Aufsatz 
Einige der vorzüglichsten Ursachen des altrömischen Tugendsinns : 1. Stück
Entstehung
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Das Haus eines römiſchen Familienvaters war kein moraliſches⸗Treib⸗ haus, worin man durch allerlei pädagogiſche Künſte vor der Zeit einige Früchte erzwang, die man in der erſten kühlen Nacht wieder erſterben und ab⸗ fallen ſah. Man gieng in allem den Weg der Natur; man übereilte beſon⸗ ders die moraliſche Kraftentwickelung des Kindes nicht; man entfernte nur, was die Richtung des jugendlichen Herzens verrücken, man vermied nur, was die ſchuldloſe Seele durch unvertilgbare Flecken verunſtalten konnte: um ſo ge⸗ wiſſer erfolgte, was man bezweckte, um ſo ſicherer blieb, was man erfolgen ſah, von Beſtand und Dauer. Von der unausbleiblichen Wirkung des Bei⸗ ſpiels überzeugt, predigte man weniger Tugend und Rechtſchaffenheit, aber man übte ſie deſto mehr. Unſchuld und Sitteneinfalt, Frugalität und Aus⸗ harrung, Gemeingeiſt und Vaterlandsliebe wurden den Herzen der Kinder nicht angekünſtelt; der Aeltern Beiſpiel, worin ſie, wie in einem ungetrüb⸗ ten Spiegel, alle jene Tugenden vereinigt ſahen, erweckte in ihrer Bruſt ähnliche Gefühle und ſpornte ſie frühzeitig zur Nachahmung an.

Sobald die Römerin Mutter wurde, begann für ſie vorzüglich das Ge⸗ ſchäft der Erziehung. Wie vorſichtig und zweckmäßig, wie nachahmungswür⸗ dig war alles, was ſie für ihre Kinder that! Die Lieblinge ihres Herzens wurden in keine ſogenannte Kinderſtube eingeſchloſſen und ihren eignen Launen und Einfällen überlaſſen. Man vertraute ſie nicht, um ihrer los zu werden, Bedienten oder Mägden, die gewöhnlich noch etwas mehr als blos die Sprache der Kinder verderben. Es wurden keine Erzieberinnen aus fer⸗ nem Lande verſchrieben ,obgleich mit dieſen, wären ſie zumal aus Griechen⸗ land berufen worden, den römiſchen Aeltern noch weit beſſer gerathen geweſen wäre, als ſo vielen unſrer deutſchen Väter und Mütter mit ihren geiſt- und herzverſtimmenden Ausländerinnen. Nicht einmal die in jener Periode als Erzieherinnen und Wärterinnen überall hochgeprieſenen und ſelbſt an fernen Fürſtenhöfen ausgezeichneten ſpartaniſchen Frauen, ſo vereinbar auch der da⸗