„„— 19 find, in der Welt ausſehen? Wie wird es ihnen ergehen? Wie es ihnen ergehen, ob ihr Lebensloos in ſo truͤben Zeiten gluͤcklich oder ungluͤcklich falen werde, das haͤngt weder von ihnen noch von uns ab. Aber ob ſie der frechen Ruchloſigkeit, dem alle Vernunft verhoͤhnenden
Unrechte und dem auf ſeine Triumphe trotzenden Laſter die Stirn bieten, ob ſie— ſolle es ihnen auch nicht gelingen, der Ubergewalt
dieſer hoͤliſchen Maͤchte Schranken zu ſetzen— wenigſtens die Wuͤrde ihrer Perſon und den Adel ihrer Menſchheit retten;— oder ob im Gegentheil auch ſte ihre Knie und ihren Muth vor den Goͤtzen, vor welchen die jeztlebende Generation im Staube liegt, beugen; ob auch ſte gleich ſo vielen Tauſenden, iin der Schande ihre Ehre, in der Niedertraͤchtigkeit ihre Groͤße und im Verbrechen ihr Glück ſucheu werden, das wird von ihnen, und inſofern auch von uns abhaͤngen, als die Kultur ihres Geiſtes und Charackters gegenwaͤrtig noch in
unſern Haͤnden iſt. Vaͤter und Muͤtter, Erzieher und Lehrer! wie iſt euch zu Muthe, wenn ihr eure Kinder, eure Zoͤglinge und
Schuͤler anſehet, und dann einen Blick in die Welt werft, fuͤr die ihr ſie erziehet und in der ſie bald auftreten, wirken und leiden ſollen?
Hier blinder, alles verſchlingender und in ſeiner Verblendung ſich am Ende ſelbſt ins Verderben ſtuͤrzender Egoismus, eine Allmacht der
Sinnlichkeit und eine Tyrannei der Luͤſte, die jedes beſſere Gefuͤhl toͤdtet; dort eine Demuth, die vor der Gewalt wie ein Wurm kriecht und den Erfolg in dummer Anbetung vergottert, aber, ſobald ſie es mit Schwaͤchern zu thun hat, zur brutalſten Inſolenz wirdz da ein Kunſt⸗ und Wiſſenſchaftsduͤnkel, der ſich in nichts beſſer als
in literaͤriſchen Buͤbereien gefaͤllt, und, viel zu ſchlaff fuͤr die Gefuͤhle
der Liebe, der Dankbarkeit und der ehrfurchtsvollen Bewunderung gegen
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