Dazu kam die Kölner Stiftsfehde mit ihren Folgen. Der missliebige Erzbischof von Köln hatte den Herzog Karl den Kühnen von Burgund gegen seine Diözese zu Hülfe gerufen, und dieser belagerte nun die Stadt Neuss mit allen Schrecken einer Belagerung (1474 und 1475). Nur mit Mühe hielt sich die Stadt noch unter der umsichtigen Verthei- digung des Coadjutors Hermann von Köln, eines Bruders des Landgrafen Heinrich, mit seinen tapfern Hessen. Er harrte und harrte auf die kaiserliche Hülfe, aber sie blieb aus. Endlich erschien sie unter dem Befehle des Kurfürsten Albrecht Achilles. Wie freuten sich schon die Hessen, den stolzen Burgunderherzog demüthigen zu können! Bald aber verkündigte ihnen der Markgraf Albrecht von Brandenburg, dass der Kaiser mit dem Herzoge Friede geschlossen habe(17. Juni 1475) ³). Es war ein geheimer Friede, betreffend die Heiraths- verbindung des kaiserlichen Prinzen Maximilian mit der reichen Erbin Maria von Burgund. Einer österreichischen Hausintrigue wurden somit eine deutsche Stadt, die Waffenehre ta- pferer Truppen und das kaiserliche Ansehen geopfert, und Albrecht Achilles, der sonst so rit- terliche Held, liess sich auch dazu gebrauchen! Beschämt musste er in sein Land zurüchkreiten.
Als er jedoch selber des Kaisers Undank und Treulosigkeit erfahren hatte, ver- sammelte er die Kurfürsten zu Nürnberg(1480) und berieth mit ihnen des Reiches Lage in der grossen Türkengefahr, fest entschlossen, nöthigenfalls auch ohne den Kaiser zu handeln. Bei dieser Gelegenheit näherte er sich den erbverbrüderten Freunden wieder, und so wurde denn am 15. November 1480 von dem Erzbischof Hermann von Köln, dessen Bruder Hein- rich III. von Hessen und Herzog Albrecht von Sachsen ein Ehebündniss zwischen dem Herzoge Wilhelm von Jülich, Berg und Ravensberg und der sibilla, einer Tochter des Markgrafen Albrecht Achilles, verabredet ⁴⁰).
Im Jahre 1483 starb Heinrich III. von Hessen. Ihm folgte in Oberhessen sein Sohn Wil- helm der Jüngere, in Niederhessen folgten ihm seine Neffen(Ludwigs II. Söhne) Wilhelm der Aeltere(zu Cassel) und Wilhelm der Mittlere(zu Spangenberg). Zehn Jahre später musste der auf einer Pilgerreise tiefsinnig gewordene, sonst so treffliche und beliebte Wilhelm der Aeltere zu Gunsten seines Bruders abdanken, in welchem übrigens Hessen-Cassel einen talent- volleren Regenten erhielt. Bald nach Heinrich starb Kurfürst Albrecht von Brandenburg, der deutsche Achill, 300 Jahre vor seinem erhabenen Nachkommen Friedrich dem Grossen (1486), in Frankfurt, wo er noch eben der Wahl Maximilians zum römischen Könige beigewohnt hatte ¹¹).
Sein Sohn Johann Cicero(1486— 1499), welcher schon vorher die Marken 10 Jahre lang regiert hatte, wurde nun Kurfürst von Brandenburg, ein gelehrter, einfacher,
³⁰) Rommel, III. S. 57— Droysen, II. S. 433.— Teuthorn, VlII. S. 463.— Souchay, IV. S. 379. 4⁰) Riedel, HI. 5, p. 368. 41) Droysen, II. 1, S. 510.


