Aufsatz 
Einige der vorzüglichsten Ursachen des altrömischen Tugendsinns : 1. Stück
Entstehung
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Einige unter den holländiſchen Philologen des ſiebzehnten Jahrbunderts ha⸗ ben in allem Ernſte unbegreiflich gefunden, daß die Römer, ohne in der männlichen Toga, wie etwa die Chriſten in ihren gottesdienſtlichen Verſamm⸗ lungen, auf Sittlichkeit und Lebensweisheit noch weiter hingewieſen zu werden, gleichwohl bis zu ihren in Griechenland und Aſien angefangenen Eroberun⸗ gen im Beſitze ſo vieler bürgerlichen und häuslichen Tugenden waren. Aber ich denke, daß nicht ſowohl dieſer römiſche Nationaltugendſinn unbegreiflich iſt, als vielmehr die wer weiß durch welche ſonderbare Anſicht bewirkte Ver⸗ blendung jener ſonſt ſcharfſinnigen Männer. Denn wer hätte eher, als ſie, das angebliche Problem auflöſen können, da ſie in Rom, ſelbſt bis in ſeine Winkelgäßchen, gewöhnlich beſſer zu Hauſe waren, als in Leyden oder Utrecht?

Dieſes in der That höchſt auffallende und gerade bei ſolchen Männern ganz unerklärliche Geſtändniß, das ich, ſo gern ich auch wollte, durch keine Gründe zu rechtfertigen oder nur zu entſchuldigen weiß, veranlaßt mich, von den Urſachen, die zur Erweckung und Fortdauer der römiſchen Nationaltu⸗ genden hauptſächlich gewirkt haben, die vorzüglichſten herauszuheben und

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