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Beilage zum Jahresbericht des Grossherzoglichen Gymnasiums zu Bensheim. Ostern 1902.
Giessen
Beiträge zur Geschichte des Erzbischofs
von Mainz“¹. f. Von Dr. Heinrich Schrohe..
Der providierte Brzbischof und der postulierte Admi Streite um das Stift(1328—1337).
§ 1. Einleitung. Die Gegensätze, welche seit dem 8. Oktober 1323 zwischen Papst Johann XXII. und Ludwig dem Bayern bestanden, sollten in dem Jahre 1328 noch bedeutend verschärft werden. Am 7. Januar 1328 zog der deutsche König, der im Januar 1327 mit wenig Begleitern von Innsbruck aufgebrochen war, in Rom ein, um zehn Tage später zum Kaiser gekrönt zu werden. Freilich vollzog nicht der Papst oder einer seiner Legaten diese feierliche Handlung; denn noch am 23. Oktober 1327 hatte Johann den König als Ketzer verurteilt, seiner Kurwürde entsetzt und ihm all sein Eigentum abgesprochen; dann hatte er gegen ihn das Kreuz predigen lassen. Doch Ludwig blieb die Antwort nicht schuldig. Am 18. April wurde vor einer öffentlichen Versammlung Jakob von Cahors d. h. Johann XXII., der Ketzerei und des Majestätsverbrechens schuldig befunden, durch kaiserlichen Entscheid seines Papsttums entkleidet und dem Spruch der weltlichen Gewalt überantwortet. Diesem Schritt folgte notwendig die Ernennung eines neuen Papstes. Mit diesem verliess Ludwig am 4. August 1328 Rom; denn beide waren daselbst missliebig geworden. Doch bis Ludwig nach Deutschland zurückkehrte, dauerte noch geraume Zeit. Erst Ende Februar 1330 hielt er in dem Herzogtum Bayern seinen Einzug. Dass Ludwig während seines ganzen Aufenthaltes in Italien auf die deutschen Angelegenheiten keinen nachhaltigen Einfluss üben konnte, ist selbst- verständlich..
Dies konnte die alten Gegner des wittelsbachischen Königtums nur ermuntern, wieder einmal ihr Glück bei dem Papste zu versuchen. Zu Beginn des Jahres 1328 bemühte sich*) Albrecht von Österreich, seinem Bruder, König Friedrich, die Bestätigung Johanns XXII. zu erwirken, aber ohne Erfolg; denn der Papst betrieb bei den Kurfürsten eine Neuwahl. Am 12. April 1328 trafen) sich geistliche und weltliche Kurfürsten in der Mainzer Erzdiöcese und beschlossen, am 31. Mai in Frankfurt eine neue Königswahl vorzunehmen. Aus einem nicht
*) Vor mehr als einem Jahrzehnt brachten mich meine Studien über Heinrich von Virneburg in Be- ziehung mit dem Herrn Fürstlich Thurn- und Taxis’schen Rat Dr. C. Will, dem verdienstvollen Herausgeber der Regesten der Mainzer Erzbischöfe. Er wurde mir ein väterlicher Freund und viele wertvolle Anregungen ver- danke ich ihm. Darum erlaube ich mir, diese Arbeit Herrn Dr. Will in dankbarer Gesinnung zuzueignen.
²) Vatik. Akten zur deutschen Geschichte in der Zeit Ludwigs des Bayern Nr. 984. Raynald, annales ecclesiastici 1328§ 38. Dudik, Arch. f. österr. Gesch. XV 193. ³) Vat. Akt. Nr. 995. ⁴) Vat. Akt. Nr. 1005.
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