Aufsatz 
Einige der vorzüglichsten Ursachen des altrömischen Tugendsinns : 2. Stück
Entstehung
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eiſernen Zepter deſſelben? Zu Volksbeluſtigungen der ſchlimmeren Art, die man eher für Ausgeburten ſpätrömiſcher Grauſamkeit halten möchte, haben ſich die neueren Nationen freilich entſchließen können. Zwar laſſen ſie keine heruntergekommene Bürger, keine verarmte Wüſtlinge und Miſſethäter mit Elephanten und Löwen kämpfen; aber ſie genehmigten doch, warlich nicht zum Frommen der Jugend, Thierhatzen und Stiergefechte und Hahnenduel⸗ le und wer weiß, ob nicht endlich noch gar die Gladiatorarena irgendwo ihre Liebhaber findet? Hingegen allgemeine Erleichterungs⸗ und Beförderungemit⸗ tel der Erziehung, die man als Nach⸗- und Forthülfe deſſen, was Aeltern und Lehrer in dem jugendlichen Herzen bewirkt haben, anſehen könnte, ſol len noch angeordnet werden. Wenigſtens dürfte es ſchwer fallen, bei den meiſten Nationen der jetzigen Zeit ſonderliche Spuren davon zu entdecken. Nicht einmal diejenigen öffentlichen Anſtalten, die ſchon vorhanden ſind, und bei größerer Aufmerkſamkeit und Theilnahme des Vaterlandes ganz da⸗ zu geeignet wären, große moraliſche Folgen bervorzubringen, werden, wie von allen Orten her die lauten und allgemeinen Klagen beweiſen, gehörig beachtet. So ſelten iſt in allen Ständen, in den höheren zumal, der Ge⸗ meingeiſt geworden!

Wie ebrwürdig ſtehen in dieſer Hinſicht die Nationen des Alterthums da und wie beſchämt muͤſſen wir, die wir ihnen von dieſer Seite ſo wenig die Wage zu halten wiſſen, vor ihnen zurückweichen! Man ſieht ſich in der That von wunderſamen Gefühlen ergriffen, wenn man durch Hülfe der Ima⸗ gination unter jenen außerordentlichen Menſchen herumwandelt und überall wahrnimmt, was ſie für ihre Jünglinge gethan haben. Wie Alles dahin abzweckte, Nationalgeiſt und Nationaltugenden früh in ihre Herzen zu pflan⸗ zen! Wie theilnehmend man hinſtrömte zu Allem, was für ſie das Vater⸗ land veranſtaltet hatte! Fürwahr, der Jüngling des Alterthums mußte ei⸗ nen ganz andern Lebensgenuß gehabt haben, als der Jüngling der jetzigen