Aufsatz 
Die Wälder Europas während der Tertiärperiode im Vergleich zu denen der Jetztzeit
Entstehung
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Die Flora von Japan erinnert uns ganz und gar an unsere Tertiärflora. Hier finden wir neben Gewächsen Ostindiens und der Amurflora, neben tropischen Bambusen, dem Kampfer- baum, Magnoliaceen und Ternströmiaceen und neben endemiscnen Arten, Pinus, Fagus, Castanea und andere Gewächse europäischen Gepräges, reichlich vermischt mit nordamerikanischen Typen.¹) Und diese Eigenthümlichkeit der Floren Japans und des atlantischen Nordamerikas erhält dadurch noch eine um so grössere Bedeutung, dass viele der europäischen tertiären Arten der Holzvegetation, selbst von Gattungen, die auch jetzt in Ruropa vertreten sind, ihre nächsten Verwandten in den genannten Florengebieten besitzen, dass Asien, Amerika und Europa zur miocänen Zeit eine grössere Anzahl gemeinsamer Arten besessen haben, dass namentlich das nordöstliche Asien und das nordwestliche Amerika eine grosse Ulebereinstimmung der Vege- tation der Miocänzeit zeigten und noch jetzt zeigen, dass demnach über die Aleuten ²) hinweg eine Verbindung der beiden Länder bestanden haben muss, mögen nun die gemeinsamen eu- ropäischen tertiären Arten von Asien aus eingewandert oder aber zum Theil durch eine Ver- bindung des arctischen Europa mit dem arctischen Grönland von Nordamerika nach Ruropa übermittelt worden sein.

Jedoch ist auch möglich, dass zur Tertiärzeit die Heimath einer Gattung im hohen Norden war, dass ihre Arten gleichmässig nach den drei Continenten sich ausbreiteten. ³)

Nach Heer⁴) sind bis jetzt 22 Baum- und Straucharten bekannt, welche das miocäne Grönland mit dem miocänen Amerika und Europa gemeinsam hat, namentlich aus den Gattungen Taxodium, Glyptostrobus, Sequoia, Populus, Salix, Corylus, Platanus. Liriodendron, Carpinus, CGastanea, Juglans und Quercus, und mehrere derselben Arten finden sich auch im Miocän der Insel Sachalin. Und mit grosser Wahrscheinlichkeit haben manche dieser Arten im hohen Norden gelebt und wurden die einen früher, die andern später von der von dort aus fort- schreitenden Kälte nach Süden gedrängt, um hier mit tropischen und subtropischen Formen in Concurrenz zu treten und deren Wohnsitze einzunehmen. Dieses allmälige Verdrängen der tropischen Pflanzen durch die subtropischen und dieser durch solche der gemässigten Zone findet sich in den drei Stufen des Tertiär ausgeprägt.

Die Eocän-Flora hatte wesentlich einen tropischen Charakter Die damals lebenden Typen finden sich jetzt in Indien, Sundainseln, Australien, Maskarenen, im tropischen und sub- tropischen Amerika, nur wenige in Südeuropa, und diese letzteren, wie Myrtus, Laurus und Pistacia, sind nach Engler die Residuen der alten tropischen Flora Südeuropas, 5) da sie ihre nächsten Verwandten im tropischen und subtropischen Asien besitzen.

In dem Untermiocän(Oligocän) herrschen zwar die tropischen Formen, die indisch- australischen, die des tropischen Amerika und die Afrikas noch vor, aber schon finden wir nordamerikanisch-japanische Typen, und die tropischen Pandaneen verschwinden aus Europa.) In der Flora von Häring*) kommen 55 Arten auf Australien, namentlich aus den Familieu

¹) v. Ettingshausen, Zur Entwicklungsgeschichte etc. p. 5.

²) Engler, Versuch einer Entw. d. Pflanzenwelt. I. p. 13.

³) Engler, ebenda. p. 22.

) Heer, O., Die schwedische Exped. p. 21.

) Engler, Versuch einer Entw. p. 47.

) Schimper, Paléontologie Végétale, Bot. Jahresb. 1874.

) Sandberger, Ueber Braunkohle und die Pflanzenwelt der Tertiärzeit. p. 9.