Aufsatz 
Der Neubau der Oberrealschule zu Kassel und die Feier der Einweihung
Entstehung
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Die physikalischen Zimmer. Oberlehrer Dr. Wilhelm Merkelbach.

Die Räume für den physikalischen Unterricht liegen im östlichen Teil des zweiten Obergeschosses. Sie bestehen, wie aus dem Plane ersichtlich, aus dem auf der Südseite ge- legenen Lehrzimmer, dem nach Norden zu liegenden Sammlungs- und dem dazwischen ge- legenen Vorbereitungszimmer. Letzteres wurde durch Abgrenzung des Flurendes erhalten. Ausserdem ist für physikalische Zwecke noch der über dem Lehrzimmer gelegene Bodenraum nutzbar gemacht. Massgebend für die Wahl dieser Räume war die Rücksicht auf eine mög- lichst freie Lage des physikalischen Lehrzimmers, sodass Nachbargebäude den Zutritt des Sonnenlichts selbst im Winter nicht beeinträchtigen. Da das an den östlichen Teil des Ge- bäudes stossende, der Stadt gehörende Grundstück den zweiten Sammelbehälter der städtischen Wasserleitung enthält, also nicht bebaut wird, so haben wir Aussicht, dass uns der genannte Vorzug der Lage auch in Zukunft erhalten bleibt. Wir haben dafür freilich einen Ubelstand mit in den Kauf nehmen müssen: den geringen Druck, den die Wasserleitung in den oberen Räumen besitzt. Die Druckhhe derselben reicht bis wenig über die Zimmerdecke. Daher war uns die Aufstellung unserer Arzberger'schen Wasserluftpumpe und des Wasserstrahlgebläses, die wir beim Gebrauch in unserm frühern Lehrzimmer sehr schätzen gelernt hatten, hier nicht möglich, selbst wenn wir sie aus dem auf dem zweiten Boden befindlichen Wasserbehälter gespeist hätten. Es blieb aus also nichts übrig, als diese Apparate im Lehrzimmer für Chemie im Kellergeschoss aufzustellen.

Das Lehrzimmer für Physik ist 7 m breit und 10,5 m lang. Es hat auf der Südseite 3 Fenster, deren Nischen 2,50 m Breite haben. Zwischen dem ersten Fenster und der nach dem Vorbereitungszimmer führenden Thür findet sich der 4 m lange, von M. Kohl in Chemnitz gelieferte Experimentiertisch. Er kann einerseits durch eine anzulegende, bis zum Fenster reichende Platte um 1 m, andererseits durch einen fahrbaren Ergänzungstisch um 0,00 m verlängert werden, sodass nôtigenfalls eine Tischfläche von fast 6 m Länge zur Ver fügung steht. Im allgemeinen zeigt er die von Weinhold angegebene Einrichtung; im Ein- zelnen sind jedoch verschiedene Abänderungen getroffen.

Der Tisch besitzt Gasleitung mit 5 Hähnen und Wasserleitung mit einem Ausflusshahn. Letzterer wird durch den auf dem Boden aufgestellten Wasserbehälter gespeist. Unter dem Wasserhahn befindet sich ein mit dem Wasserabflussrohr in Verbindung stehendes, bleiernes Tropfgefäss. In der Tischplatte sind 2 Wasserausgüsse angebracht, die gewöhnlich durch gusseiserne emaillierte Deckel geschlossen sind. Zur Vermeidung von Erdschlüssen bei elektrischen Strömen ist das Bleifutter der Ausgüsse von dem Abflussrohr durch Asbest- Ppappe isoliert.

Auf Gasabzug und elektrische Wärmevorrichtung am Experimentirtisch haben wir verzichtet, weil die Anlage Schwierigkeiten machte. Das hierzu erforderliche 1o cm weite Abzugsrohr liess sich vom Tische nach dem in der Rückwand angebrachten Abzugskanal unter dem Fussboden nicht führen, da einer der dort befindlichen eisernen Träger hätte teil- weise durchbrochen werden müssen, was die Bauleitung nicht gestatten wollte. Der in der Wand befindliche Abzugskanal, der mit Hülfe eines Schiebers in der hölzernen Wandbekleidung zugänglich ist, wird jetzt zur Aufbewahrung von Säuren und dergl. benutazt Im Ubrigen vermissen wir die genannten Einrichtungen auch kaum. Denn Gasabzug wird im physi-