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Im Frühjahre 1907 fand das vom Hochbauamt unter Leitung des Herrn Stadtbaurat Scharenberg ausgearbeitete Bauprojekt die Zustimmung der Herren Stadtverordneten. Für die Baukosten wurde die Summe von 541 349,84 Mk. bewilligt. Im Herbst desselben Jahres konnte mit dem Bau selbst begonnen werden; im Sommer 1908 war das Haus unter Dach. Der gewählte Bauplatz hat eine bevorzugte Lage: auf dem Gelände, das früher die Baracken-Kaserne des 134. Infanterie-Regimentes trug, erhebt sich nächst der Gohliser Flurgrenze das schöne Schulhaus abseits des lärmenden Durchgangsverkehrs an der nördlichen Schmalseite eines Schmuckplatzes, den auf der Gegenseite das Intendantur-Gebäude begrenzen wird, während die östliche Längsseite von dem Gebäude der Kom- mandantur, die westliche von Privathäusern in offener Bauweise eingenommen werden wird. Die Hauptfront des Schulhauses liegt an der Fricke-Straße nach S.-W. Rechtwinkelig an das Hauptge- bäude, mit ihm durch einen überdeckten Gang verbunden, stößt die Turnhalle, die nach N.-W. in die. Ehrenstein-Straße blickt. Die Grundfläche des Bauplatzes beträgt 5154 qm; davon sind mit Ge- bäuden bedeckt 1543 qm, sodaß für den Schulhof und für die Vorgärten 3611 qm übrig pleiben ¹).
Die Häuser sind im Stile des Barock erbaut, schlicht zwar, aber eindrucksvoll durch die mächtigen, von Türmchen gekrönten Mansardendächer und durch den stattlichen Mittelbau. Vier korinthische Säulen tragen ein großes Giebelfeld, das mit der allegorischen Verkörperung der huma- nistischen und realistischen Wissenschaft nach dem Entwurfe des Bildhauers Professor Lehnert, ausgeführt vom Bildhauer Zander, geschmückt ist, während unten drei zurückgerückte, schöntürige Portale in eine gemeinsame Vorhalle sich öffnen.
Für den Gebäudesockel wurde Fichtelgebirgsgranit verwendet, für den Mittelbau und die Fenster- verdachung des ersten Obergeschosses Postaer Sandstein, im übrigen sind die Ansichtsflächen verputzt. Das Hauptgebäude weist ein helles Kellergeschoß, ein hochgelegenes Erdgeschoß und zwei Ober- geschosse auf; in der Mitte der Rückseite ist das Dachgeschoß ausgebaut. Wer durch das Haupt- portal das Schulhaus betritt, wird gefesselt durch die vornehme Ruhe des in schönen Verhältnissen ansteigenden Treppenhauses: die Treppenstufen bestehen aus hellgrauem Granit, die Treppenwangen tragen schlanke, goldglänzende Standleuchter, die Treppenfenster zeigen diskreten Schmuck farbiger Gläser, im übrigen herrscht hier durchaus die mattgelbe Sandsteinfarbe vor. Die Zimmer der einzelnen Geschosse sind angeordnet an Korridoren, die von S.-O. nach N.-W. durchlaufen und durch ein- ander gegenüberliegende Fenster hinreichend Licht und Luft erhalten. Der Korridor des Erdgeschosses, die Vorhalle und die Treppen sind überwölbt, die Korridore der Obergeschosse durch massive Decken geschlossen. Die Fußböden in den Korridoren sind gleich dem der Vorhalle mit hellfarbigen Ton- platten, in der Mitte mit einem dunkelgrünen Linoleumläufer belegt. Die übrigen Räume haben buchenen Riemenfußboden— System Hetzler-Weimar— erhalten.
Das Erdgeschoß enthält vier Klassenzimmer, das Physikzimmer(Fenster gegen S.-W.) mit Vor- bereitungsraum und Sammlungszimmer, das biologische Unterrichtszimmer(Fenster nach S.-O.) mit anschließendem Sammlungszimmer, das durch besondere Tür und Treppe unmittelbar mit dem Schulhof und dem Schulgarten verbunden ist, das Karzer und die Wohnräume für den Hausmeister, dessen Dienstzimmer durch ein nach der Vorhalle schauendes Fenster die Kontrolle über Ein- und Auslaß Heischende gestattet.
In der Mitte des ersten Obergeschosses liegt das schöne, geräumige Konferenzzimmer mit Balkendecke, Holzlambris und eingebauten Bücherschränken für die Handbibliothek; sein vorderer Teil längs der Fenster ist durch zwei Stufen erhöht und vom hinteren Teile durch eichenes Geländer ge-
1) Die tatsächlichen Unterlagen sind den Berichten des Hochbauamtes für die Jahre 1907 und 1908 entnommen.


