Aufsatz 
Lernstoff für den chemischen Unterricht in der Tertia der Landwirtschaftsschule zu Weilburg
Entstehung
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Natronlauge. Die dabei beobachtete ſtarke Wärmeentwicklung deutet darauf hin, daß hier nicht nur ein Löſungs-, ſondern ein Verbindungsvorgang ſtattgefunden hat. Beim Ein⸗ dampfen der Löſung erhalten wir eine weiße, ſtark ätzende Maſſe: Aetznatron. Dieſe enthält ſelbſt nach dem Glühen noch Waſſerſtoff, der ſich durch Erhitzen mit Eiſen leicht aus treiben läßt. Aetznatron iſt alſo nicht mehr Natriumoxyd, ſondern eine Verbindung desſelben mit Waſſer: Natriumhydroxyd(vgl. Frage 34):

Na?O+ HeO= 2 NaOll.

Das Natriumhydroxyd zerlegt ſich auch beim Glühen nicht wieder in Natriumoxyd und Waſſer.

Wenn wir Natriumoxyd als(waſſerfreie) Natriumbaſe bezeichnen, ſo können wir Na⸗ triumhydroxyd die waſſerhaltige Natriumbaſe nennen(vgl. Frage 30).

Jetzt können wir uns auch erklären, weshalb bei der Elektrolyſe von Kochſalzlöſung kein Natrium bemerkbar wurde. Werfen wir ein Stückchen Natrium auf Waſſer, ſo ſchwimmt es auf demſelben und löſt ſich unter energiſcher Waſſerſtoffentwicklung darin auf. Die ent ſtehende Flüſſigkeit gibt ſich als Natronlauge zu erkennen. Natrium hat das Waſſer zerſetzt nach der Formel:

30) Bildet das Natriumhydroxyd mit Schwefelſäure ebenfalls Glauberſalz?

Trockenes Aetznatron bildet mit konzentrierter Schwefelſäure unter ſehr ſtarker Wärme⸗ entwicklung, alſo mit ſehr kräftiger Reaktion, Glauberſalznadeln. Hierbei entweicht eine große Menge Waſſerdampf. Es kann dies nur das für uns zum erſten Male wahrnehmbare Salzbildungswaſſer ſein.

2 NaOH+ HLà(SO.)= Na.(SOz)+ HO.

Auch Natronlauge bildet mit Schwefelſäure Glauberſalz. Dies kann man ſchon in verdünnten Löſungen ohne Eindampfen derſelben zu Kriſtallen am Geſchmack nachweiſen. Tröpfelt man in die ſauer ſchmeckende dünne Schwefelſäure verdünnte Natronlauge, ſo er reicht man einen Punkt, wo der ſaure Geſchmack verſchwindet, und ein ſalziger Geſchmack ſich zeigt. Ein neuer Tropfen Natronlauge gibt der ganzen Flüſſigkeit den Geſchmack der Lauge. Dieſen können wir aber durch einen neuen Tropfen Schwefelſäure verſchwinden machen. Noch deutlicher wird dieſes Verhalten, wenn wir die zuerſt genommene Schwefel ſäure durch etwas Lackmus rot färben. Im Augenblick, wo der ſalzige Geſchmack auftritt, bewirkt jede neu hinzugefügte, noch ſo geringe Menge Natronlauge eine Umwandlung der roten Farbe in blaue, das Vorhandenſein von freier Lauge andeutend(Lackmus wird durch Säure rot, durch Lauge blau gefärbt).

Es treten alſo ganz beſtimmte Mengen Natronlauge und Schwefelſäure bei obigen Vorgängen miteinander in Umſetzung. Und zwar verbinden ſich 2(23+ 16+ 1)= 80 g NaOll mit 1(2 1+ 32+ 4*% 16)= 98 g H.SOa zu 1(2% 23+ 32 + 4% 16)= 142 g Nax SO unter Austritt von 2(2 1+ 16)= 36 g H.O.

Etwa überſchüſſig vorhandene Säure oder Lauge bleibt uͤnbeteiligt. Die vor und nach dem Prozeß vorhandenen Gewichtsmengen ſind die gleichen.

Da dies nachweislich auch für andere Umſetzungen gilt, ſo können wir den Satz aufſtellen:

Nicht nur die Elemente, ſondern auch die Verbindungen, d. h. alle Stoffe treten bei chemiſchen Prozeſſen in beſtimmten Mengenverhältniſſen in Umſetzung. An Gewicht geht hierbei nichts verloren.

Am zweiten Tage bemerken wir, daß aus der Natronlauge, welche beim Liegenlaſſen an der Luft aus

dem Stückchen Natrium entſtanden war, lange, farbloſe, waſſerhelle Kriſtalle anſchießen(vgl. Frage 32). 31) Woher kommt dies?

Die Kriſtalle deuten darauf hin, daß ſich ein Salz gebildet hat. Dann muß eine Säure aus der Luft hinzugekommen ſein. Dies kann nur eine ganz ſchwache und in ſehr geringer Menge in der Luft vorhan dene ſein, die wir gewöhnlich nicht wahrnehmen. Nur das Vorhandenſein von geringen Mengen Kohlendioxyd in der Luft würde das Obige erklären und würde damit nachgewieſen ſein..

Tatſächlich gelingt es uns, aus den Kriſtallen durch Zuſatz der ſtarken Schwefelſäure

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