Aufsatz 
Das Prinzip der Politik Bismarcks. Festrede am 27. Januar 1890
Entstehung
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Wenige Tage darauf wurde die Schule von einem ebenſo ſchweren wie unerwarteten Verluſt betroffen. Herr Profeſſor Dr. Nauhaushatte am 26. März(Samstag) noch un⸗ terrichtet und den 27. März ruhig in ſeiner Familie verbracht; am 28. März morgens wachte er nicht auf: ein Herzſchlag hatte ganz unbemerkt ſeinem Leben ein Ende gemacht.

über ſein Leben teilte der unterzeichnete Berichterſtatter der Offentlichkeit folgendes mit:Geboren war Theophil Nauhaus am 18. Auguſt 1840 zu Clarkſon im Kaplande, wo ſein Vater als Miſſionar unter den Kaffern im Dienſt der herrnhutiſchen Brüdergemeine angeſtellt war. Seinen erſten Schulunterricht erhielt er unter den Schwarzen; in ſeinem ſechsten Lebensjahre aber wurde er nach Europa geſchickt, um in der Erziehungsanſtalt der Brüdergemeine zu Klein⸗Welke bei Bautzen weiter ausgebildet zu werden. Da das Direk⸗ torium derſelben beſchloß, ihn Theologie ſtudieren zu laſſen, ſo bezog er im zwölften Jahre das herrnhutiſche Pädagogium zu Niesky bei Görlitz und nach dort beſtandenem Abiturien⸗ tenexamen das theologiſche Seminar der Brüdergemeine zu Gnadenfeld in Oberſchleſien. Nach dreijährigem Beſuch desſelben wurde er im 21. Jahre als Lehrer in der Herrnhuter Kolonie Zeyſt bei Utrecht in Holland angeſtellt. Hier beſtand er nach Erlernung der holländiſchen Sprache das hoofd onderwyzer-examen voor middelbar onderwys(Hauptlehrer⸗Examen für Mittelſchulen) und gab hauptſächlich naturwiſſenſchaftlichen und mathematiſchen Unter⸗ richt, während er ſich nebenbei im öffentlichen freien Predigtvortrage üben mußte. Aber ſchon während ſeines theologiſchen Studiums hatte er jede freie Stunde den Naturwiſſen⸗ ſchaften gewidmet, und da er nur in der Beſchäftigung mit dieſen volle Befriedigung fand, beſchloß er ſeinen bisherigen, nicht ſelbſtgewählten Beruf aufzugeben und ſich ganz dem Stu⸗ dium der Naturwiſſenſchaften zu widmen. Das war ſchwierig genug. Denn da das in Niesky beſtandene Examen nicht die Giltigkeit eines peußiſchen Gymnaſial⸗Abiturientenexamens hatte, mußte er zunächſt dieſes ablegen und beſtand es 1866 als Extraneus am Gymnaſium in Duisburg. Nun verließ er Holland und bezog die Univerſität Berlin, wo er unter den miß⸗ lichſten äußeren Verhältniſſen, zeitweiſe nur von Brod und Obſt lebend, 4 Jahre lang Na⸗ turwiſſenſchaften ſtudierte. Darauf promovierte er 1870 in Göttingen auf Grund einer Diſ⸗ ſertationUber die Verkümmerung der Hochblätter zum Dr. phil. und erwarb noch in demſelben Jahre in Berlin ein glänzendes Oberlehrer-Zeugnis für Naturwiſſenſchaften und Mathematik. 1871 bis 1872 abſolvierte er ſodann ſein Probejahr am Realgymnaſium zu Nordhauſen und wurde vom 1. Oktober 1872 ab an demſelben feſt angeſtellt. Von hier wurde er zum 1. April 1877 an die hieſige Landwirtſchaftsſchule berufen, wo er den ge⸗ ſamten chemiſchen und phyſikaliſchen, daneben auch mathematiſchen Unterricht übernahm. Hier entfaltete er nun, geſtützt auf eine glänzende Fertigkeit im Experimentieren, eine überaus fruchtbare Lehrthätigkeit, nicht nur in der Schule ſelbſt, ſondern auch in den Lehrerkurſen, welche an derſelben abgehalten werden, und an dem pädagogiſchen Seminar, welches mit ihr verbunden iſt. Daneben hat er zahlreiche öffentliche Vorträge gehalten, in welchen auch das größere Publikum Gelegenheit hatte, ſeine nie mißlingenden Experimente und die ruhige Klarheit ſeiner Darſtellungsweiſe zu bewundern, und welche daher ſtets ſehr beſucht waren: noch bei ſeinem letzten Vortrage in dieſem Winter konnte die Aula der Landwirtſchaftsſchule die Menge der Zuhörer bei weitem nicht faſſen. Von den vorgeſetzten Behörden wurde ſeine Tüchtigkeit dadurch anerkannt, daß ihm 1896 der Profeſſortitel und 1897 der Rang der Räte vierter Klaſſe verliehen wurde. Im übrigen lebte er ſtill ſeinen Studien, welche er beſonders der in den letzten Jahrzehnten ſo wichtig gewordenen Elektrizität zuwandte, und welche er nur in den Ferien unterbrach, um ſich durch weite Fußwanderungen in den ge⸗ liebten Alpen für neue Arbeit zu ſtärken. Auch den letzten Sonntag Abend widmete er, wie jeden Abend, ſeinen Studien und ſeiner Familie und legte ſich dann um 11 Uhr zur Ruhe, um nicht wieder zu erwachen. So hat die gütige Natur ihrem Freunde, der ihr ſein ganzes Leben geweiht, gelohnt durch das Schönſte, was ſie zu geben hat, einen ſanften, ſchmerzloſen Tod.

Die Teilnahme in der Stadt war eine allgemeine. Im Gewerbeverein, der am Abend des 28. März gerade ſeine Generalverſammlung abhielt, eröffnete Herr Kirchberger die⸗ ſelbe mit folgenden Worten:Geſtatten Sie, geehrte Mitglieder und Gäſte, daß ich vor Ein⸗ tritt in die Tagesordnung der Trauer gedenke, die uns durch den plötzlichen Heimgang des

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