— 5
trennt. Das Holzwerk hat braunen, die Wand darüber dunkelgrünen Anstrich erhalten. Links und rechts neben dem Konferenzzimmer sind die Lehrergarderobe und das Rektorzimmer angeordnet. Außerdem münden auf diesen Korridor sieben Klassenzimmer(von denen eines bis auf weiteres als Wartezimmer benutzt wird), das Chemiezimmer mit anschließendem Sammlungsraum und die einander benachbarten Räume für die Schüler- und die Lehrer-Bibliothek.
Das zweite Obergeschoß enthält über dem Konferenzzimmer die stimmungsvolle Aula mit blaßblau getönter Kassettendecke und bläulichgrünem Holzlambris. Die fünf rechteckigen Fenster sind von schweren goldgelben Vorhängen eingerahmt, ihre oberen Teile zieren rote Glasmalerein, darüber tragen kreisrunde Nischen die Büsten von König Friedrich August und Kaiser Wilhelm II., von Schiller und von Oberbürgermeister Tröndlin. Der Aula angegliedert ist der Saal für den Gesangsunterricht. Außerdem sind in diesem Stockwerke sieben Klassenzimmer und das Kombinationszimmer untergebracht.
Ein großer Saal für Freihandzeichnen und ein kleiner für das geometrische Zeichnen mit je einem Nebenraum(Fenster nach N.-O.) liegen im Dachgeschoß; außerdem die Empore der Aula.
Noch eine Treppe höher ist auf der Rückseite des Daches ein geräumiger Austritt für astro- nomische Beobachtungen geschaffen worden; er beherbergt bequem eine ganze Klasse, hat ringsum laufende Bänke und in der Mitte einen aufgemauerten Sockel zur Aufstellung des Fernrohres. Neben der ins Freie führenden Tür liegt im Dach eine verschließbare Kammer, in der die astronomischen Instrumente aufbewahrt sind.
Die Räume der Schule werden zumeist durch Gas erleuchtet; nur die Aula, das Gesangszimmer und die Räume für den naturwissenschaftlichen Unterricht haben elektrisches Licht.
Im Kellergeschoß sind zwei Räume für die Schülerwerkstätte abgetrennt, die gesonderten Ein- gang von der Ehrensteinstraße her haben. Neben der auf der entgegengesetzten Schmalseite des Hauses sich öffnenden Tür(Zugang von der Montbéstraße) liegt der Fahrradraum. An einem un- mittelbar zum Schulhof aufsteigenden Ausgang hat die Waschküche teil und der Raum für die Turn- schuhschränke mit reichlicher Waschgelegenheit für die Turner. Im übrigen wird das Kellergeschoß gefüllt von den Räumen für die Niederdruck-Dampfheizung und von den zugehörigen Frischluft- und Vorwärm-Kammern, den Lagerräumen für Brennmaterialien und der Heizerkammer.
Die Turnhalle, 21 m lang und 10 m breit, hat Riemenfußboden; ihre Decke wird durch ein Tonnengewölbe mit eingelegten Stichkappen in Rabitzkonstruktion gebildet.
Gegen die drei begrenzenden Straßen wird das Schulgrundstück durch schmiedeeisernes Gitter- werk zwischen Sandsteinpfeilern abgeschlossen, auf der Rückseite durch eine mit Zementputz ver- sehene Ziegelmauer.
Bei dem Entwerfen der Baupläne und ihrer architektonischen Durcharbeitung war in erster Linie beteiligt Herr Architekt Simon. Die Bauleitung lag in den Händen des Herrn Bauinspektors Goldammer und des Herrn Bauführers Krech. Die Heizungs- und Ventilationsanlage ist von Herrn Ingenieur Zechel bearbeitet worden.
Für die Einrichtung der Schülerwerkstatt, des Chemiezimmers und des Austrittes im Dach- geschoß wurden 7260 M. 75 Pfg. nachbewilligt, sodaß insgesamt 548 610 M. 59 Pfg. für den Bau und die Ausstattung der Schule mit Einschluß der Sammlungen zur Verfügung standen. Vergleicht man damit die Summen, die in anderen Städten für neunklassige Doppelrealanstalten aufgewendet worden sind, so darf ausgesprochen werden, daß die Stadt Leipzig mit verhältnismäßig begrenzten Mitteln um ein schönes, zweckmäßig und neuzeitlich eingerichtetes Realgymnasium bereichert worden ist.
Als Name der neuen Schule wurde im Mai des Jahres 1908„Schiller-Gymnasium“ gewählt,


