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Heil allen Vätern und Miüttern, die durch ihre Bemühungen mit ihren Kindern dahin gekommen ſind! Hier oder nimmer gedeihen die Pflan⸗ zen, die ſie gepflegt und gewartet haben. Wenn andere, deren Kultur durch verkehrte Behandlung gänzlich gehindert oder wenigſtens dem Zufalle über⸗ laſſen wird, dort verkümmern und hier verwildern, ſo ſehen ſie an den ih⸗ rigen die geſundeſten Blüthen und Früchte anſetzen und die letzteren ohne verborgene Wurmſtiche zu vollkommener Reife gelangen.
Wären ſolche gewiſſenhafte Aeltern nur immer ſo gluͤcklich, daß die Nation, unter welcher ſie leben, in ihren Bemühungen ſie gebührend un— terſtützte! Wenn nur wir Neueren, die wir, bei aller Gräko- und Roma— nomanie und bei allen Nachäffereien der unbedeutendſten Dinge der Vor⸗ welt, darum noch lange keine Griechen und Römer ſind, ihnen dadurch ähnlich zu werden ſuchten, daß wir ſie, unter den erforderlichen Modifikatio⸗ nen, in ihren vorzüglichſten und folgenreichſten Nationalanſtalten nachahmten! Wenn wir uns durch ihre feierlichen Feſte und Spiele, durch ſo manche ihrer ſinn⸗ und bedeutungsvollen Gebäude, durch ihre öffentlichen Bürger⸗ weihen, die einzig oder zum Theil doch auf die Moralität ihrer aufblühen⸗ den Staatsbürger berechnet waren, wenigſtens dazu bewegen ließen, die Bil⸗ dung der Jugend nicht ausſchließlich als die Sache der Aeltern, Erzieher und Lehrer, ſondern vorzüglich auch als die Angelegenheit des Vaterlandes anzuſehen! Wenn wir uns, von ächtem Gemeingeiſte beſeelt, gleich den Pa⸗ trioten und Jugendfreunden des Alterthums, gedrungen fühlten, durch zweck⸗ mäßige Volksinſtitute und, was nothwendig damit verbunden ſeyn müßte, durch allgemeines Intereſſe dafür, noch dann auf die Herzen der Jünglin⸗ ge zu wirken, wenn von Seiten der Aeltern alles gethan worden iſt!
Aber dieß ſind und bleiben bei dem jetzigen Zeitgeiſte nichts weiter als fromme Wünſche, die ſo bald wieder verhallen, als ſie geäußert worden ſind. Denn was thun wir oder was werden wir thun unter dem fortherrſchenden


