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70 Komm,, mit Roſengezweig kränzend die Stirne dir. Wenn dem weiblichen Chor dieſe ſich zugeſellt, Du, der doppelten Zeit ſtetiger Bote, komm', Strahlt ihr Antlitz allein hell über Alle vor. Stern, der immer zu ſpät Liebenden wiederkehrt. 35 So erbleicht vor der Sonn' flimmernder Sterne Schein; Mütter wünſchen es ſehr, Bräute nicht minder, daß Die Plejadiſche Schaar birgt ſich in dichter Meng', Du den glänzenden Strahl ſendeſt in Eil' herab. Wenn zum völligen Ring einet die Hörner jetzt ..: öbe, die uns erglänzt i icht; 75 Weit beſieget der Jungfrau Zier Ph 2 8 änzt in dem eöorgken Licht; 3 Ale Vräute C ars So geröthet erſcheint Schnee, wenn ihn Purpur tränkt; ſe Bräute Cecrop. „„„. ¹100 So erblicket der Sonn’ glänzendes Flammenroth Und, die übet nach Jünglingsart„ — Früh am grauenden Tag oft der bethaute Hirt. Auf Taygetus' Joch die Stadt, Die entbehret der Mauern Wehr; Aus der Kolcherin Bett raff' dich vom Schauder auf. 80 Auch, die baden in Dirce's Quell Mit unluſtiger Hand und nur mit Angſt gewohnt Und im heiligen Alpheus. Sonſt zu faſſen die Bruſt jenes unbänd'gen Weib's, 4 ¹05 Faſſ' die griechiſche Braut, glücklicher Bräutigam; Wenn man ſeine Geſtalt bemißt, 9 griechiſch 23 h gam; .— Jetzt erſt Bräutigam biſt du mit der Eltern Wunſch. Weicht dem muthigen Aeſonskind Jett erſt g ſt unſch Mit geſtattetem Zank, Jünglinge, ſpielet nun. Er, des ſchrecklichen Donn'rers Sohn, 9 4. 2 ¹ Sendet Scherze von hier, ſendet von dort ſie her; 85 Der die Tiger in's Joch ſich beugt, die hab ſel . Freiheit gegen die Herr'n habt ihr ja ſelten nur. Und, der reget den Dreifuß, der Freiheit geg 5 Streng Jungfräulichen Bruder ſelbſt. ¹10 Du, hellſtrahlender Sproß des Thyrſus⸗Schwingers Lyäus, Caſtor weicht ihm und Pollux auch, Zünde— die Zeit iſt da— zünd' an die ſpaltige Fackel; Er, der Meiſter im Cäſtuskampf. Schüttle die feſtliche Gluth in ſchlaff hinſinkenden Händen. 9⁰ Laßt, o Himmliſche, ſtets die Braut Feſtliche Schmähung entſtröm' dem geſchwätzigen Fescenninus. Leuchten über die Frau'n, den Mann Maßlos ſcherze das Volk; doch ſchleich' in ſchweigendem Dunkel, Ragen über die Helden weit. ¹15 Die als Flüchtige je zum Mann den Fremden erwählet.
71. Stetiger Bote: Die Venus als Morgen⸗ und Abendſtern.
76. Cecropia, d. i. Athen, weil der Gründer der Burg Cecrops war.
78. Taygetus, ein Gebirge in der Nähe Sparta's.
80. Dirce's Quell bei Theben in Böotien war den Muſen heilig. Im Original ſteht Aonius latex, da der alte Name von Böotien Aonia war.
81. Alpheus, der größte Fluß des Peloponnes, der durch ſein öfteres Verſchwinden unter der Erde der Mythe Stoff gegeben hat zu der Erzählung von der durch ihn verſolgten Jägerin Artemis, die ſich ihm nur dadurch entzog, daß ſie ſich durch Schlamm unkenntlich machte. Unter den in ihm badenden Jungfrauen ſind jedenfalls Nymphen als Begleiterinnen der Artemis zu verſtehen, da dieſe namentlich bei Letrini in Elis verehrt ward. Das Waſſer des Alpheus war heilig und man muſch damit die Opfergefäße des Jupiter Olympios in Elis.
82—87. Jaſon wird hier verglichen mit Bacchus, dem Sohne Jupiters und der Semele, und mit Apollo, dem Bruder der jungfräulichen Artemis, unter deſſen Schutz die Orakel ſtanden. Beide waren Ideale der Schönheit.
88. Caſtor und Pollux, die Zwillingsſöhne der Leda, jener vom Zeus, dieſer von Tyndareus; der eine war als Roſſelenker, der andere als Fauſtkämpfer berühmt, beide aber durch Schönheit ausgezeichnet. Sie nahmen Theil am Argonautenzuge und wurden ſpäter als Dioskuren unter die Sterne verſetzt.
96. Die Plejaden, das Siebengeſtirn, eine Sterngruppe im Sternbilde des Stieres.
97. Phöbe, Beiname der Artemis als Mondgöttin. ſ. V. 7.
110. Ly äus, der Sorgenlöſer, Beiname des Bacchus, weil deſſen Gabe des Menſchen Herz erfreut; ſein Sohn iſt Symenäus ſ. V. 69. Sowohl Bacchus als auch ſein Gefolge, die Bacchantinnen, tragen den Thyrſus, einen mit Epheu und Weinreben umwundenen Stab.
113. Fescenniniſche Verſe nannte man die Geſänge, welche die jungen Römer bei feierlichen Gelegenheiten abſangen. Sie enthielten meiſt heitere, ſatiriſche, oft
zweideutige und unſittliche Gedanken, ſo daß dabei die toga praetexta abgelegt werden mußte, welche ein Symbol der Schamhaſtigkeit war. Derbe Aeußerungen des Witzes und beißender Spolt waren in dieſen Geſängen beſonders bei Hochzeiten vorherrſchend, ſo daß ſie gewiſſermaßen als eine Parodie des ernſten Hochzeits⸗ geſanges, des Epithalamiums, erſcheinen.— Uebrigens erlaubt ſich der Dichter hier einen ſtarken Anachronismus.


