Aufsatz 
Zu Schillers Gedächtnis.
(Ansprache an die Schüler der Anstalt, gehalten am 9. Mai 1905.)
Entstehung
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Verständnis für Poesie.(Beachte besonders ihre eigene Au- Berung V. 107 f.:

»Die Kenntnis alter Sprachen und des Besten,

Was uns die Vorwelt ließ, dank' ich der Mutter« und ihre Verehrung für Vergil, dessen Herme sie»dankbar-« mit einem L.orbeerkranze schmückt.)

3. Die Gräfin steht den ernsten wissenschaftlichen Bestrebun- gen ihrer fürstlichen Freundin ferner, ist dafür aber für Poe- sie noch empfänglicher als diese.(Sie sagt von sich V. 140 f.:

Ich halte mich am liebsten auf der Insel

Der Poesie in Lorbeerhainen auf«; ihrer heiteren Sinnesart entsprechend hat sie eine besondere Vorliebe für Ariosto,-dessen Scherze nie verblühen«.)

4. Antonio ist gleichfalls in hohem Grade für Poesie empfäng- lich und ein geschmackvoller Kenner derselben(dies beweisen seine die Dichtung Ariostos verherrlichenden Worte V. 709 733), erblickt aber in ihr wie in der Kunst überhaupt nur eine Zierde des Lebens, dessen praktische Forderungen er höher stellt.

5. In dieser Umgebung lebt, durch seinen Genius dieselbe hoch überragend, Tasso, der gefeierle, vom Herzoge auf jede Weise begünstigte und ausgezeichnete junge Dichter, der Stern von Ferrara, der bewunderte und verzärtelte Liebling des Hofes, besonders der Frauen.(Das treffendste Charakterbild des»wun- derbaren Mannes« entwirft die Gräfin in den Versen 159 172.)

III. So gewinnen wir aus dem ersten Akte des Dramas ein lebensvolles, überaus anmutiges Bild höfischen Lebens vornehmster und edelster Art(zugleich ein lehrreiches Zeit- und Kulturbild aus der glanzvollen Epoche der italienischen Renaissance), dem allerdings auch der Schatten nicht fehlt: der drohende Konflikt zwischen Tasso und Antonio.

8. Inwiefern ist der Schluß desTasso tragisch, aber auch zugleich versöhnend?

I. Goethe bezeichnetIphigenie« und»Tasso« als Schauspiele; jedoch ist der»Tasso« als eine Tragödie zu betrachten, denn er schließt tragisch, wenngleich mit einem versöhnenden Ausklang.

II. A. Das Tragische des Schlusses: Verlust des mit der ganzen Seele angestrebten Glückes durch eigene Schuld(Katastro- phe). Hinweis auf Goethes eigene Außerung über das Wesen des Tragischen in»Kunst und Altertum«:»Das Grundmotiv aller tragischen Situationen ist das Abscheiden und da braucht's weder Gift noch Dolch, weder Spieß noch Schwert; das Scheiden aus einem gewohnten, geliebten, rechtlichen Zu- stande, veranlaßt durch mehr oder minderen Notzwang, durch mehr oder minder verhaßte Gewalt, ist auch eine Variation des- selben Themas.« Ferner in der dritten Ode an Behrisch: