Aufsatz 
Beschreibung des neuen Gymnasialgebäudes / von dem Stadtbaumeister Gollhofer
Entstehung
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gewesen war, zum vollen Gymnasium. So mangelhaft und unzureichend sich auch diese Räume, besonders nach dem Ausbau der Anstalt, erwiesen, jetzt, wo es Abschied nehmen heisst für immer, verlassen wir sie doch mit einem Gefühl der Wehmut und Trauer. Jedes Zimmer, jeder Platz war uns vertraut und ruft teure Erinnerungen in uns wach. Gerade die Beengtheit der Verhältnisse führte uns näher zusammen und zwang uns zum Ineinanderschicken und Sichvertragen. Wir alle werden darum diesen Räumen ein teures Gedenken bewahren, und ganz besonders für euch liebe Schüler, werden sie stets eine Erinnerung an die schöne Jugendzeit bilden.

Eins aber wollen wir aus diesen bescheidenen alten Mauern mit hinübernehmen in das neue stolze Heim, nämlich den Geist treuer Pflichterfüllung und ehrlichen Strebens nach Wissenschaft und Wahrheit, dann wird das, was hier in engen Verhältnissen begonnen wurde, sich dort unter glänzenden Lebensbedingungen zu schöner Blüte entfalten.

Mit einer zweiten Strophe des Chorals schloss die einfache Feier.

Die Schüler nahmen dann Aufstellung in dem alten Schulhof und marschierten unter Vortritt einer Musikkapelle und des aus Schülern gebildeten Trommler- und Pfeiferkorps durch die festlich geschmückten Strassen der Stadt zunächst zum Rathaus. Dort schlossen sich der Direktor des Königl. Provinzial-Schulkollegiums, Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat Dr. Paehler. Herr Landrat Büchting, sowie die Mitglieder des Kuratoriums und der städtischen Körperschaften dem Zuge an, der sich zu dem in sinniger Weise ausgeschmückten neuen Gymnasialgebäude bewegte. Am Haupteingang hatten die übrigen geladenen Ehrengäste, darunter die Direktoren der Gymnasien zu Hadamar, Montabaur, Oberlahnstein, der Realschule zu Diez und des Lehrerseminars zu Montabaur, sowie eine stattliche Anzahl ehemaliger Schüler, ferner Unternehmer und Handwerker, die an der Ausführung des Baues beteiligt waren, Aufstellung genommen.

Herr Stadtbaumeister Gollhofer, der die Pläne entworfen und die Ausführung geleitet hatte, erwartete den Zug am Hauptportal und überreichte den Schlüssel des Baues dem Herrn Bürgermeister Kauter mit folgender Ansprache:

Hochverehrte Festversammlung, hochgeehrter Herr Bürgermeister!

Seit etwa sechs Jahren beschäftigt sich die Stadtverwaltung mit der Errichtung eines neuen Gymnasialgebäudes. Nach mancherlei Wandlungen wurde am 17. Juli 1902 der ideal gelegene Bauplatz am Schafsberg dafür erworben und am 18. September 1903 durch Stadtverordnetenbeschluss Projekt und Anschlag genehmigt.

Die Bauarbeiten sind hierauf sofort ausgeschrieben, am 23. November 1903 ist mit den Erdarbeiten,

am 3. März 1904 mit den Maurerarbeiten begonnen worden. Am 10. März 1905 waren die Rohbauarbeiten vollendet, und hierauf wurde der umfangreiche innere Ausbau in Angriff genommen.

Der Bau wurde mit Gottes Hilfe ohne Unfall in nicht ganz zwei Jahren bezugsfertig hergestellt.

Möge er den Erwartungen, die daran geknüpft worden sind, in jeder Weise entsprechen! Möge er sein eine Stätte der Belehrung und Erziehung, und mögen aus ihm hervorgehen Männer mit religiöser Empfindung, mit warmem, tatkräftigem, patriotischem Herzen und einem gesunden, praktischen Sinne für die ihnen erwachsenden Aufgaben des Lebens!

So übergebe ich denn hiermit Ihnen, Herr Bürgermeister, den Schlüssel des Hauses.

Der Herr Bürgermeister Kauter übernahm den Schlüssel mit den Worten:

Wir haben soeben an geweihter Stätte den Segen des Allerhöchsten für diesen Bau erfleht. Möge der Allgütige unser Flehen erhören und dieses Haus in seinen allmächtigen Schutz nehmen, sowie auch alle, die hier ein- und ausgehen, Lehrende und Lernende, damit es eine Stätte werde der Jugend- erziehung, welche Gott zur Ehre, der Menschheit zum Heile und Segen, dem Vaterland zum Ruhm und zur Ehre gereiche. Im Namen des dreieinigen Gottes öffne ich die Pforte des Hauses.

Dann schritt er dem Zuge voran durch die schön geschmückten weiten Hallen und Treppenaufgänge zu der prachtvollen neuen Aula, wo sich mittlerweile Se. Bischöfliche Hoch- würden Herr Bischof Dr. Willi mit dem Herrn Domdekan und Generalvikar, Prälat Hilpisch,

eingefunden hatte. 2