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brõin-Gebiete ein Gürtel liegt, in dessen westlicher Hälfte, also nach der Elbe zu, smä, brön, in dessen östlicher Hälfte smut, brodn gesprochen wird. Näheres s. Mackel, die Mundart der Prignitz, Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 31, S. 72 ff. Ahnlich wie mit den Lauten verhält es sich mit einzelnen Wörtern. ‚Schwalbe' heißt in Mecklenburg saou(= mnd. sewäleke= swwalwwele). Ebenso sagt wieder der nördliche Grenzgürtel der Westpriegnitz; die ganze übrige Priegnitz aber sagt swalv. Ungefähr im selben Teile der Pri. heißt der Ziehbrunnen pütn(= lat. puteus); die nördliche West- priegnitz sagt mit Mecklenburg zusammen.
Auf Grund ähnlicher Wahrnehmungen auf romanischem Boden hatte H. Schuchardt 1870 in seiner Leipziger Probevorlesung„Über die Klassifikation der romanischen Mundarten“ den Satz ausgesprochen(S. 26): Wir können nicht sowohl das Gebiet eines einzelnen Dialektes als die Gebiete aller seiner einzelnen Lautbehandlungen beschreiben. Aber erst ein französischer Gelehrter, P. Meyer, der bekannte Mitherausgeber der Romania, hat mit erfolgreichem Nachdruck darauf hingewiesen, daß die übliche Behandlung der Dialekte verkehrt sei, weil Nichtzusammengehöriges willkürlich unter eine Decke gebracht, Zusammengehöriges aber ebenso willkürlich auseinander gerissen werde, zuerst Rom. IV, S. 294— 296(1875), dann noch öfter in derselben Zeitschrift. Seine Ausführungen faßt Horning (s. u.) kurz so zusammen: Die einzelnen Dialekte besitzen keine Existenz in der Wirk- lichkeit, sondern sind ein bloßes Gedankending. Die besonderen sprachlichen Merkmale, die man für einen bestimmten Dialekt als charakteristisch hinstellt, erstrecken sich nicht über denselben Raum. Die Ausbreitungsfläche von a deckt sich weder mit der von b, noch mit der von c; setzt man da eine Dialektgrenze an, wo a aufhört, so sieht man in willkürlicher Weise von der von b ab; macht man dagegen den Endpunkt von b zum Grenzpunkt, so bleiben a und c unberücksichtigt. Das Zusammenfallen aber auch von nur zwei Ausbreitungsflächen sei ein Fall, der in der Wirklichkeit so gut wie nie vor- kommt, und wenn er vorkommt, zufällig ist. Folglich ist alle auf eine Einteilung der Dialekte verwandte Mühe fruchtlos.
An dieses rein negative Resultat knüpft er dann eine positive Forderung als maßgebend für dialektische Untersuchungen. Er sagt Rom. VI, 630: In der Theorie haben die Dialekte keine scharf bemerkbaren Grenzen, sie bedecken nicht ein fest um- schriebenes Gebiet. Die Arbeit des Philologen besteht nun nicht darin, die Merkmale eines jeden Dialektes zu bestimmen, sondern das Ausbreitungsgebiet einzelner sprach- licher Merkmale festzustellen, ohne sie mit anderen zu verknüpfen, d. h., es muß jedes einzelne sprachliche Merkmal für sich verfolgt werden.*)
Die meisten französischen Dialektforscher, aber auch sehr viele deutsche Romanisten, sind Meyer beigetreten; für sie trat besonders ein G. Paris. Dieser ausgezeichnete, leider zu früh verstorbene französische Gelehrte hat dann noch, vor allem in seinem Vortrage Les Parlers de France, Paris 1888, besonders auf die„fusion insensible des parlers“ hingewiesen, die ganz allmählichen und fast unmerklichen Ubergänge von Ort zu Ort, und betont, daß es ein Ding der Unmöglichkeit sei, in dieser„masse flottante“ Grenzen zu ziehen und Einteilungen vorzunehmen. Seine Ausführungen sind gegen diejenigen ge- richtet, die sich gegenüber den sprachlichen Verschiedenheiten innerhalb eines bestimmten Gebietes etwa mit der Annahme helfen wollen, daß der Hauptdialekt in mehrere Unter-
*) P. Meyer hat selbst ein solches Beispiel linguistischer Geographie gegeben in seinem Auf- satze über lat. c und g vor a im Provenzalischen, Rom. XXIV, S. 529 ff. und Rom. XXX, S. 393 ff.


