Aufsatz 
Bericht über die Eröffnung des Schiller-Realgymnasiums in Leipzig. - Eröffnungsrede
Entstehung
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Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, und

Ans Vaterland ans teure schließ dich an,

redlich verdient. An seiner Wiege ist es ihm freilich nicht gesungen worden. Geht nur, wenn ihr aus diesem stolzen Hause heraus tretet, einmal vorbei an dem ärmlichen Häuschen, dort drüben, ein paar Straßen weiter, in dem er, wie erzählt wird, das hohe Lied an die Freude gedichtet hat, um Euch daran zu erinnern, wie lieblich Euch das Los gefallen ist! Und dann denkt daran, daß dieser seltene Mensch sein Leben lang das getan hat, was ich Euch heute nahe gelegt habe. Unter erschwerenden Verhältnissen, behaftet mit einem siechen Körper, hat er in einer Weise mit sich gerungen, die ihn befühigt hat, der Lieblingsdichter unseres Volkes zu werden. Laßt uns versuchen, ihm nachzuleben, wenn er singt:

Die kleinste Sache kannst du gut verrichten,

Die kleinste schlecht. Aus lauter kleinen Dingen

Besteht der Tag, bestehen alle Tage,

Besteht das Leben. Darum warte nicht

Mit deiner Weisheit, deiner Redlichkeit,

Bis große Dinge mit Posaunen kommen.

An jedes wende du dein ganz Gemüt,

Die ganze Seele, alle Lieb und Treu!

Meine verehrten Herren Kollegen, die ich an dieser Stelle noch einmal auf das herzlichste begrüße, sie und ich, wir sind uns darin einig, daß wir uns auf das ernsthafteste bemühen wollen, Euch in diesem Geiste mit gutem Beispiel voran zu gehen. Dabei soll jeder von uns, welches Fach er auch vertritt, sei esgymnasial, Sei esreal, Wissenschaft, Kunst oder Fertigkeit, berechtigt sein, für sein Fach soviel Teilnahme zu erwecken, als er nur imstande ist. Wir wollen so tun in dem Bewußtsein, daß wir von dem köstlichsten dieser Erde etwas Euch mitgeteilt hätten, wenn es uns gelänge, Euch dazu zu führen, mit Lust, also ernsthaft zu arbeiten. Auf der anderen Seite wird jeder von uns die Verpflichtung haben, dauernd auf das peinlichste und sorgfältigste zu erwägen, wie er sich am besten der Allgemeinheit unterordnet.Einer für alle, alle für einen. Brächten wir das fertig, dann hätten wir den Bindestrich zwischen dem Realen und dem Gymnasialen wie solch einer auf der Inschrift unter dem schönen Giebelfelde unserer Schule fehlt in wirksamer Weise hergestellt, dann hätten wir Euch auf den Weg gebracht, dem wir zustreben, auf den Weg zu harmonischer, zu Schillerscher Ausbildung.

Das walte Gott!

Den Beschluß der kurzen Feier bildete der Gesang des Liedes: Nun danket alle Gott!

Am Tage nach der Schuleinweihung begann dann der regelmäßige Schulbetrieb, der an Lernende wie Lehrende nicht geringe Anforderungen stellte; galt es doch, Schüler recht verschiedener Vorbildung erst zusammenzuarbeiten. Es mag schon hier ausgesprochen werden, daß wir Lehrer im allgemeinen mit dem Eifer und dem Verhalten der Schüler wohl zufrieden sein konnten, namentlich haben sich die älteren Schüler ersichtlich bemüht, ihren Lehrern die Erziehungsarbeit nicht leichtsinnig zu erschweren.

Bereits am 29. April schenkte der Dezernent für die Gymnasien im Königlichen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts, Herr Geheimer Schulrat Dr. Seeliger, unserer Schule die Ehre seines Besuches, nachdem er sie schon vor ihrer Eröffnung einmal eingehend in Augenschein genommen hatte. Sie wird sich bemühen, der gütigen Teilnahme, mit der der Vertreter der hohen vorgesetzten Behörde die Entwicklung der Anstalt begleitet hat und begleitet, Ehre zu machen.

Am 5. Mai beteiligte sich der Berichterstatter mit mehreren Kollegen an der stimmungsvollen Feier, die dem 75 jährigen Bestehen der Schwesterschule im Süden der Stadt, der Petrischule galt. Er hat nicht nur äußeren Anteil daran genommen, denn er vergißt es ihr nicht, daß er vor bald 30 Jahren von ihr, als sie noch Realschule I. Ordnung hieß, in den Schulsattel gehoben worden ist.

Zur ersten öffentlichen Feier gab der Schulgemeinde des Schiller-Realgymnasiums freudigen Anlaß der Geburtstag Sr. Majestät des Königs Friedrich August am 25. Mai 1909. Unter der großen Zahl von Gästen, die sich dazu versammelt hatten, durften wir begrüßen als Vertreter des Rates den