Aufsatz 
Bericht über die Eröffnung des Schiller-Realgymnasiums in Leipzig. - Eröffnungsrede
Entstehung
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Am Montag nach der Osterwoche, am 19. April 1909, fand die Aufnahmeprüfung für V, IV und IIIe statt; außerdem waren einige Schüler zu prüfen, die neuerdings für die Klasse VI und III sich angemeldet hatten; endlich die, denen in den Vorprüfungen vom 24. Februar(für Sexta) und vom 6. April(für IIIb) eine Nachprüfung zugestanden worden war..

Von den 52 für IIIa Gemeldeten wurden 36 in diese Klasse aufgenommen, 10 traten nach dem Ausfall der Prüfung in die III ein.

Von den für III Gemeldeten waren 20 ohne Prüfung aufzunehmen; von den 29 Geprüften wurden 4 abgelehnt, im ganzen wurden die beiden Untertertien mit 59 Schülern eröffnet. Insge- samt war der Schülerbestand nach Abschluß der Prüfungen 237 Knaben in 7 Klassen, vermehrte sich aber binnen kurzem auf 242 Schüler.

Am Nachmittag des 19. April vereinigte sich das Lehrerkollegium, das schon vorher mehrfach an anderen Orten gemeinsam oder in Gruppen gesondert getagt hatte, zur ersten Konferenz im neuen Hause; und Dienstag den 20. April früh 8 Uhr versammelten sich Schüler und Lehrer zum ersten Male in der Aula, um die gemeinsame Arbeit im Schiller-Realgymnasium durch eine schlichte Feier einzuleiten. In Rücksicht auf die kleine Schar und das jugendliche Alter der Schüler sollte dieser Eröffnungs-Aktus ein nicht-öffentlicher sein, es waren also auch keine Einladungen dazu er- gangen. Trotzdem hatten sich außer den Angehörigen der Lehrer eine größere Anzahl Schüler-Eltern eingefunden, die herzlich willkommen geheißen wurden.

Da es einen Sängerchor der Schule noch nicht gab, leitete Herr Kantor Hänßel die Feier ein durch den Vortrag eines Präludiums auf einem Th. Mannborgschen Harmonium, das die Stadt gespendet hat.

Die Eröffnungsrede des Rektors konnte sich der Sachlage nach nur an die Schüler wenden. Wenn er trotzdem wenigstens einen Teil seiner Ausführungen hier wiedergibt, so geschieht es in der Hoffnung und mit dem Wunsche, daß recht viele von denen, die an diesem Tage zu seinen Füßen saßen, mit der Schule alt werden möchten. Und wenn sie, wills Gott, mit ihr in Ehren alt geworden sind, mögen vielleicht manche von ihnen gern zu diesen dann vergilbten Blättern greifen und der Zeit gedenken, da sie als erste Schüler in der jungen Schule weilten.

Die Ansprache lautete:

Liebe Schüler! Das walte Gott!

Kein anderes Wort kann an dieser Stelle zuerst gesprochen werden, als eine Bitte um den Segen aus der Höhe. So wie Jakob rief:Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn! Ihr kennt die Erzählung aus der bibli- schen Geschichte. Einsam war er drüben in Mesopotamien, im Zwischenstromlande, eingewandert vor langen Jahren; und nun lagert er mit einem Heere der Seinen an der Furt des Jabbok, sorgenvoll ob der Größe der Aufgabe, die ihm gestellt ist: diesem Heere der Seinen eine neue Heimat zu erringen in Kanaan, im gelobten Lande. Gott schenke uns in Gnaden, daß das Neuland, das wir hier zusammen betreten, für uns das Land der Verheißung, das gelobte Land werde, in dem jeder von uns sein wahres Glück findet!

Verheißungsvoll stellt es sich dar, das seht auch Ihr, liebe Schüler. Die Väter unserer Stadt haben uns ein herrliches Haus anvertraut, es zühlt gewiß zu den schönsten Schulen. Jetzt sieht das alles so aus, als ob es gar nicht anders sein könnte. Wer es aber allmählich hat wachsen sehen, der weiß, welche Unsumme von Überlegung, von täglich sich erneuernder Sorge dazu gehörte, bei der es auch an mancher Enttäuschung nicht fehlte, um dies prächtige Haus zum verlangten Zeitpunkte fast bis auf das Kleinste fertig hinzustellen. Deshalb werden wir, die wir das Schöne nun genießen dürfen, auch bereit sein, wärmsten und ehrerbietigen Dank zu zollen, in erster Linie den Behörden unserer Vaterstadt. Das eine teure Haupt, das diesen Bau geplant und gefördert hat, hat sich vor Jahresfrist schon im Tode geneigt: unser hochverehrter Ober-Bürgermeister Tröndlin schaut nur noch im Bilde zu uns hernieder; Ihr werdet sein nicht vergessen, liebe Schüler! Denen aber, die noch im Lichte wandeln, den Mitgliedern des Rates und der Stadtverordneten, ganz besonders den Herren Bürgermeistern, töne unser Heilruf! Daß wir einen der Herren des Rates, der besonders viel Sorge und Arbeit um uns gehabt hat, heute kurz vor