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Kreon. Iſt deinem Fleh'n mein finſt'res Ahnen gleich nicht hold, 2²95 Sei doch zum Rüſten dir ein Tag gewähret noch.
Medea. Es iſt zu viel, noch kürzen darfſt du dieſe Friſt. Ich ſelbſt beeil' mich.
Kreon. Mit dem Tode büßeſt du's, Wenn du, eh' Phöbus führt herauf den lichten Tag, Nicht weichſt vom Iſthmus. Doch zu Opfer und Gebet
300 Ruft mich der Tag, der Hymenäus heilig iſt. (Geht ab.) (Medea geht in das Haus.)
Dritte Sceue.
Chor.
Zu kühn war jener, der's tückiſche Meer Durchfurchte zuerſt mit zerbrechlichem Floß; Der, ſchauend im Rücken das heimiſche Land, Den Launen der Lüfte das Leben vertraut';
305 Der, den Meerplan ſchneidend in zweifelndem Lauf,
Sich mochte verlaſſen auf ſchwächliches Bord, Wo zwiſchen den Pfaden von Leben und Tod Die Grenze gezogen ſo ſchmal nur iſt.
Noch kannte die himmliſchen Bilder man nicht 3¹10 Und achtete nicht auf Sterne, womit Der Aether geſchmückt. Es konnte kein Schiff Noch meiden das ſtürmiſche Siebengeſtirn, Auch nicht der Olenia ſtrahlendes Licht, Und nicht den attiſchen Wagen, gefolgt
312. Siebengeſtirn, die Hyaden, ſieben Sterne am Haupte des Stiers. Ihr Auf⸗ und Untergang war gewöhnlich von Regen begleitet, daher der Name
„Die Regnenden“. Vgl. V. 96.
313. Olenia, oder die Oleniſche Ziege, wie es im Original heißt, iſt Amalthea, welche bei Olenos, einem Flecken in Achaja, den jungen Jupiter ſäugte und
ron ihm zum Lohne dafür unter die Sterne verſetzt wurde.
314. Der attiſche Wagen. Der altgriechiſche und römiſche Landmann dachte ſich die 7 Sterne des großen Bären auch als einen Wagen, mit Rindern be⸗ ſpannt, neben denen Bootes, der Ochſentreiber, herging. Attiſch heißt der Wagen, weil er den Athener Ikarius darſtellen ſoll, der den Bacchus gaſt⸗
3¹15 Vom greiſen Bootes in ſäumigem Schritt. Nicht hatte den Namen der Boreas noch, Und Zephyrus nicht.
Da wagt' es Tiphys, auf ſchaurigem Meer Die Segel zu ſpannen und Vorſchrift dreiſt 3²0 Zu geben dem Wind. Bald fährt er dahin Mit vollerem Bauſch; bald fängt er auf Mit laſſerem Tau zur Seite den Wind. Jetzt lehnt er die Rahen in ſicherer Hut Am Hauptmaſt an; jetzt zieht er ſie auf 325 Zur Höhe, ſobald vollwehenden Hauch Der allzu begicrige Schiffer erharrt, Und Segelchen flattern in röthlichem Schein Hoch oben am Maſt.
Es ſahen die Väter noch glückliche Zeit, 3³30 Denn ferne war Trug. Am eigenen Strand Fuhr langſam hin ein Jeglicher noch; Auf heimiſcher Flur ward Jeder noch alt; Bei Wenigen reich, kannt' Schätze er nur,
Die zeugte der Heimat liebliches Land.
335 Da mengte der Dinge geſchiedenes Recht
Der Theſſaliſche Baum. Er zwang die Fluth Selbſt Schläge zu dulden, und macht' uns ſo Zum weiteren Grund von Schrecken und Graus Die Ferne des Meer's. Schwer büßt' es auch
340 Der freche, geführt durch Irren umher.
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Als dort zwei Felſen, die Feſten des Meers, Beim plötzlichen Prall von hier und dort Aufſtöhnten ſo laut, wie Donnergebrüll;
Als hin zu den Sternen und Wolken ſodann
freundlich aufgenommen hatte und von demſelben dafür ſpäter unter die Sterne verſetzt wurde.
316 u. 317. Boreas, der Nordwind; Zephyrus, der laue Weſtwind.
326. Allzu begierig heißt der Schiffer, weil als Motiv zu der geſährlichen Meerfahrt hauptſächlich die Erwerbung von Schätzen angeſehen wurde.
336. Der Theſſaliſche Baum. S. d. Einl. 6. 341. Zwei Felſen: die Symplegaden.


