Aufsatz 
Über die politischen Beziehungen zwischen Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Augsburger Religionsfrieden / vom a.o. Pfarrer und o. Lehrer Dr. Gustav Adolf Wachenfeld
Entstehung
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Mit ihnen begannen zugleich die verwandtschaftlichen und politischen Beziehungen zu lfessen, indem Kurfürst Friedrich I. die alten Verbindungen nicht vergass, welche er als Burggraf Friedrich VI. angeknüpft hatte. Und wir dürfen gleich vorausschicken, dass das polifische Verhältnis zwischen Brandenburg und Hessen-Cassel, wenn auch einige Male getrübt, im Ganzen so lange freundschaftlich geblieben ist, bis ein Verständnis zwischen ihnen nicht mehr möglich war.

Wir können 3 Perioden dieser politischen Beziehungen unterscheiden: 1) von 1415 bis 1555, die Zeit der Reformation im weiteren Sinne des Wortes, des Ringens beider Staaten nach einer in politischer und religiöser Beziehung unangefochtenen Existenz, der Erbverträge zwischen Sachsen, Brandenburg und Iessen, des politischen Gleichgewichts beider Staaten unter dem Uebergewichte Sachsens, 2) von 1555 1648, die Zeit der protestantischen Religionspolitik, des politischen Uebergewichts von Hessen-Cassel, des gemeinschaftlichen Kampfes für die Anerkennung des reformirten Bekenntnisses. 3) von 1648 1866, die Zeit der weltlichen Politik, des politischen Uebergewichts von Branden- burg-Preussen mit freuer Bundesgenossenschaft Hessen-Cassels, bis die österreichische Politik des letzten Kurfürsten von Hessen den Untergang der Selbständigkeit von Hessen- Cassel und seine Einverleibung in Preussen herbeiführte.

I. Periode(1415 1555).

Kurfürst Friedrich I. von Brandenburg und Landgraf Ludwig der Friedsame von Hessen, Hermann des Gelehrten Sohn, welcher von 1413 1458 regierte, waren zwar hefreundet, aber zu verschiedene Naturen, um auch in Reichsangelegenheiten immer gemeinsam zu handeln. Jener, der Mann der grossen Politik, stand über seiner Zeit, ein verkannter poli- tischer Reformator, dieser, der treue Regent seines Landes und Friedensvermittler der Nach- barn, war einer der edelsten Söhneseiner Zeit, der aber nichts weniger als reformatorischen Geist besass. Während sich Friedrich von Brandenburg als Feldherr und Staatsmann zur Zeit der furchtbaren Hussitenkriege vergebens abmühte, seinem deutschen Vaterlande durch Rath und That zu nützen und darüber sogar sein eignes Kurfürstenthum vernachlässigte, betheiligte sich Ludwig von Hessen persönlich nur zweimal(1420 und 1431) an jenen Kriegen, machte dagegen 1429 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem und suchte zwischen den Nachbarn Frieden zu stiften. Zu der hartnäckigen Fehde, welche er selbst in den Jahren 1422 1427 mit dem Erzbischofe(Conrad) von Mainz hatte, wurde er wider seinen Willen genöthigt; aber er ruhte auch nicht, als bis der ewige Störefried an Hessens Grenze über-