Aufsatz 
Der Neubau der Oberrealschule II zu Cassel / von Heinrich Arnolt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

11

sich 10 cm vorspringende Lisenen, welche auch in der Vertäfelung und im Fries zum Ausdruck kommen. Auch die Querseiten sind durch zwei Lisenen in drei Felder geteilt. An der den Zeichensälen zu gelegenen Schmalseite ist in der Breite eines Feldes der Langseite eine Empore angebracht, die vom Flur des dritten Obergeschosses aus zugänglich ist und mit dem Gesangsaal in direkter Verbindung steht. Die Emporen-Brüstung, welche wie die ganze Empore aus Eisen- beton hergestellt wurde, ist an der Außenseite kassettenartig ausgebildet, ebenso die Untersicht der Empore. An der der Empore gegenüberliegenden Schmalseite ist ein rund 4,50 m breites Podium angeordnet und durch eine Balustrade aus Eichenholz abgegrenzt. Von gleichem Material ist die 1,80 m hohe Wandvertäfelung. Der mittlere Teil der Täfelung an der Rückwand ist durch Pfeilerstellungen mit reich ornamentierter Verdachung besonders betont. Die Türen nach den Zeichensälen und die Heizkörperverkleidungen sind entsprechend der Täfelung ausgebildet. Die Fenster der Aula haben Antikglas mit Glasmalerei erhalten, einige von ihnen auch allego- rische Darstellungen(den Fisch als Sinnbild der Verschwiegenheit, die Eule als Sinnbild der Klugheit, während der Fleiß durch eine Biene und die Schnelligkeit durch ein Wiesel gekenn- zeichnet sind). Auch die oberen und unteren Fenster des an der Straßenlangseite in Form eines halben Achteckes angeordneten Erkers sind in gleicher Weise ausgebildet. Die Wandflächen sind in einem satten gelben Ton gestrichen. In wirkungsvollem Kontraste zu diesem Anstrich stehen die weiß gehaltenen und nur durch braune Linien betonten Lisenen und der aus Stuck mit oberem und unterem Abschlußgesims hergestellte ornamentale Fries, der in ähnlicher Weise behandelt ist. Die größeren Felder der Wandflächen sind durch Stuckgliederungen und einfache Ausmalung belebt. Die Aula hat eine horizontale kassettierte Decke aus Kiefernholz erhalten. Auf dem braunen Grundton der Decke sind die Unterzüge und die Rahmen der Kassetten durch schwarze und weiße Linien betont. Eine Ausmalung der inneren Kassettenfelder in blauer, weißer und gelber Farbe erhöht die Gesamtwirkung der Decke. Die Wandtäfelung ist dunkelbraun gebeizt; in gleicher Weise sind die Bänke, das einfache aus Eichenholz mit wenigen Holzschnitzereien hergestellte Orgelgehäuse, die beiden Rednerpulte für Lehrer und Schüler, und die Balustrade des Podiums gestrichen. Die innere Ausstattung des Raumes wird noch vervollständigt durch Sechs größere, in Kunstschmiedearbeit aus Messing hergestellte, von der Decke herabhängende Beleuchtungskörper, durch je zwei Wandarme unter und auf der Empore und durch die mit elf Registern ausgestattete Orgel. Die Akustik des Gesamtraumes ist, durchaus sehr gut. Die Aula umfaßt unten 418 Sitzplätze auf Bänken, oben 80, zusammen 498 regelrechte Sitzplätze. Doch können in ihr 650 Schüler auf Bänken, unter Zuhülfenahme von Stühlen auch 700 Platz finden. Mit der Aula ist an der dem Podium gegenüberliegenden Wand unten der Zeichensaal, oben der Gesangsaal verbunden. In letzterem sind die Bänke auf. ansteigenden Stufen angeordnet, um einen freien Ausblick nach der Aula zu ermöglichen. Wenn also bei großen Festlichkeiten nicht nur die gesamte Schülerzahl, sondern auch Ehrengäste und die Eltern der Schüler untergebracht werden müssen, so können leicht die genannten beiden Räume zur Aula hinzugezogen und für 1000 Personen Sitzplätze eingerichtet werden. Für das Lehrerkollegium werden auf dem Podium besondere Stühle aufgestellt. Auf diese Weise dürfte der Raum der Aula bei allen feierlichen Handlungen, auch bei öffentlichen Vorträgen, Musik- aufführungen und Festspielen durchaus genügen.

Gesangsaal. Der Gesangsaal ist 14,72 1 8,13 m groß. Die auf steigenden bogen- förmigen Stufen angeordneten Bänke bieten 130 normale Sitzplätze; doch können hier 160 bis 170 Schüler untergebracht werden. Das in Monierkonstruktion hergestellte Muldengewölbe wird durch die Stichkappen der Fenster einerseits und diejenigen der Gurtbögen, die nach der