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wältigt und gezwungen war seine ungerechifertigten Forderungen endlich einmal aufzu- geben. Den Frieden zwischen dem Landgrafen und dem Erzbischofe vermittelte Friedrich von Brandenburg, der sich schon vorher mehrere Male bemüht hatte, die Streitenden zu versöhnen ¹⁴).
Intimer war der Verkehr zwischen Friedrich II. von Brandenburg und Ludwig von Hessen.
Noch zu Lebzeiten Friedrichs I, welcher sich 1426 in seine fränkischen Besilzthümer zurückgezogen und die Verwaltung der Marken nach einander seinen Söhnen Johann und Friedrich überlassen hatte, stiftete Landgraf Ludwig am 1. Juni 1439 zwischen Kurbranden- burg und Kursachsen, welche, schon an sich eifersüchtig auf einander, über den Würzbur- ger Capitelstreit zu den Waffen greifen wollten, den Vergleich zu Lichtenfels und vermittelte ein Verlöbniss zwischen dem brandenburgischen Kurprinzen und der sächsischen Prinzessin Catharina, einer Schwester des Kurfürsten Friedrich des Sanftmüthigen von Sachsen und der Landgräſin Anna ¹⁰). Zum Danke dafür schlug der alte Kurfürst Friedrich I. in Gemeinschaft mit dem böhmischen Abgesandten Heinrich von Plauen auf dem Wahltage zu Frankfurt am 2. Februar 1440 den Landgrafen Ludwig von Hessen zum deutschen Kaiser vor ¹6)) Wohl war der Vorgeschlagene, wie Aschbach in seinem Leben Sigismunds (III. S. 204) von ihm rühmt,„kriegerisch und tapfer, fromm und haushälterisch, wie wenige Fürsten« 1⁷),(der Papst hatte ihm die goldene Rose geschickt), aber doch bei allen seinen Regententugenden der Aufgabe eines deutschen Kaisers in damaliger Zeit, wo Alles in Gährung war und sich auf eine grosse Reformation in Kirche und Staat, öffentlichem und privatem Leben vorbereitete, nicht gewachsen. Dies fühlte Niemand besser, als der beschei- dene Landgraf selbst, weshalb er verbindlich ablehnte ¹s). Und doch wäre Ludwig von Iessen immerhin ein viel besserer Kaiser gewesen, als Friedrich(III.) von Oesterreich, Albrechts II. Vetter und des Kurfürsten von Sachsen Schwager, welcher nun gewählt wurde und zum Unheile für Deutschland über ein halbes Jahrhundert(1440— 1493) die Kaiserkrone trug. Kurfürst Friedrich I. überlebte diesen Wahlmissgriff nicht lange: er starb am 21. Septem- ber 1440.
Sein Sohn und Nachfolger Friedrich II., ein Gesinnungsgenosse des Landgrafen, führte 1441 seine sächsische Braut heim und erneuerte seine Erbeinigung mit Sachsen ¹9), nach-
⁴) Rommel, II. S. 269— 276.— Droysen, I. S. 491.— Aschbach, Kaiser Sigismund III. S. 301.
*³) Riedel, Cod. diplom. Brand. II. 4, p. 195.— Droysen, I. S. 639.
¹16) Rommel, II. S. 303.— Droysen, J. S. 640.
¹⁷) Vergl. Pü ckert, Die kurfürstl. Neutralität. S. 298.
16) Aeneas Sylvius, de moribus Germanorum et de statu Europae sub Friderico III.— Rommel, II. Anm. S. 211.— Günterode, Ludwig der Friedsame. S. 65 und 66.
¹⁵) Riedel, II. 4, p. 245.— Müller, sächs. Annalen, S. 31, führt irrthümlich den 10. Oct.(statt des 11. Juni) als Datum der Erbeinigung an..


