Nicht werd' ich läugnen; einen nur kannſt rügen du: Der Argo Heimkehr. Die Jungfrau, treu dem Vater: weh, ganz Griechenland
Nimm nur an, es folgt' der Scham
2410 Stürzt dann in ſeinen Helden; er, dein Eidam jetzt, Sinkt hin zuerſt durch wüth'ger Stiere Flammenhauch. Welch' Schickſal auch mich beugen mag, es reut mich nicht, Daß ich ſo vieler Fürſten Zierde rettete.
Was mir als Lohn für allen Frevel einzig blieb,
245 Du haſt es. Willſt du, ſo verdamm' die Schuld'ge, doch Gieb mir, wofür ich fehlte. Schuldig bin ich ja;
Doch wußteſt du's, als deine Kniee ich umfaßt' Und dich um Schutz mit ausgeſtreckter Rechten bat. Gönn' meinem Elend hier im Land ein Eckchen nur,
250 Ein ſchlecht Verſteck. Willſt aus der Stadt du treiben mich,
So gieb entfernt im Reich mir einen Ruhplatz.
Kreon. Daß ich kein Fürſt bin, der das Scepter grauſam führt, Und der das Elend niedertritt mit ſtolzem Fuß, Bewies ich, ſcheint mir, ziemlich deutlich, da ich' mir 255 Erkor zum Eidam einen Flücht'gen, der bedrängt Und ſcheu vor Furcht war, da zur Todesſtrafe ihn Akaſt verlangte, der Theſſaliens Reich beherrſcht. Er klagt ob ſeines Vaters, der als ſchwacher Greis, Gebeugt und zitternd, ward getödtet und ſodann 200 Im Tod zerſtücket, da, von deiner Liſt getäuſcht, Aus Liebe nur die Schweſtern wagten argen Gräu'l. Es kann Jaſon, nimmſt du deine Schuld hinweg, Sich leicht vertheid'gen: ihn, den unſchuldvollen, hat Kein Blut befleckt; vom Mordſtrahl hielt er fern die Hand, 265 Und fern von eurem Unheilsbund ſtand rein er da. Du, aller Frevelthaten einz'ge Stifterin, Die, Jegliches zu wagen, weib'ſche Tücke hat Und Muth des Mannes, doch Gefühl für CEhre nicht: Zieh' ab und räume mein Gebiet; nimm auch mit fort 270 Die Todeskräuter. Mach' von Furcht die Bürger frei.
In and'rem Lande weilend reiz' die Götter du.
241. S. d. Einl. 8.
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Medea. Du zwingſt zu ſiieh'n mich? Nun, ſo gib der Flücht'gen auch Schiff und Begleiter. Sag', was ſoll allein ich flieh'n?— Ich kam allein nicht. Ja, wenn Kriegsgefahr du ſcheuſt, 275 Treib' aus dem Reich uns beide. Wie kannſt trennen du Ein ſchuldig Paar? Für ihn fiel Pelias, nicht für mich. Nimm meine Flucht hinzu, den Raub, den Vater auch, Den ſchnöd' verlaſſ'nen, den zerfleiſchten Bruder und, Was Lieb' zum Manne ſonſt noch lehrt die junge Frau: 280 Mir galt es nicht. Oft fehlt ich zwar, doch nie für mich. Kreon.
Entferne dich. Was ſäumſt du ſchwatzend immer noch?
Medea.
Beim Weggeh'n bitt' ich flehend dich um Eines nur:
Die reinen Kinder treffe nicht der Mutter Schuld. Kreon.
Geh', wie ein Vater nehm' ich ſie in meinen Schooß. Medea.
285 Dann, bei dem Glück des königlichen Ehebund's, Bei deiner Hoffnung, bei des Thrones Fortbeſtand, Den zweifelhaften Wechſels führt das laun'ge Glück, Fleh' ich zu dir: Gönn' kurze Friſt der Flücht'gen noch, Daß ſie den Kindern gebe noch den letzten Kuß,
290 Vielleicht im Sterben.
Kreon. Nur zu Trug verlangſt du Zeit. Medea.
Wie kann man Trug denn fürchten bei geringer Friſt? Kreon.
Den Böſen iſt zum Schaden keine Zeit zu kurz.
Medea.
Verſagſt der Armen du zum Weinen kurze Friſt?
246. Das Wort crimen bäzeichnet öfter den ein Verbrechen veranlaſſenden Gegenſtand, hier alſo Jaſon.
257. Akaſtus, Sohn des Pelias. S. d. Einl. 12.
282. Dieſe demüthige Bitte Medea's ſticht etwaz grell ab gegen den Stolz in ihrer vorigen Aeußerung; indeſſen iſt zu bedenken, daß die Bitte nur eine erhenchelte iſt.


