. Die Architektur des Gebäudes(Abbild. 1) ist im Stile deutscher Frührenaissance ent- worfen, und vielfach sind Motive hessischer Eigenart, geschieferte Giebel und Türmchen, verwandt worden. Die Architekturteile sind in rotem Mainsandstein erstellt, die Flächen sind geputzt. Der Sockel des Gebäudes besteht aus sogen. Lungsteinen, einer Basaltlava aus hessischen Brüchen, welche in unregelmässigen, an den Fensterumrahmungen scharrierten, im übrigen gespitzten Quadern versetzt sind. Auch sind Lungsteine hier und da abwechselnd mit weissem Sandstein zwischen den roten Sandsteinwerkstücken der Gebäudeecken, der Portalvorhalle u. s. w. zur Verwendung gekommen.
Sämtliche Dachflächen und Turmhauben, auch einige Giebel- und Wandflächen sind in Cauber Schiefer eingedeckt. Die Construction des Gebäudes ist durchaus massiv. Die Flure, Hallen und Treppenhäuser sind mit Kreuz- und Tonnen- bezw. Netzgewölben über- spannt, welche in Rabitzbauweise ausgeführt sind. Die ursprünglich beapsiclitigte massive Ausführung der Gewölbe liess sich in Anbetracht der Kürze der dafür zur Verfügung stehen- den Zeit(das Gebäude sollte schon im Herbst 1900 seiner Bestimmung übergeben werden,
was in-— dessen durch widrige Witter- ungsver- hältnisse, andauern- den Frost u. S. W. verhindert wurde) leider nicht durch- führen.
Die Decke der Turn- und
Festhalle hat eine Holzcon- struction unter teil- weiser Ein- beziehung
des Dach-. werks erhalten. Die korbbogenförmigen Binder sind als Bohlenbögen hergestellt. Die
zwischen der Holzconstruction der Decke liegenden Flächen sind geputzt. Bei der Anlage der Turn- und Festhalle ist pesonders Gewicht darauf gelegt worden, dass dieser Raum bei Benutzung zu festlichen Veranstaltungen nicht an seine zweite Bestimmung als Turnhalle- erinnert. Zu diesem Zweck sind alle Turngeräte bei Bedarf leicht zu beseitigen; die zwischen den Zangen der Deckenconstruction laufenden Säulen der drei hintereinander liegenden Recke können in Nischen, welche in der Wand der einen Langseite des Raumes angelegt sind, verschoben werden. Das Erdgeschoss misst 1691,96 qm, das zweite Obergeschoss 980,28 dqm bebauter Fläche; der umbaute Raum sämtlicher Gebäudeteile, von Kellerfussboden bis Ober- kante Hauptgesims gemessen, beträgt 21 270 chm. Die Gesamtbaukosten beliefen sich ein- schliesslich Architektenhonorar und Kosten für örtliche Bauleitung auf 345 000 Mark. Das Cubikmeter umbauten Raumes berechnet sich also auf 16,20 Mark, bei Einrechnung des Dachraumes mit ½ seiner Höhe auf 14,65 Mark.
Abbildung 4. Die Turn- und Festhalle. Hauptansicht.


