Aufsatz 
Zu Schillers Gedächtnis.
(Ansprache an die Schüler der Anstalt, gehalten am 9. Mai 1905.)
Entstehung
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Den stärksten, freudigsten Widerhall in unserem Herzen weckt aber jener Ausspruch Wallensteins: Ja, Der Osterreicher hat ein Vaterland Und liebt's und hat auch Ursach, es zu lieben.

So steht Schiller heute, hundert Jahre nach der Vollendung seines irdischen Daseins, vor uns, groß und verehrungswürdig als Dichter wie als Mensch, der Stolz und der Liebling des deutschen Volkes, eine Zierde der Menschheit, zugleich auch ein erhabenes Muster und Vorbild für den studierenden Jüngling. Diesem hehren Vorbilde nach Kräften nachzustreben, an ihm und zu ihm sich zu erheben, sei deshalb in dieser weihevollen Stunde Ihr ernstester Vorsatz, für alle Zukunft Ihr eifrigstes Bemühen. Denn auch Sie werden einst die Wahrheit des Dich- terwortes erfahren:

»Der Mann muß hinaus

Ins feindliche Leben,

Muß wirken und streben...

Muß wetten und wagen,

Das Glück zu erjagen«; auch an Sie werden die Kämpfe des Lebens, an manchen von Ihnen vielleicht recht harte, herantreten. Prägen Sie deshalb, um in diesen Kämpfen, die niemandem erspart bleiben, zu bestehen, die Worte des Glaubens tief in lhre Herzen ein, schöpfen Sie Mut und Kraft aus dem Borne einer idealen Welt- und Lebensanschauung, der nirgends reicher und reiner quillt als in Schillers unsterblichen Werken, halten Sie fest am Vaterlande, treten Sie allezeit für Wahrheit und Ehre. ein und erkennen Sie Ihre höchste Pflicht darin, dasjenige zu leisten und zu sein, was Sie nach dem Ihnen zugefallenen Maß von Kraft leisten und sein können.

Wenn Sie auf diese Weise Herz und Geist zu Schillers hoch- ragender Gestalt erheben und sein leuchtendes Vorbild auf Ihrer künfti- gen Lebensbahn niemals aus dem Auge verlieren, dann werden Sie als würdige Söhne Ihres Volkes und Vaterlandes in jedem Wirkungskreise Tüchtiges und Segenbringendes schaffen und von dem geistigen Erbe, das Ihnen der Hohe hinterlassen, den besten und vollkommensten Gebrauch machen; dann wird sein Genius Sie auch treu geleiten durch alle Stürme und Nöte des Lebens und ein Hauch seines Geistes wird Ihr Lebenswerk, sei dieses auch das bescheidenste, erheben und adeln.

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