruck zu geben, dass es ihm unmöglich gewesen sei, hierher zu kommen und an dem Feste teilzunehmen.

Es ist ein bedeutungsvoller, für die Schule hochwichtiger Tag, den wir heute begehen. Aus engen, in vieler Hinsicht ungeeigneten Räumen ist sie jetzt in ein schönes Heim eingezogen, das, nach allen Regeln der Kunst erbaut, Lehrern und Schülern, die darin zu arbeiten haben, zur Freude gereichen wird. Die Bedingung, die der Herr Unterrichtsminister bei der Genehmigung des Ausbaues der Anstalt zum Gymnasium gestellt hat, nach der sich die Stadt verpflichten musste, ein ausreichendes Gebäude und eine neue Turnhalle zu errichten, ist in einer Weise erfüllt worden, die den Dank der Kgl. Staats- regierung verdient.

Durch welchen Wandel der Zeiten wird man geführt, wenn man bedenkt, dass im Jahre 1768 der Magistrat in Limburg, als es sich um die Errichtung des philosophischen Unterrichts am Franziskaner- Gymnasium handelte, erklärte, schon zahle die Stadt 100 Taler für die fünf Klassen jährlich, kämen nun noch 100 Taler dazu, so übernehme sie damit eine Last, die sie dauernd nicht tragen könne. Und heute hat die Gemeinde diesen herrlichen Bau ohne Schwierigkeit aus eigenen Mitteln hergestellt, ein Zeugnis dafür, dass die Stadt im fortwährenden Aufblühen begriffen und der Wohlstand ihrer Bevölkerung im Wachsen ist.

Es ist mir eine Freude, hier mitteilen zu können, dass die bewiesene Opferwilligkeit der Gemeinde bei der Erbanung dieses Hauses die Anerkennung der hohen Unterrichtsverwaltung und selbst Seiner Majestät unsers Kaisers und Königs gefunden hat. Ich bin beauftragt, diese Anerkennung hier aus- zusprechen und zu verkünden, dass Se. Majestät der Kaiser dem Oberhaupt dieser Stadt, dem verdienten Herrn Bürgermeister Kauter, den Roten Adlerorden IV. Klasse zu verleihen geruht hat. So übergebe ich Ihnen, hochgeehrter Herr Bürgermeister, diesen Orden und hoffe und wünsche, dass Ihr Wohlwollen auch ferner dieser Anstalt erhalten bleibe. Dank und Anerkennung habe ich sodann auch dem Manne zu zollen, der den Plan zu dem Bau erdacht und seine Ausführung mit Geschick geleitet hat. Ich habe das Gebäude bereits in allen seinen Teilen besichtigt, und es freut mich, sagen zu können, dass es in jeder Hinsicht aufs zweckmässigste eingerichtet ist. Die Schulsäle siud luftig, hell und hoch und gut aus- gestattet, alle Forderungen der Schulhygiene sind dabei erfüllt. An dem Bau erkennt man, wie der, der den Plan ersonnen, freudig sein ganzes Können in den Dienst seiner Aufgabe gestellt hat. Herr Architekt Gollhofer hat ein Werk geschaffen, das seinen Meister für alle Zeit ehren wird.

Festgegründet steht der Bau am Bergeshang, am Waldessaume! Festgegründet stehen die Pfeiler, auf denen er errichtet ist! Festgegründet sollen aber auch die Pfeiler sein, auf denen in ihm ein geistiger Bau aufzuführen ist! Der Geist, der im alten Hause geherrscht, Lehrer und Schüler beseelt hat, soll heute in diese neue Heimstätte mit einziehen. Die Kgl. Unterrichtsverwaltung erkennt es dankbar an, dass das Lehrerkollegium bisher treulich seine Kräfte eingesetzt hat, um der hohen ihm gestellten Aufgabe gerecht zu werden; diesen Dank hat sie dadurch betätigt, dass sie in Anregung gebracht hat, das Lehrerkollegium in seinem Direktor zu ehren, der seit acht Jahren die Anstalt mit Umsicht und Festigkeit geleitet hat. Ich habe daher auch Ihnen, verehrter Herr Direktor, die Insignien des Roten Adlerordens IV. Klasse zu überreichen und wünsche Ihnen Glück zu der Ihnen von Allerhöchster Stelle zu teil gewordenen Auszeichnung.

Hochverehrte Versammlung! Es ist eine Doppelanstalt, der dieses Heim geschaffen wurde, ein Gymnasium verbunden mit einem Realprogymnasium. Ich freue mich, dass der Magistrat, als es sich um die Entwicklung des Progymnasiums zu einem Gymnasium handelte, beschlossen hat, das Realprogym-

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