— 6—
zum Andenken an den Aufenthalt Friedrich Schillers im benachbarten Gohlis; im November des- selben Jahres wurde die Benennung in„Schiller-Realgymnasium“ umgewandelt.
Die Schule sollte Ostern 1909 mit den Klassen VI— IIIa einschließlich eröffnet werden. Den Stamm der IIIa sollte bilden die dem Progymnasium des Herrn Dr. Haller in Gohlis für das Jahr 1908 bis zur Eröffnung des Schiller-Realgymnasiums genehmigte Realgymnasial-Untertertia, den der IIIb die aus derselben Schule nach Absolvierung der IV Ostern 1909 abgehenden Schüler, falls sie die Aufnahmeprüfung am Schiller-Realgymnasium bestanden. Als Quinta und Quarta waren zu über- nehmen die Schüler der seiner Zeit wegen Überfüllung des König Albert-Gymnasiums bei der be- nachbarten I. Realschule errichteten gymnasialen Sexta und Quinta, soweit sie Ostern 1909 die Ver- setzung erreichten. Neu zu bilden war die Sexta. Der Mühe, die Anmeldungen für diese Klasse entgegenzunehmen, hatte sich im Auftrage des Rates im Oktober 1908 der damalige Direktor der I. Realschule, der jetzige Rektor der Ober-Realschule, Herr Prof. Thomas, unterzogen.
Unterm 3. Dezember 1908 wurde der unterzeichnete Berichterstatter vom Rate der Stadt zum Rektor des Schiller-Realgymnasiums gewählt und mit der interimistischen Führung der Geschäfte der neuen Schule beauftragt. Demzufolge wurde er mit Beginn des neuen Jahres vom größten Teile des Unterrichtes an seiner bisherigen Wirkungsstätte, der ihm durch 27 jährige Tätigkeit teuer gewordenen Thomasschule in Leipzig, entbunden.
Es würde dem Berichterstatter nicht anstehen, viele Worte von dem zu machen, was alles in dem Vierteljahre bis zur Eröffnung der Schule— in dem er auch noch durch Prüfungen an andern Anstalten durch beinahe drei Wochen festgehalten wurde— zu erledigen war; sein Briefbuch weist allein aus dieser Zeit 281 Nummern auf. Darum seien nur in Kürze die Richtungen bezeichnet, in denen vorgegangen werden mußte:
Die Räume der Schule mußten ihr Mobiliar erhalten, die Unterrichtsmittel, vor allem die Samm- lungen, waren wenigstens insoweit sofort zu beschaffen, daß ein geregelter Unterrichtsbetrieb im ersten Halbjahr sichergestellt war; die einzuführenden Lehrbücher waren zu beantragen, die not- wendigen Formulare zu entwerfen und zu drucken; Anmeldungen von Schülern waren entgegen- zunehmen und die Aufnahme-Prüfungen vorzubereiten; das Lehrerkollegium mußte gebildet werden. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn der Unterzeichnete neue Schulen und neue Einrichtungen anderswo in größerer Zahl und in größerem Umfange hätte studieren können; er vermochte nur kurze Besuche am Königin Carola-Gymnasium und an der IV. Realschule in Leipzig zu ermöglichen, am neuen schönen Realgymnasium zu Borna und am Realgymnasium in Zwickau. Hier lag ihm besonders daran, die chemischen und biologischen Schülerübungen kennen zu lernen, die Herr Dr. Bastian Schmid daselbst begründete. Den hilfsbereiten Leitern dieser Schulen und zahlreichen Fach- kollegen, namentlich den Herren Prof. Dr. Noellner und Dr. B. Schmid in Zwickau, Prof. Lands- berg in Königsberg i. O.-Pr., Prof. Stelz in Frankfurt a. M., Prof. Dr. Tesmer und Dr. F. Klengel in Leipzig, bleibt der Berichterstatter in Dankbarkeit verpflichtet. Ganz besondere Förderung ver- dankt er seinem bisherigen Rektor, Herrn Geheimen Studienrat Prof. Dr. Jungmann.
Soweit die Einrichtung der Räume des Schiller-Realgymnasiums von größerem Interesse ist, wird darüber unter Nr. II im einzelnen berichtet. Auch wird dort Rechenschaft darüber abgelegt, wie die Sammlungen bis zum Abschluß des ersten Schuljahres mit den außerordentlich und etats- mäßig zur Verfügung gestellten Mitteln haben entwickelt werden können. In der Bausumme waren dafür 20 000 Mark vorgesehen; auf Vortrag des Unterzeichneten wurde diese Summe durch eine außerordentliche Bewilligung unter Zustimmung der Herren Stadtverordneten auf 26 500 Mark erhöht. Davon sollten verwendet werden: 10 000 Mark für die Schulbibliothek, 4000 Mark für die physikalische


