. 950 So mögen ſie denn ſterben für des Vaters Aug'; gen ſ ſeerben fuͤr des Baters Aug; Dritte Scene. Für mich ſind ſie ja todt ſchon. Wieder wächſt der Schmerz Jaſon. Bald darauf Medea mit den Kindern auf dem Plattdache Und brennt der Haß. Es heiſcht, wie ich mich ſträuben des Hauſes mag, Jaſon,
mit einem Haufen Krieger herbeiſtürzend. Wer treu der Fürſtenhäupter jähen Tod beklagt, Herbei! daß wir der grauſen Unthat Stifterin 980 Ergreifen ſelbſt. Hierher, du tapf're Kriegerſchaar, Lenk' deine Waffen! AufW! zerſtör' das ganze Haus.
Die Furie meine Hand nun. Gut, ich folg' dem Zorn.— O wäre doch entſproſſen meinem Schooß die Schaar 955 Der ſtolzen Tantalidin; hätt' ich vierzehnmal Geboren doch! Für Rache war ich unfruchtbar.— Doch nein, zwei ſühnen Vater mir und Bruder ſchon.
Medea, Wie von Wahnſinn ergriffen. auf dem Dache erſcheinend.
Hul ſieh! Wo taumelt hin der Furien wilde Schaar? Ich habe wieder Scepter, Vater, Bruder nun,
Wen ſpürt ſie auf? Wo lenkt ſie hin den Flammenhieb? und Kolchis hat ſein einſt geraubtes goldnes Vließ. *60 Wem droht mit blut'ger Fackel Gluth der Höllenſchwarm? Es ward mein Reich mir wieder und der Jungfrau Chr'.
Jetzt ziſchen aus geſchwung'ner Geißel mächtig auf 985 Verſöhnt ſeid ihr, o Götter! O der frohe Tag,
Die Schlangen. Wen erſtrebt mit grauſem Fackelſtumpf Das Hochzeitsfeſt! Voran! Ein Frevel iſt vollbracht;
Megära? Weh! Was ſchwebt dort für ein Schatten her, Noch nicht die Rache. Wirk' ſo lang's vermag die
Geſtaltlos, unerkennbar? Ha! mein Bruder iſt's; Hand!— 965 Will Rache. Gut. Doch flöß' mir aller Fackeln Pein V Was ſäumſt du zweifelnd noch, mein Muth? ei du
vermagſt's.—
Ins Herz; zerfleiſch' und ſenge.— Rache üb' ich nun.—
O Bruder, heiß' die Rachegeiſter ſorglos nun Din iſt mein Holn, ic fäßle Mei, und ſihäme düüih
90 Was that ich Arme?— Bring' es Reue auch, ich that's. Hal es erfaßt mich wider Willen große Luſt, Die ſtets ſich mehrt. Das Eine hat gefehlt mir noch, Daß er es ſelber ſchaute. Noch iſt nichts gethan. Der Frevel, den er nicht geſeh'n, geſchah umſonſt.
Von mir entweichen hin zum tiefen Schattenreich. Mich überlaß' mir und bedien' dich dieſer Hand,
970 Die einſt den Mordſtahl zückte. Deinen Schatten ſühn' Dies Opfer hier.
Sie tödtet das eine Kind.— Getümmel erſchallt; ſie fährt auf. Doch horch! was ſoll mir dies Getös? Jaſon.
Ha! Waffenlärm. Zum Tode führt man jetzt mich ab.— 9⁰3 Ha, ſeht! dort ſteht ſie oben auf des Hauſes Dach. Begonnen hat das Morden. Nun beſteig' ich ſchnell Bringt Feuer ſchnell, damit ſie von der eig'nen Gluth Des Hauſes hohe Zinne. Du begleite mich, Verzehret ſterbe!
75 Und auch die Leiche ſchlepp' ich fort mit mir hinauf. Wohlan, mein Muth! Nicht im Verborg'nen darfſt du jetzt Thürm' den Scheiterhaufen nun
Die Kraft vergeuden. Zeig' dem Volk, was dn vermagſt. Für deine Söhn', Jaſon, und richt' her das Grab;
Medea.
Sie geht mit der Amme, den lebenden Knaben an der Hand, den Denn Braut und Schwäher ſind mit allen Ehren ſchon
ermordeten nachſchleifend, in das Haus... 1000 Von mir beſtattet. Deinen Sohn hier traf ſein Loos;
Den weih' ich nun vor deinen Augen gleichem Tod.
955. Der ſtolzen Tantalidin, nämlich der Niobe, der Tochter des Tantalus. Sie war die Gemahlin des thebaniſchen Königs Amphion und hatte(nach Annahme der griechiſchen Tragiker, denen auch Seneca folgt,) 7 Söhne und 7 Töchter. Da ſie, ſtolz auf ihre zahlreiche Nachkommenſchaft, gegen Latona, die nur 2 Kinder geboren hatte, ſich ihres Vorzugs rühmte, erregte ſie den Zorn der Göttin und ihrer Kinder, des Apollo und der Artemis. Die Söhne und Töchter der Niobe wurden von den die Mutter rächenden Kindern an einem Tage erſchoſſen. Niobe erſtarrte durch den ungeheueren Schmerz zu Stein und ſteht auf den Höhen des Sipylus, wo ſie noch als Fels über das Leid, das ihr die Götter zugefügt, Thränen vergießt.— Medea's Wunſch iſt zu gräßlich.
958. Hul ſiehl In wahnſinniger Verzückung ſieht Medea die Furien und des Bruders Schatten herankommen. Daß ſie erſt in dieſer Stimmung das eine Kind tödtet, iſt eine feinſinnige Anordnung des Dichters.


