Aufsatz 
Bericht über die Eröffnung des Schiller-Realgymnasiums in Leipzig. - Eröffnungsrede
Entstehung
Einzelbild herunterladen

1 5

Am 13. September wurden 21 impfpflichtige Schüler durch die Herren Hofrat Dr. Blaß und Sanitätsrat Dr. Schellenberg geimpft, davon 2 ohne Erfolg.

Die Aufnahmeprüfung am ersten Tage des Winterhalbjahres führte dem Schiller-Realgymnasium 12 neue Schüler zu. Die Geschäfte dieser Tage gestatteten dem Berichterstatter zu seinem Bedauern nicht, an der zur gleichen Zeit stattfindenden Einweihung des neuen Realgymnasiums in Plauen i. V. und an der Feier der Einweisung des zum Direktor der III. Realschule in Leipzig berufenen Herrn Prof. Mättig teilzunehmen. Er hat beiden Schulen wenigstens schriftlich die herzlichsten Wünsche des Schiller-Realgymnasiums ausgesprochen.

Am 18. Oktober wurde mit Bewilligung des Rates in den höheren Schulen der Stadt wieder eine Pfennigsammlung zu Gunsten des Völkerschlachtdenkmals veranstaltet; sie ergab im Schiller- Realgymnasium 50 Mhk.

Nach der Generalverordnung des Königlichen Ministeriums vom 28. September 1909 war am 10. November der 150. Wiederkehr von Friedrich Schillers Geburtstag durch eine Schulfeier zu ge- denken. Dem Schiller-Realgymnasium lag eine solche Feier besonders nahe und am Herzen. Die Ordnung des Festaktus, dem der Unterzeichnete wegen Unwohlseins leider fernbleiben mußte, war die folgende:

Chorgesang: Mit dem Pfeil, dem Bogen. Deklamationen des Obertertianers Wulfsohn(Die deutsche Muse¹) und der Schüler Plesch, Fischer, Weigel und Reisch aus IIIbA(Ring des Polykrates mit verteilten Rollen.) Chor- gesang des Reiterliedes. Die Festansprache des Dr. Eichhorn war dem jugendlichen Alter unsrer Schüler angepaßt und behandelteSchillers Lehrjahre. Der Redner entwarf ein Bild jener Hof- und Fürstenschule, in der Schiller die entscheidenden Jahre seiner Jugend verbringen mußte, und schilderte ihren Einfluß auf Schillers Entwicklung, indem er darlegte, wie der stetige innere Widerspruch zwischen den Anlagen und Neigungen des werdenden Dichters und den Absichten und Formen der herzoglichen Akademie dem jungen Schiller schwere seelische Pein verursachen mußte, wie aber jene Jahre andrerseits den Jüngling stählten und zu dem Manne heranreifen ließen, den wir in ihm

bewundern. Deklamationen der Schüler der IIIbB: Lehr(Bittschrift) und Busse und Besser(Schiller als Feld- scher von Ludwig Aug. Frankl).Lied an die Freude, zweistimmig mit Klavierbegleitung.

Am Tage vor Weihnachten wurde nach dem Vormittagsunterricht die Schule bei brennendem Christbaum geschlossen; dazu:

Gesang des Chorals: Vom Himmel hoch. Verlesung des Weihnachtsevangeliums und Gebet(durch Oberlehrer Dr. Meyer). Violin-Vortrag von Reisert aus IIla(Largo von Händel). Chorgesang: Stille Nacht. Deklamationen von Freytag aus VIB(An der Straßenecke von Löwenberg) und von Schumann aus VIA(St. Niklas von Paula Dehmel). Violin-Vortrag von Heymann aus IV(Meditation von Gounod-Bach). Chorgesang: O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!

Die Lichter des Christbaumes leuchteten uns auch ins neue Jahr hinein; sie waren für die Andacht, mit der durch Oberlehrer Hilbert die Schule nach den Ferien wieder eröffnet wurde, noch- mals entzündet worden.

Den Geburtstag Sr. Majestät des Deutschen Kaisers Wilhelm II. feierte die Schule am 27. Januar durch einen Festaktus, dem zahlreiche Gäste, an ihrer Spitze Herr Stadtbaurat Peters als Vertreter des Rates der Stadt, beiwohnten. Das Programm der Feier war folgendes:

Salvum fac regem von M. Hauptmann, für einstimmigen Chor mit Klavierbegleitung. Violin-Vortrag von Reisert aus IIIa(Adagio von Schubert). Deklamationen von Reisch aus IIIbA(Fern im Süd das schöne Spanien). Festrede des Prof. Dr. Starke: Der Redner ging aus von den Verdiensten unseres Kaisers um die Marine, sprach von des Kaisers Liebe zur Seefahrt, die ihn öfters nach Norden, gelegentlich auch südwärts ins Mittelmeer führte, und erzählte im Anschluß daran von einer Osterseefahrt, die der Redner jüngst von Amsterdam durch den Kanal an der Küste Spaniens entlang nach Genua unternommen hatte. Dabei schilderte er anschaulich, welche Herrlichkeiten alle in der Zeit weniger Wochen besonders in Spanien, in das landeinwärts weite Abstecher unternommen wurden, vor seinem Auge vorbeigezogen waren. Reiterlied mit Trompetensolo und Klavierbegleitung von E. Müller. Dekla-