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Solange es aber uns gelingt, verehrte Anwesende, in der Jugend den Sinn für solche Ideale zu wecken und wach zu halten; solange die deutsche Nation ihres großen Dichters kostbares Erbe der Kultur, der Schönheit und Wahrheit, der Freiheit und edler Menschlichkeit hoch und heilig hält, solange wird auch der Feuergeist in ihr fortleben, der im Befreiungskrieg die französische Zwingherrschaft brechen und in den Jahren 1870/71 unsere nationale Einigung erringen half. Daß dieser Geist noch in der jetzigen Generation lebt und auch noch in den nächsten Generationen leben wird, Bürgschaft dafür ist gerade der heutige Tag, wo das deutsche Volk dem Genius des großen Dichters, der vor 100 Jahren zu Weimar zur ewigen Ruhe gebettet wurde, durch eine nationale Feier seltener und geradezu überwältigender Art seine Herzenshuldigung darbringt, und in diesem Sinne ist die heutige Feier nicht bloß eine Gedenkfeier des Todestages Friedrich Schillers, sondern zugleich eine Auferstehungsfeier seines Geistes. Möge dieser große Dichtergeist, wie er im letzten Jahrhundert unsere nationalen und kul- turellen Bestrebungen gefördert und geschützt hat, so auch fernerhin segnend über unser Tun und Handeln walten, möge er im deutschen Volke fortwirken zum Heil und Segen unseres Vaterlandes bis an das Ende der Zeiten!
RD EH


