Aufsatz 
Des Friedrichs-Gymnasiums Lehrplan für den deutschen Unterricht
Entstehung
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Zufolge der erheblichen Verminderung der Klaſſenverbände(von 21 auf 9) und der Schülerzahl konnte im Laufe des Sommers unter der ſorgſamen Leitung des Königlichen Baurates Herrn Schuchard eine gründliche Wiederinſtandſetzung des Gymnaſialgebäudes begonnen werden. Zugleich erfuhren die Räume der verſchiedenen Sammlungen die ſeit langer Zeit erſehnte Erweiterung(ſ. u. V).

Dagegen wurde leider mit dem 1. April das Lyceumsgebäude von dem Gymnaſium getrennt und gingbehufs anderweiter Nutzbarmachung für die allgemeinen Staatsfinanzen in die Verwaltung der hieſigen Königlichen Regierung über. Dieſes Gebäude, oberhalb ſeines Säulenportals mit den beiden großen Standbildern der Frömmigkeit und des Fleißes, als einer Verſinnbildlichung des alten Wahlſpruches des LyceumsOra et labora geſchmückt und mit der goldenen InſchriftLyceum Fridericianum verſehen, hatte der Landgraf Friedrich II. am 23. April 1779 der Stadt Caſſel, als der damaligen Patronin und Beſitzerin des Lyceums, als eine fürſtliche Schenkung überwieſen zum Zwecke der Verwendung desſelben für dieſe Schule. Das Lyceumsgebäude war ſeit jener Zeit nur zu Schulräumen und, mit alleiniger Unterbrechung während der Zeit der Fremdherrſchaft, zu Dienſtwohnungen der Lehrer benutzt worden; und noch in dem Vertrage, welchen der Staat im Jahre 1840 mit der Stadt Caſſel über die hieſigen Gymnaſialverhältniſſe abſchloß, war ausdrücklich feſtgeſetzt worden, daß dieſes Gebäude allezeit nur in dem Intereſſe des Gymnaſiums(genannt Lyceum Fridericianum) benutzt werden dürfe. So dankenswert es nun auch iſt, daß denjenigen vier Lehrern, welche zur Zeit der Errichtung eines zweiten hieſigen Gymnaſiums eine Dienſtwohnung in dem Lyceumsgebäude innehatten, ihre Wohnung mietweiſe und auf Kündigung noch zu behalten geſtattet worden iſt, ſo betrübend bleibt es doch, daß das nach landesherr⸗ licher Beſtimmung urſprünglich nur zum Nießbrauche für das jetzt Friedrichs⸗Gymnaſium benannte Lyceum beſtimmte Haus dem Beſitze dieſer Anſtalt entzogen worden iſt.

Am 3. Mai wohnten ſämtliche Lehrer der Anſtalt der feierlichen Eröffnung des hieſigen Königlichen Wilhelms⸗Gymnaſiums bei.

Durch Verfügung Königlichen Provinzial-Schulkollegiums vom 19. Mai wurde dem Hülfslehrer Prätorius die Ernennung zum oördentlichen Lehrer, durch eine gleiche Verfügung vom 17. Juni dem ordentlichen Lehrer Dr. Kius der Oberlehrertitel zu teil.

Während des erſten Vierteljahres waren der ordentliche Lehrer Paulus II durch eine militäriſche Dienſtleiſtung und der Oberlehrer Dr. Paulus I durch Krankheit mehrere Wochen lang an der Beſorgung ihrer Dienſtgeſchäfte verhindert.

Am 21. Juni ſtarb der ordentliche Profeſſor der Philologie Dr. Julius Cäſar zu Marburg. Derſelbe war einer der älteſten Schüler des hieſigen Lyceums und hat dieſer Anſtalt allezeit treue An hänglichkeit bewahrt. Davon legte er u. a. bei der Jubiläumsfeier im Jahre 1879 durch beredte Worte wie durch Geſchenke einen ihn und die Anſtalt ehrenden Beweis ab, und noch in ſeinem Teſtamente gedachte er der von ihm geliebten Anſtalt dadurch, daß er derſelben den großen ſilbernen Ehrenpokal ver⸗ machte, welchen am 1. April 1834 zum 50jährigen Dienſtjubiläum des letzten ſtädtiſchen Rektors des Lyceums, Dr. Nathanael Cäſar eines Onkels des Profeſſors Cäſar die Dankbarkeit der Schüler dem verdienten Rektor und Lehrer dargebracht hatte. Den Wert dieſer letztwilligen Schenkung erhöhte in liebenswürdiger Weiſe Herr Reichsgerichtsrat a. D. Dr. Bähr dahier dadurch, daß er dem Gymna⸗ ſium nicht nur eine von ihm abgefaßte ſchriftliche Schilderung jener Jubiläumsfeierlichkeit, ſondern auch diejenige Rede zum Geſchenke brachte, mit welcher er bei jener als einer der oberſten Schüler der dama⸗ ligen Prima jenen Becher dem Rektor Cäſar überreichen durfte. Die chroniſtichiſche Inſchrift des Bechers hatte denſelben Herrn Dr. Bähr zum Verfaſſer; ſie lautet: Accipe virtuti quod gratus amor tulit ultro.

Die Sommerferien dauerten vom 4. bis zum 31. Juli. In den erſten Tagen derſelben unternahm