bringt ſeine verfinſterte Seele immer und immer wieder in Schwingungen, löſt in ihm die höchſten Energien aus. So krönt er am Abend ſeines Lebens ſein tatenreiches Daſein mit der Gründung des deutſchen Fürſtenbundes: die Vereinigung aller deutſchen Fürſten gegen Habsburg zur Erhaltung des Beſtehenden. Der erſte national-deutſche Bund, ohne konfeſſio⸗ nellen Beigeſchmack wie der Schmalkaldiſche des 16. und die Union des 17. Jahrhunderts. Eine Verkörperung der kleindeutſchen Idee, die von einem Habsburg in Deutſchland nichts wiſſen
will.„Die Zeit der Ferdinande iſt nun vorbei!“, rief jubelnd der Greis von Sanſſouci. Und lag auch für den Augen⸗
blick die Kraft dieſes Bündniſſes nur in ſeiner konſervativ⸗defenſiven Tendenz, ſo waren doch die Bahnen für die deutſche Zukunft ge⸗ zeichnet.—
Die Bahnen waren der Nation gezeichnet, aber ſie verſtand es nicht, ſie zu wandeln! Vor allem fehlte es in Preußen an Perſön⸗ lichkeiten. Der Staat Friedrichs des Großen brach zuſammen vor dem großen Sohn der Re⸗ volution; zwar erhob ſich Deutſchland wieder unter den Erzklängen ſeiner Freiheitsdichter, aber Preußen, das allein Bonaparte nieder⸗ geſchlagen hatte, bekam bei der großen Wiener Liquidation von 1815 nichts ſeinen Opfern Aequivalentes. Es war eben keine Perſön⸗ kichkeit da, und ſo verlor es ſeine Führerſtelle an Oeſtreich. Das deutſche Volk erfuhr von neuem die Segnungen des habsburgiſchen Des⸗ potismus, den Friedrich der Große niederge⸗ gerungen hatte, unermüdlich, mit den Waffen des Krieges und den noch mehr ermüdenden des Geiſtes. Sollte all' das Ringen umſonſt geweſen ſein? Umſonſt gefloſſen die Ströme Bluts Sollten unerhört verſchallen die heißen Bitten der Nation? Mächtig erklingen wieder die Kyffhäuſerglocken, bald todestraurig:„Und wenn die alten Raben noch fliegen immerdar, ſo muß ich auch noch ſchlafen, verzaubert hun⸗ dert Jahr.“ Bald hoffnungsfreudig:„Er wird doch wiederkommen.“——
Die Jahre 1848— 49 kommen herangebrauſt, ſie peitſchen das deutſche Volk aus ſeiner Le⸗ thargie, es wird geredet vom Kaiſerreich und Kaiſerkronen: ſie bringen aber nichts als die Lehre, daß ein lebenskräftiger Staat nicht aus blutloſen, papiernen Abmachungen geſchaffen werden kann. Eine Kaiſerkrone kann nur auf dem Schlachtfelde gewonnen werden. Und die
Kaiſerkrone Deutſchlands lag begraben in den Dünen Schleswig⸗Holſteins! Und die Stunde kam, wo die Deutſchen ihre Blicke nach Norden wandten, der kimbriſchen Halbinſel, dem alten Wikingerland, wo die Schleswig⸗Holſteiner ſchon einmal für heimiſches Recht und heimiſche Erde geblutet hatten. Und Deutſchlands große Stunde ſchlug, als Bismarck die Sache Schleswig⸗ Holſteins zur Sache Deutſchlands machte und, zuerſt widerwillig, das preußiſche Volk, dann die Norddeutſchen, endlich das ganze dentſche Land in brauſender Begeiſterung hineinriß in die deutſchen Einheitskriege, welche die Träume der Jahrhunderte erfüllen ſollten. 1864 beginnt das wilde Lied, deſſen ſtimmungsvolle Ouvertüre anhebt in den Trompeterklängen vor den Düppeler Schanzen, das in mächtigen Akkorden anſchwillt auf den Schlachtfeldern von König⸗ grätz, Gravelotte und Sedan, und deſſes don⸗ nerndes Finale der Kanonengruß bildet, den am 18. Januar 1871 die Batterien von Mont⸗ valérien nach Verſailles ſenden, ein Huldigungs⸗ gruß dem erſten Kaiſer des neuen Deutſchen Reichs. Und dem neuen Kaiſer beugen ſich die (Völker all' zugleich Und auf's neu zu Aachen gründet er (das heil'ge deutſche Reich. Ein deutſches Reich, kein Imperium im Sinne jener alten Kaiſer, kein Empire im Sinne Bonapartes, ſondern ein Staat, deſſen zentrale Lage in Europa es gebietet, die Führerſtelle in Europa einzunehmen. Und waren die Blicke der Welt früher gerichtet auf die Ufer der Seine, ſo waren ſie nunmehr gerichtet auf die Ufer der Spree. Ein Staat, der mitarbeiten ſoll an den Kulturaufgaben der Menſchheit, nie zurück— ſtehen, ſondern feſt zugreifen ſoll: denn die
Welt hier unten gehört nicht dem Geſchlecht
der Friedfertigen, ſondern dem Starken, der ſich allein vertraut, nicht zage iſt, der die Wucht ſeiner Perſönlichkeit einſetzt: wie der große Friedrich und wie Bismarck. Und wer Platz an der Sonne haben will, darf nicht warten, bis man ihm den Platz anbietet, ſondern er muß ihn ſich nehmen.
Und wenn für unſer Vaterland die Stunde des Handelns ſchlägt, ſo wird jeder, der deutſch denkt, der die große Geſchichte ſeiner Nation kennt, treu ſtehen zu dem Hohenzollernhauſe, dem Hauſe des großen Friedrichs, treu ſtehen zu ſeinem Kaiſer!
Schudt'’s Buchdruckerei, Hombura.


