Aufsatz 
Einige der vorzüglichsten Ursachen des altrömischen Tugendsinns : 1. Stück
Entstehung
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jene rathloſe Verzweiflung, als er ſein Kind verloren ſah, ſelbſt jener ſchau⸗ derhafte Stahl, den dieſer römiſche Odoardo in die Bruſt ſeiner Tochter ſtieß, wovon anders zeugt dieſes alles, als von der ſtrengen Tugend der römiſchen Bäter? Was ſpricht mehr für ihre unermüdete, wahrhaft väterliche Sorg⸗ falt, die ſie für die Reinheit und Unbeſcholtenbeit ihrer Kinder ſelbſt noch in demjenigen Alter derſelben bewieſen, da ſonſt leichtſinnige Väter von ihren Vaterpflichten entbunden zu ſeyn glauben und ſorglos und unbekümmert den Sohn oder die Tochter ihre eignen Wege gehen laſſen?

Wer bei den römiſchen Aeltern, die vorhin bemerkten, beſſeren Geſin⸗ nungen wahrnimmt, was kann er von ihrer Seite anders vermuthen, als eine vorſichtige, ihren Grundſätzen angemeſſene, Kinderzucht? Denn was hel⸗ fen in den meiſten Fällen alle ſpätere Bemühungen der Aeltern für die Mora⸗ lität ihrer Kinder, wenn die Erziehung derſelben vernachläſſigt und ihr Herz nicht in den früheren Jahren für Pflicht und Recht gewonnen worden iſt? Wie hätten daher die Römer bei aller Wachſamkeit und Strenge ihre herangewach⸗ ſenen Söhne und Töchter in den Schranken der Ordnung halten wollen, wenn man ihnen in der Jugend die väterliche und mütterliche Sorgfalt entzogen hät⸗ te? Aber man irrt ſich in jener Vermuthung nicht. Die römiſche Erzie⸗ hungsmethode, ſo wie ſie in Roms beſſerem Zeitalter faſt allgemein berrſchend war, konnte in der That nicht zweckmäßiger ſeyn. Da ſie eine der vorzüg lichſten Urſachen iſt, wodurch der römiſche Geiſt hervorgebracht und lang in ſeiner Reinheit erhalten wurde, ſo will ich davon die wichtigſten Punkte be rühren. Man wird dann, auch ohne meine Erinnerung, ſehen, daß den Herzen derer, die ſo erzogen wurden und ſo dem männlichen Alter entgegen reiften, eine entſchiedene Vorliebe, ein fortdauerndes, ſtets wirkſames Ge⸗ fühl für alles Gute und Schöne eingeprägt werden mußte.*)

*) Zch erſuche den Leſer, die frühere Periode der Römer, von der hier allein die Rede iſt, mit der ſpäteren, die gegen jene ſo ſchrecklich kontraſtirt, nirgends zu verwechſeln.