Du, treue Amme, du Genoſſin meines Grams
Und aller Wechſelfälle, förd're meinen Plan.
*570 Wir ihaben ein Gewand, ein himmliſch Hauskleinod,
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Ein Fürſtenſchmuck, Aeetes einſt von Sol geſchenkt
Als Pfand der Herkunft, dann ein glänzend Halsgeſchmeid
Von reichgeſchlung'nem Golde und ein Diadem
Aus Gold, vom Glanz der Cdelſteine rein umſtrahlt. Das bringen meine Kinder als Geſchenk der Braut; Doch erſt beſtreich' und tränk' ich es mit Höllengift. Zu Hekate nun fleh' ich. Hol' die Schalen her; Erricht' Altäre; hoch zum Giebel ſchlag' die Loh'.
Vierte Scene.
Chor. Nicht des Feuers Macht und des Windes Toſen,
5380 Nicht der Blitz, der zackige, iſt ſo furchtbar,
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Als wenn glüht in Liebe und Haß ein Weib, des Liebſten beraubet.
Nicht auch iſt's der düſtere Auſter, wenn er
Winterregen bringet, und wild der Iſter
s Hineilt und die Joche der Brücken ſprengt und Schweift in der Irre.
Nicht der Rhodan iſt's, wenn er hin ins Meer ſtürzt,
Nicht der Hämus, wenn er am Strahl der Sonne Zehret, und der Schnee ſich in Bäche löſet
280 Mitten im Frühling.
Blind iſt Liebe, wenn ſie der Zorn geſtachelt,
Duldet Zähmung nicht oder Zügellenkung,
Scheut nicht Tod und ſtürzet dem blanken Schwert ſelbſt Kühn ſich entgegen.
595 Schonet ſein, wir bitten um Gnad', o Götter; Der das Meer bezwungen, er leb' in Frieden. Doch der Ueberwältigung ſeiner Herrſchaft
Zürnet der Meergott.
Der's gewagt zu lenken den Sonnenwagen, 600 Dann des Vaters Grenze verfehlt', der Knabe, Ward vom Feuer, das er als Thor verſtreute,
Selber ergriffen.
Keinem bracht' Verluſt die bekannte Straße.
Walle, wo in Frieden die Väter wallten, 60
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Und zerſtör' der Dinge geweihte Ordnung
Nimmer gewalſam.
Wer des frechen Kieles berühmte Ruder
Faßte, wer dem Pelion im geweihten
Hain den dichten Schatten ſo kühnlich raubte; Wer durch's Thor der wankenden Felſen ſchiffte
und, des Meer's unzähligen Müh'n entronnen,
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Löſte vom barbariſchen Strand die Taue, Daß mit fremdem Gut er als Räuber heimkehr: Hat mit graſſem Tode gebüßt des Meeres
645 Bittere Kränkung.
Rache heiſcht, zum Kampfe gereizt, der Meergott Tiphys, der vor Allen das Meer bezähmte, Mußt' ſein Steuer laſſen dem rohen Lenker.
Weit vom Vaterlande, an ferner Küſte 62²
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Hingerafft, liegt nun er bei fremden Schatten, Leicht bedeckt von ärmlichem Grabeshügel. Aulis, eingedenk des entriſſ'nen Herrſchers, Hält nun feſt die Schiffe im trägen Hafen,
Klagend um Säumniß.
583. Auſter, der Südwind; er brachte gewöhnlich Nebel und Regen, oft drückende Schwüle.
584. Iſter, die Donau.
586. Rhodan, die Rhone. Der Fluß wird von den Alten oft wegen ſeiner reißenden Schnelligkeit erwähnt.
587. Hämus, eine Bergkette im Norden von Thrazien(j. Balkan). 600. Knabe, nämlich Phaeſon, der Sohn des Helios und der Klymene. Da ihm der Vater als Zeichen ſeiner Liebe die Gewährung eines beliebigen Wunſches eidlich
zugeſagt hatte, ſo erbat er ſich auf einen Tag die Lenkung des Sonnenwagens, vermochte aber die Roſſe nicht zu zügeln und hätte beinahe den Weltbau in Brand ge⸗ ſetzt. Da ſchmetterte ihn Zeus' Blitz nieder. Er iſt das Bild aller Jünglinge, die unerfahren, ihre Kräfte nicht ermeſſend, ſich tollkühn an das Größte wagen.
609. Pelion. S. d. Einl. 6.
612. Barbariſchen Strand, d. i. Kolchis. 618. Rohen Lenker. Ancäus, der Nachfolger des Tiphys, ſtand dieſem natürlich an Kenntniſſen weit nach. Tiphys ſtarb bei den Mariandynern.(ſ. d. Einl. 7.) 622. Aulis, Hafenſtadt in Böotien, wird nur hier die Heimat des Tiphys genannt. Der Hafen war nach Angabe des Geographen Strabo gefährlich. Uebrigens
ſcheint der Dichter hier auf die Säumniß anzufpielen, welche die Griechen vor ihrer Abfahrt nach Troja in dieſem Hafen erfuhren.


