— 4— zum Gegenſtande einiger Gelegenheitsſchriften zu wählen. Vielleicht, daß dieſe Abhandlungen einem oder dem andern meiner Leſer nicht ganz uninter⸗ eſſant ſind, vielleicht auch, daß ich hier und da eine Saite berühre, deren Ton nicht bei jedem, wenigſtens nicht bei gewiſſe enhaften Vätern und Müt⸗ tern, augenblicklich wieder verhallt.*)
Hätten ſich jene holländiſchen Gelehrten mancher Begebenheit erinnern wollen, worin uns die frühere Geſchichte der Römer mit Aeltern bekannt macht, die auch noch dann, wann ſchon das Werk der Erziehung an ihren Kindern vollendet war, das Betragen derſelben mit ſcharfen und unbeſtech⸗ lichen Augen beobachteten und ihre Tugend nicht blos durch ſtrenge Aufſicht und Wachſamkeit, ſondern ſelbſt durch ihre eigne, wie ein Palladium ſie ſchirmende, Würde und Unbeſcholtenheit gegen freche Verführung ſchützten, die, ſobald dieſe Tugend dennoch in Gefahr kam, auf der Stelle in unge⸗ wöhnliche Bewegung verſetzt wurden und, um ihre Kinder zu retten, mit allen ihren Kräften ſelbſt gegen Uebermacht ankämpften, ſo hätten ſie fürwahr ſchon blos durch dieſe Betrachtung auf ein Reſultat verfallen müſſen, wobei ihnen die Tugenden des erwachſenen Römers weniger unbegreiflich geblieben wären. Sie hätten dann die vorherrſchenden Grundſätze und Geſinnungen der Väter
²) Die Tendenz meiner deutſchen Gelegenheitsſchriften wird man überall nicht verkennen. Der Geiſt der Zeit hat aus bekanntenurſachen allmählich eine ſo ſchlimme Richtung genom⸗ men, daß der Jugendfreund, wenn nicht Väter und Mütter ihre Aufmerkſamkeit verdoppeln, nicht anders als mit bangen Beſorgniſſen in die Zukunft blicken kann. Billig ſollten daher alle Vorſteher öffentlicher Schulen und wer ſonſt berechtigt iſt, Ael⸗ tern und Vormündern ans Herz zu reden, jede ſchickliche Veranlaſſung zu wohlmeinen⸗ den Erinnerungen und Fingerzeigen benutzen. So weit iſt es doch immer noch nicht gekommen, daß Worte, zu ihrer Zeit geſprochen, durchaus den erwünſchten Zweck ver⸗ fehlen ſollten. Freilich werden oft ſchwer auffallende Worte geredet werden müſſen und nicht immer wird dem, der ſie redet, der Beifall aller ſeiner Mitbürger zu Theil werden; aber wer darum nicht reden wollte, verdiente in der That nicht, reden zu dürfen, ₰


