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Verehrter Herr Kollege, Ihre vorgesetzte Behörde hegt das Vertrauen zu Ihnen, dass Sie mit Ernst und Eifer bestrebt sein werden, als ein Vorbild der Jugend die Ihnen übertragene Stelle auszufüllen. Möge der Himmel lhren Eingang bei uns segnen, möge Ihnen, wie Ihrem Vorgänger, das Zutrauen und die Liebe der Jugend entgegenkommen, und mögen Sie selbst in Ihrem schweren Berufe hohe Befriedigung finden!—
Ich selbst darf hier nicht daran denken, den Umbreis unserer Pflichten und speziell meiner Aufgaben an dieser Schule mit Worten auszumessen. Einiges habe ich Ihnen ange- deutet, und die Nachfolge Ernst Schulzes ist, meine ich, auch schon ein Programm. Hervor- heben möchte ich nur 3 Punkte: Erstens soll es mein Bestreben sein, den aus den örtlichen Verhältnissen hervorgegangenen eigentümlichen Charakter der Agnstalt als eines mit einer Realschule verbundenen Gymnasiums alten Stiles seiner Tradition getreu zu bewahren. Nur da, wo die Anordnungen der Behörden oder die gebieterischen Forderungen der Zeit Abweichungen verlangen, werde ich suchen sie ohne Erschütterungen, anknüpfend an das Bestehende, durchzuführen. Freuen werde ich mich stets, wenn solche gebotenen Abweichungen und Aenderungen sich auch als wirkliche Verbesserungen erweisen werden. — Insbesondere liegt es mir fern, die eine Schulart vor der anderen parteiisch zu bevor- zugen. Als überzeugter Freund humanistischer Studien weiss ich doch recht wohl, dass die realistischen und humanistischen Anstalten vieles gemeinsam haben und dass da, wo sie auseinander gehen, ihnen beiden Aufgaben gestellt sind, deren Bewältigung für unsere nationale Kultur in gleichem Masse wichtig und erforderlich ist.— Daher wird ein ordnungs-— liebender, gesitteter und fleissiger Realschüler in meinen Augen ebensoviel gelten wie ein Gymnasiast, beide aber, Realschüler und Gymnasiast, sollen sich stets vor Augen halten, dass die höheren Schulen mit Recht nur dann so heissen, wenn sie höhere Auf-— gaben stellen, die Erfüllung höherer Pflichten fordern.— Zweitens weiss ich recht wohl, dass zur Erziehung der jugend die Schule allein nicht ausreichend ist. Das Elternhaus, der gesellige Verkehr, das ganze Leben der Stadt, das Milieu, in dem das Kind aufwächst, der jüngling sich entwickelt, sind mindestens gleich starke, oft viel stärkere Faktoren der Charakterbildung. Ja, diese vollzieht sich überdies fast stets, um mit Goethe und den Alten zu reden, an einer schon„geprägten Form, die lebend sich entwickelt“. Denn die junge Seele ist nicht etwa wie Wachs oder Plastilin, das jedem Drucke der formenden Hand folgt.— So bitte ich denn die Bürgerschaft der Stadt, von deren hochver- chrlichen Vertretern manche hier anwesend sind, auch ihrerseits die schwere erzieherische
Grenzanlagen in Deutschland und das Limeskastell Saalburg(ebenda. 36. Heft) 1903. II. verb. Aufl. 1906. — 16. Text zu„Fünf Bildern in Farbendruck nach Aquarellen von Peter Woltze“(Die Saalburg). Gotha, Fr. A. Perthes. 1904.— 2. Schulprogramme, bezw. Beilagen dazu.— 1. De vasculo picto et Amazonis pugnam et inferiarum ritus repraesentante. Gothaer Gymnasium. 1870— 2. Jahresbericht der reformierten Kirchenschule zu St. Petersburg 1878: Schilderung der Feier zur Einweihung des Neubaus nebst statist. Beigabe.— 3. Lehrplan der reformierten Kirchenschule zu St. Petersburg; ebenda 1880.— 4. Ueber Leben und Dichten des Archilochos, Alkaios und Solon; ebenda. 1886.— 5. Ueber die Aufmerksamkeit; cbenda 1886.— 6. Die Verschmelzung lateinischer Adjektiva mit nachfolgenden Substantiven zu einem Begriff. Homburger Realschule 1890.— 7. Ungedruckte Briefe des Prinzen Leopold von Hessen- Homburg und seiner Geschwister. 1804— 1813. Homburger Progymnasial-Progr. 1899.— 8. Durch Nacht zum Licht, Szenen aus Homburgs vergangenen Tagen,(mit Prolog von W. Bauder). Dichtung zur Erinnerung an die Einweihungsfeier des Homburger Gymnasiums am 29. März 1901.— 9. Ueber Wesen und Förderung der Aufmerksamkeit. Homburger Gymnasium. 1908.— 3
3. Zeitschriften-Artikel und Verschiedenes.— 1. De Pacanio, Eutropii interprete. Philologus 1869. S. 284— 299.— 2. Beiträge zu Leutsch's Philolog. Anzeiger. 1869— 70. S. 86, 141, 251.— 3. 2Zu Diodor. Rhein. Mus. 1868[XXIIII S. 77 ff.— 4. Beiträge zur Kritik des Polybius; ebenda. S. 427— 31.— 5. Der latus clavus der römischen Tunica; ebenda. 1874. S. 120— 23.— 6. Zu Cicero de finibus I 7, 23; cbdla. 1880. S. 483f.— 7. Zu Homers Odyssee VII 69; cbda. 1886. S. 151.— 8. Anzeige von Fr. Mat:„De Philostratorum... fide“, Fleckeisens Jahrbücher 1868.— 9. Ueber das Schlussgedicht des 3. Buches der Oden des Horaz; cbda. 1887. S. 621—7.— 10. Zu Odyssce p. 251,) 184, 226; ebda. 1889. S. 30— 32.


