Aufsatz 
Über die politischen Beziehungen zwischen Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Augsburger Religionsfrieden / vom a.o. Pfarrer und o. Lehrer Dr. Gustav Adolf Wachenfeld
Entstehung
Einzelbild herunterladen

12 der, wenn auch in kritischen Momenten manchmal verleugnet, doch bis zur neuesten Zeit im ihrem Bewusstsein geblieben ist.

Ludwig der Friedsame von Hessen überlebte den Abschluss der Erbverbrüderung nicht lange: er starb am 17. Januar 1458. Ihm folgte in Niederhessen sein ältester Sohn Ludwig II (der Freimüthige) und in Oberhessen sein zweiter Sohn Heinrich III.(der Reiche), welcher. 1479 seinen Schwiegervater Philipp von Katzenellenbogen beerbte und die schöne Grafschaft am Rhein zum Gesammthause Hessen brachte. Sie waren zwei ganz verschiedene Charaktere: Heinrich bequem und friedliebend, Ludwig hastig und streitsüchtig. Bald waren sie mit einander befeindet und blieben es bis kurz vor Ludwigs Tode(1471).

Eigenthümlich war ihre Stellung zu den brandenburgischen Brüdern Friedrich II. und Albrecht Achilles während der Mainzer Stiftsfehde, eigenthümlich aber auch die Stellung der beiden Brandenburger zu einander.

Diether von Isenburg, der gewählte Erzbischof von Mainz, hatte auf ausdrückliches Verlangen seines Capitels die Bundesgenossenschaft mit Albrecht Achilles, dem Burggrafen von Nürnherg, mit übernehmen müssen, weil dieser der Grenzfeind des IHIerzogs von Baiern war, welcher mit dem Pfalzgrafen, dem Grenzfeinde von Mainz, die alte Herrlichkeit des baierischen Hauses wiederherstellen wollte. Aber am 4. Jali 1460 zu Pfeddersheim bei Worms von pfälzischen und niederhessischen Truppen geschlagen ³⁶), halte sich Diether mit seinem alten Freunde Friedrich von der Pfalz wieder ausgesöhnt und dadurch mit Albrecht Achilles enlzweit. Dazu war er über die Annaten und die Palliengelder mit dem unver- schämten Papste und über die faule Reichsregierung mit dem Kaiser entzweit, so dass er in den Bann und in die Acht erklärt wurde. Sein Nebenbuhler war Adolf von Nassau. Ludwig von Niederhessen löste aber die Waffenverbrüderung mit der Pfalz und schloss sich den. Vollstreckern der Reichsacht gegen Diether von lsenburg an, unter welchen namentlich auch Albrecht von Nürnberg war; Heinrich von Ober-Hessen dagegen verband sich mit seinem. Schwiegervater Philipp von Katzenellenbogen, dem Pfalzgrafen und Diether von Isenburg ³⁸⁷). Der Kurfürst Friedrich II. von Brandenburg war ebenfalls auf Diethers Seite, ja dachte auch mit ihm an die Absetzung des Kaisers 4s). Ob er aus Rücksicht auf den Bruder in Franken seinen Parteistandpunkt aufgab, wissen wir nicht. Aber das steht fest, dass Albrecht Achilles und Landgraf Heinrich ihre Farbe nicht wechselten, und das Schicksal wollte es, dass 1470 Albrecht Achilles an die Stelle seines Bruders Friedrich II, welcher sich auf die Plassenburg zurückzog, Kurfürst von Brandenburg, und dass Heinrich III. nach Ludwigs Tode(1471), Landgraf von Gesammthessen wurde.

³) Menzel, Diether von Isenburg,§. 63. Rommel, III. S. 11. ¹) Kommel, IlII. S. 13. ³³) Riedel, II. 5, p. 55 bis 58. Rommel, III. S. 13.