Aufsatz 
Einige der vorzüglichsten Ursachen des altrömischen Tugendsinns : 2. Stück
Entstehung
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8 aufgenommen. Den heiligſten Pflichten unterzog er ſich nun, den Pflichten, die er dem Vaterlande ſchuldig war. Dieſer Schritt war in den Augen ei⸗ ner weiſen Obrigkeit, die wohl verſtand, wie auf das jugendliche Herz ganz vorzüglich gewirkt werden könne, zu bedeutend, als daß ſie dem jungen Manne den Tag, an welchem er jenen Schritt zu thun hatte, nicht ſo wich⸗ tig und hehr als möglich hätte machen ſollen. Der Eintritt in das männ⸗ liche Alter ſollte dem Jüngling unvergeßlich bleiben; er ſollte ſeine Thätig⸗ keit, ſein Ehrgefühl, ſeine Vaterlandsliebe wecken und auf immer in der Spannung erhalten; er ſollte in ſeiner Bruſt einen Funken entzünden, der, iſt er in einem gefühlvollen, ehrliebenden Herzen einmal ins Leben gerufen, ſobald nicht wieder erſtirbt, ſondern gewöhnlich in eine wunderbare Glut auflodert, die in jedes Beginnen unausbleiblich Wärme und Leben verbreitet.

Brach dieſer für den jungen Römer höchſtmerkwürdige Tag an, ſo war ſchon das ganze väterliche Haus in der lebhafteſten Bewegung. Vater und Mutter und ſonſt alles, was zum Hauſe gehörte, war in einer Stimmung, die das feierlichſte Familienfeſt ankündigte. Vor allen Dingen begann der Jüngling den Tag mit religiöſen Beſchäftigungen: ehrfurchtsvoll beugte er vor den Laren die Kniee und brachte Gelübde und Opfer dar.

Indeß hatten ſich alle Verwandte, alle Freunde und Klienten, kurz alle, die mit dem väterlichen Hauſe in naher oder ferner Verbindung ſtanden, und das Wohl deſſelben wünſchten, in dem Vorſaale verſammelt. Sie nahmen, in den früheren Zeiten wenigſtens, mehr aus reinem Patriotismus, als blos, um den Glanz des Hauſes zu erhöhen, an der Feierlichkeit Antheil. Sobald der Jüngling unter ſie trat, umarmten ſie ihn voll freudiger Rührung über das Glück, das ihm heute zu Theil ward, und machten ihn durch die Segnun⸗

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