Aufsatz 
Beschreibung des neuen Gymnasialgebäudes / von dem Stadtbaumeister Gollhofer
Entstehung
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h) Die Einweihungsfeier des neuen Gymnasialgebäudes.

Pünktlich zur ſestgesetzten Zeit war das neue stattliche Heim unseres Gymnasiums und Realprogymnasiums ſertig geworden; Stadt und Schule hatten sich vereinigt, um die Ein- weihungsſeier, die nach Vereinbarung mit der Staatsbehörde am 16. Oktober v. I. stattfinden sollte, festlich zu gestalten.

Die Schule gab eine Festschrift heraus, die nach einem schwungvollen Gedicht von Oberlehrer Dr. JörisZur Weihe des Hauses eine Geschichte der Anstalt von Oberlehrer Dr. Metzen und die für die Aufführung bearbeitete Uebersetzung der Antigone des Sophokles von Oberlehrer Dr. Jöris enthält.

Diese Uebersetzung wurde der geplanten Aufführung der Antigone zu grunde gelegt. Mit einer sorgſältig ausgewählten Schar von Schülern der oberen Klassen*) hatte der Unter- zeichnete, im Verein mit den Herren Prof. Michel, Prof. Schulte und Oberlehrer Dr. Jöris monatelang an der Einstudierung der Tragödie gearbeitet. Die schauspielerische Anleitung empfingen die Mitwirkenden in den letzten Wochen in geradezu musterhafter Weise von dem Königl. Hofschauspieler Herrn Vallentin aus Wiesbaden. Die Einübung der Chõre von Mendelssohn in der Bearbeitung von Küpper mit dem durch einige Herren der Liedertafel verstärkten Schülerchor lag in den bewährten Händen des Herrn Oberlehrer a. D. Bill, der sich dieser grossen Mühe in selbstloser und hingebender Weise unterzogen hatte. Die Dekorationen der Buhne, deren Einrichtungen nach Möglichkeit dem griechischen Theater nach- gebildet waren, hatte der Zeichenlehrer unserer Anstalt, Herr Assmann, mit kunstfertiger Hand hergestellt.

Dank dieser tatkräftigen Unterstützung durften wir es wagen, den Reigen der Festlich- keiten mit einer Aufführung dieser auch heute noch mit ungeschwächter Kraſt wirkenden klassischen Tragödie zu eröffnen. Vor einem geladenen Publikum, das sich aus den Spitzen der hiesigen staatlichen und kirchlichen Behörden, den Mitgliedern des Kuratoriums, des Magistrats und des Stadtverordnetenkollegiums, sowie den Lehrern und Schülern unserer Anstalt zusammensetzte, ſand am 15. Oktober abends 8 Uhr im grossen Saale der Alten Post die Festaufführung der Antigone statt, die sichtlich auf alle Teilnehmer einen tiefergreifenden Eindruck machte. Eine Generalprobe, der die Schüler der oberen Klassen der Gymnasien zu Hadamar und Montabaur, das Lehrer- und Lehrerinnenseminar zu Montabaur und die Schülerinnen der hiesigen Handelsschule und des Lehrerinnenkursus der Marienschule beiwohnten, hatte bereits am 14. Oktober stattgefunden.

Der eigentliche Festtag(16. Oktober) wurde durch Gottesdienst in den Kirchen der beiden christlichen Konfessionen eingeleitet. Im Dom celebrierte der katholische Religions- lehrer, Herr Oberlehrer Fliegel, ein feierliches Hochamt mit Tedeum und Festpredigt, während in der evangelischen Pfarrkirche Herr Oberlehrer Becker den Festgottesdienst abhielt. Der Domchor und der evangelische Kirchenchor trugen durch weihevolle Gesänge zur Ver- herrlichung der kirchlichen Feier wesentlich bei, wofür ihnen auch an dieser Stelle nochmals verbindlichster Dank ausgesprochen sein soll.

Um 10 Uhr versammelten sich Lehrer und Schüler der Anstalt noch einmal in der Aula des alten Gebäudes, um Abschied zu nehmen. Nach einem gemeinsamen Gesang des Chorals Allein Gott in der Höh' sei Ehr' sprach der Unterzeichnete folgende Abschiedsworte:Zum letzten Male haben wir uns in diesen Räumen eingefunden, die der höheren Schule Limburgs 60 Jahre lang als Heimstätte gedient haben. Hier hat sie alle Wandlungen durchgemacht von der nassauischen Realschule zur preussischen höheren Bürgerschule, zum Realprogymnasium, Progymnasium und schliesslich zurück zu dem, was sie in den vorhergehenden Jahrhunderten

*) Die Rollen waren folgendermassen verteilt: Kreon, V. Knipp OI, Antigone W. Stahl OI, Ismene O0. Dorn UI, Chorführer. K. Müller OI, ein Wächter, A. Schmidt OI, Haimon, K. Hasse OI, Teiresias, J. Kauter OI, ein Bote, W. Huth UI, Eurydike, W. Rübesam UI, ein Knabe, S. Wenz OII.