Aufsatz 
Der Neubau der Oberrealschule II zu Cassel / von Heinrich Arnolt
Entstehung
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1I. Der Neubau der Oberrealschule II zu Cassel.

Von Stadtbaumeister Arnolt.

Die Räume des alten Schulhauses in der Hedwigstraße entsprachen schon seit Jahren nicht mehr den Bedürfnissen der Anstalt, einerseits infolge der Einwirkung der veränderten Lehrziele und Lehrpläne, andererseits infolge der von Jahr zu Jahr gesteigerten Anforderungen der Schulgesundheitspflege.

Vorarbeiten. Bereits im Jahre 1908 war das Programm für den Neubau festgelegt, doch die Beschaffung eines genügend großen Grundstückes machte einige Schwierigkeiten. Als nach langen Verhandlungen die Wahl des Bauplatzes getroffen und im September 1910 die Entwurfsskizzen für die Bebauung des Grundstückes in der verlängerten Ysenburgstraße geneh- migt waren, konnte mit den weiteren Vorarbeiten begonnen werden. Die Aufstellung des aus- führlichen Entwurfes, der statischen Berechnungen und des Kostenanschlages, die Genehmigung der Entwurfsunterlagen durch die städtischen Behörden(am 19. Oktober 1911), durch den Kreisarzt, das Provinzial-Schulkollegium und die Baupolizei, ferner die Verdingung der wich- tigsten Bauarbeiten und Materialien erfolgte so schnell, daß die Erdarbeiten am 7. Februar, die Maurerarbeiten am 5. März 1912 begonnen und der Bau am 14. Oktober 1913 seiner Be- stimmung übergeben werden konnte.

Bauplatz und Stellung des Gebäudes. Das Grundstück der Oberrealschule hat eine Größe von 4475 qm und liegt mit der Westseite nach der Bürgistraße und mit der Nordseite nach der Xsenburgstraße. An der Ostseite wird es von dem für den Bau einer Doppelbürger- schule in Aussicht genommenen Grundstück begrenzt, an der Südseite von Privatbesitz.

Bei der Aufstellung des Entwurfes ging das Bestreben dahin, zu gruppieren, den Grund- riß den Bedürfnissen entsprechend möglichst frei und ungezwungen zu gestalten, und durch günstige Verteilung der Massen ein künstlerisch befriedigendes Gesamtbild zu erzielen. Für die Verteilung der Baugruppen auf dem Grundstück waren folgende Erwägungen maßgebend: Die Klassenräume wurden in einem Baukörper vereinigt. Die Anordnung derselben mußte so erfolgen, daß die Fensterwände nach Nordosten bis Nordwesten oder Westen liegen. Dabei erhalten die Unterrichtsräume einige Zeit hindurch Sonnenlicht, aber zumeist vor oder nach den Schulstunden. Während des Unterrichts ist alsdann eine ruhige, gleichmäßige Belichtung gesichert. Ein weiterer Baukörper enthält die biologischen und physikalischen Räume, Zeichen- säle, Gesangssal, die Zimmer des Lehrkörpers und die Bibliothek. Zeichensäle müssen mög- lichst nach Norden liegen, das physikalische Lehrzimmer hingegen nach Süden, um die optischen