Aufsatz 
Geist, Ziele und Mittel der Gymnasialbildung / von Adalbert Becker
Entstehung
Einzelbild herunterladen

131

auf die Cäſarlektüre, beziehen aber auch den feſten Gewinn derſelben auf die ſonſt in den unteren und mittleren Klaſſen bereits erwor⸗ benen Kenntniſſe, die erhalten, befeſtigt und nach Herbart'ſcher Formel durch Apperceptionen erweitert werden müſſen, d. h. insbeſondere durch Bezugnahme auf Cornel und Ovid; aber ſie arbeiten auch ſchon dem Bedürfnis der oberen Klaſſen vor, und zwar nicht nur durch die feſte Aneignung der formalen, grammatiſchen Kenntniſſe, ſondern auch dadurch, daß der Inhalt der Übungsmaterialen Bilder und Anſchau⸗ ungen aus dem klaſſiſchen Altertum, ſoweit ſie der geſamte Unterricht an die Hand gab, aneinander reiht. Dies iſt alſo eine ſehr wichtige Zuſammenfaſſung und Konzentration des ſprachlichen Unterrichts und des Unterrichts in den antiken Realien; und der Schüler, der nicht nur die augenblickliche Lektüre wiederkäut, ſondern friſche, auch ganz neue Stoffe in bekannten Formen früherer Lektüre darſtellt, gewinnt das freudige Gefühl einer frei ſchaffenden Thätigkeit. Sogar eifrige Verteidiger des Verfahrens, nach dem— den Forderungen Roths, Nägelsbachs u. a. entſprechend— die ſprachlichen Übungen vorwiegend an die Lektüre ſich anſchließen ſollen, geſtatten dieſen Anſchluß in loſeren Beziehungen zwiſchen Lektüre und Übung. Hermann Schiller ſchreibt darüber in dem Aufſatze über die Konzentration im lateiniſchen Unterrichte(Zeitſchrift für das Gymnaſial⸗Weſen, 1884, S. 204): „Was hindert denn, insbeſondere in mittleren und oberen Klaſſen, öfter in die ſprachliche Form einen anderen Inhalt oder auf den⸗ ſelben Inhalt eine den Schüler in anderer Weiſe in Anſpruch nehmende ſprachliche Form zu übertragen. Altertum, Mittelalter und Neuzeit bieten ſo viele geſchichtliche Analogieen, daß kein beſonderes Nach⸗ denken erfordert wird, um hier anziehenden Stoff zu finden. Aller⸗ dings muß auch hier die Verknüpfung mit dem Leſeſtoff vollzogen werden, indem in allen Fällen der Sprachſtoff zur Anwendung gelangt, während der Inhalt entweder durch einen analogen erläutert, geklärt und dadurch befeſtigt wird, oder zum Verſtändniſſe des Inhalts be⸗ ziehungsweiſe einzelner Seiten desſelben Abſchnitte aus dem Leben der Römer behandelt werden.“

Das Reſultat der vorangehenden Erörterungen iſt dies: Die methodiſchen ſprachlichen Übungen mündliche und ſchriftliche ſind unentbehrlich; aber ihre Formen und Mittel ſind ſo reich und

9.