Aufsatz 
Bericht über die Eröffnung des Schiller-Realgymnasiums in Leipzig. - Eröffnungsrede
Entstehung
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seinem Übertritt aus der verantwortungsvollen Tätigkeit eines Vorstehers des Schulamtes in die an Verantwortung und Ehre noch reichere eines Polizeidirektors unserer Stadt, nicht, wie wir gehofft hatten, unter uns begrüßen dürfen, ist uns leid.

Ganz besonderen Dank haben wir darzubringen dem eigentlichen Erbauer der Schule, Herrn Stadtbaurat Scharenberg. Das Werk lobt den feinsinnigen Meister. Eine Kritik ist hier nicht am Platze, aber nicht genug kann ich rühmen, mit welcher Freundlichkeit er manchem besonderen Wunsche, den ich glaubte äußern zu sollen, entgegengekommen ist.

Herzlichsten Dank zollen muß ich auch dem bauführenden Architekten, Herrn Krech, der mit nicht gewöhn- licher Besonnenheit im Namen und Auftrag des Hochbauamtes den Bau geleitet und mit unermüdlicher Geduld und Bereitwilligkeit mir standgehalten hat. Und ein ganzer Stab von treuen Mitarbeitern und Helfern ist aufgeboten worden wir können ihnen hier nicht im einzelnen danken, vor allem Ihr nicht, liebe Schüler. Aber eins könnt Ihr doch tun, Eure Dankbarkeit zu beweisen, und ich bin sicher, daß Ihr auch bereit dazu seid, wenn Ihrs Euch nur recht überlegt: Ihr könnt, jeder an seiner Stelle, das schöne Haus in Eure Obhut nehmen....

Auf Verständnis für diese Worte rechne ich namentlich bei den älteren Schülern, und ich bitte sie, namentlich unsere führende Klasse, die Ober-Tertia, heute ganz besonders: helft Ihr uns bei den jüngeren Kame- raden durch gutes Beispiel, wenn es sein muß, auch einmal durch einen deutlicheren Wink. Heute bitte ich Euch, für die Zukunft aber gilt: Wer mutwillig sich am Eigentum unserer Schule vergreift, wird strenge Richter in uns finden....

Wir sind in der Schiller-Schule. Ihr wißt wenigstens zum Teil, wie unser großer Dichter singt:

Die Schlange, die das Herz vergiftet, Die Zwietracht und Verderben stiftet, Das ist der widerspenstge Geist,

Der gegen Zucht sich frech empöret, Der Ordnung heilig Band zerstöret. Mut zeiget auch der Mameluck, Gehorsam ist des Christen Schmuck.

Laßt Ihr uns sehen, daß es Euch Ernst ist:

Der Pflichten schwerste zu erfüllen, Zu bändigen den eignen Willen,

so werdet Ihr uns auch immer zur Nachsicht bereit finden, wenn Ihr einmal eine Unbesonnenheit begangen habt. Meinet nicht, weil wir viel älter sind, als Ihr, wir hielten uns für fehlerlos und erhaben über Euch. Auch wir müssen täglich und stündlich mit unsern Fehlern im Kampfe liegen, auch wir wissen nur zu gut, daß wir des Ruhmes mangeln, den wir vor Gott haben sollten. Darum brauchen wir auch Eure Hilfe: Ihr sollt Eure Lehrer nicht reizen! Wenn Ihr auch einmal streng, vielleicht hart angefaßt werdet, müßt Ihr nicht gleich denken, es ge- schähe Euch Unrecht, und Ihr dürftet Euch rächen. Bemüht Euch nur, in angemessener Weise Eure Sache zu führen, und Ihr werdet, das kann ich Euch nicht nur für mich, sondern auch für meine Herren Kollegen ver- sprechen, immer ein williges und freundliches Ohr finden. Dann aber wird uns, wills Gott, ein Pflänzlein erblühen, das nicht leicht zu finden ist, das mühsam gesucht werden will: das Vertrauen. Dies edle Pflänzlein gedeiht nur auf einem nicht minder kostbaren Boden, auf dem Boden der Wahrhaftigkeit. Ich weiß, Schülerlügen wiegen bei manchem nicht schwer. Und doch, meine lieben Jungen, fragt Euch selbst, wie sollte es zu einem vertraulichen Verkehr zwischen uns und Euch kommen den doch auch Ihr wünscht, wenn wir immer gewärtig sein müßten, daß Ihr uns belügt! Also, nicht wer einmal etwas Unüberlegtes, Leichtsinniges, Verbotenes getan hat, ist deshalb schon schlecht. Wir werden es gern mild beurteilen wenn wir vielleicht auch der Ordnung und Gerechtigkeit wegen bestrafen müssen, aber Ihr müßt den Mut finden, Euch offen zu Eurem Fehler zu bekennen....

Meine lieben Schüler, unsere Schule trägt den Namen Schiller-Realgymnasium, das ist ein Ehrenname, und es wird eine unserer schönsten Aufgaben sein, Euch den Namen dieses großen Dichters und edlen Menschen lieb und teuer zu machen.

Es soll der Sänger mit dem König gehen,

Sie beide wohnen auf der Menschheit Höhen, hat Schiller gesungen. Da oben von der Wand blicken seine edeln Züge auf uns herab, umrahmt von den Büsten unseres geliebten Königs und unseres Kaisers. Wahrlich, an so erhabener Stelle zu stehen, in diesem seiner wür- digen Hause, das hat der Mann, der uns zugerufen hat: