Aufsatz 
Über die politischen Beziehungen zwischen Brandenburg und Hessen-Kassel bis zum Augsburger Religionsfrieden / vom a.o. Pfarrer und o. Lehrer Dr. Gustav Adolf Wachenfeld
Entstehung
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2 Begleitung seines Schwagers Hermann von Hessen) unter grossen Schwierigkeiten derſar Königswahl(1410). Dieser hatte dem Burggrafen nicht blos die Reichskrone, sondern auch sein Leben zu verdanken, indem ihn derselbe in der Türkenschlacht bei Nikopolis (1396) gerettet hatte. Es war also, abgesehen von der Trefflichkeit der Wahl, vorzugsweise ein Akt der Dankbarkeit, dass Sigismund im Jahre 1411 den Burggrafen zum Statthalter und im Jahre 1415 zum Kurfürsten von Brandenburg erhob. Die ſeierliche Belehnung erfolgte jedoch erst 1417, wie wenn die beiden Zahlen 1 und 7, welche bei den späteren Rang- erhöhungen der Hohenzollern in den Jahreszahlen vorkommen(1701 und 1871), auch damals schon ihre bedeutsame Rolle hätten spielen sollen. Die verwandtschaftlichen und freundschaft- lichen Beziehungen der Hohenzollern zum Hause Hessen wurden nun von der Pegnitz an die Spree übertragen und waren nicht ohne Einfluss auf ihre territoriale Politik.

Zwischen Brandenburg und Hessen hatten bis dahin so gut wie gar keine Beziehungen staut gefunden. Wir müssten denn die vorübergehende Waffenbrüderschaft Albrechts des Bären und seines Sohnes Otto l. mit den Landgrafen Ludwig I., II. und III. von Thüringen und Hlessen gegen die eroberungssüchtigen Welfenfürsten Heinrich den Stolzen und Heinrich den Löwen in den Jahren 1137, 1167 und 1180), als Hessen, zum Theil mit Thüringen verbun- den, noch keine selbständige Landgrafschaft war, hier in Anschlag bringen, oder wir müssten darauf Gewicht legen, dass der Landgraf Heinrich I. von Hessen nach seiner Aussöhnung mit Rudolf von Habsburg, der ihn wegen seiner Fehde mit dem Erzbischof Werner von Mainz in die Acht erklärt hatte, nebst dem Markgrafen Otto V.(dem Langen) von Brandenburg in den wichtigen Friedensunterhandlungen vom 21. September 1276, 6. Mai und 12. September 1277 zwischen Rudolf von Habsburg und Oltokar von Böhmen, zum Schiedsrichter gewählt wurde). Dies würden aber auch nach den Geschichtsquellen die einzigen Spuren von politischen Beziehungen zwischen Brandenburg und Hessen vor den Hohenzollernschen Markgrafen sein.

Die Fürsten der beiden entlegenen Länder an der Spree und Fulda hatten bis zum 15. Jahrhundert noch zu viel gegen ihre eifersüchtigen weltlichen und geistlichen Nachbarn und den mit diesen meist verbündeten unfolgsamen Adel zu kämpfen, um so fern liegende Ver- bindungen anzuknüpfen. Dazu kamen noch besondere Gründe.

Zur Zeit der baierschen Markgrafen hälte unter Thüringens Vermittlung leicht eine Annäherung der beiden Staaten Brandenburg und Hessen eintreten können, wenn nicht der Kaiser Ludwig der Baier mit seiner ländergierigen Eifersucht hinderlich gewesen wäre. Der Markgraf Friedrich der Ernsthafte von Meissen und Thüringen, mit einer Tochter des Kaisers

³) Rommel, II. S. 253. ³) Romm el, I. S. 245, 259 und 264. ) Böhmer, Regesta imperii von 1246 1313, p. 80, 85, und 88.