Aufsatz 
Lehrplan und Prüfungsordnung für die Landwirtschaftsschulen nach den Änderungen vom 15. November 1892
Entstehung
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richten konnte, und ſeine Stunden an die Herren Neye, Seidenſchwanz, Wellershaus (Mitglieder des pädagogiſchen Seminars, ſ. unten) und Krausbauer verteilt werden mußten.

Am 2. Sept. wurde das Sedanfeſt durch einen größeren Ausflug der Schule gefeiert. Einem längſt gehegten Wunſche der Schüler entſprechend fuhren wir mit der Eiſenbahn nach Kob⸗ lenz, wo wir die Rheinanlagen beſichtigten, dann mit einem Dampfer rheinaufwärts nach Rüdes⸗ heim. Von hier gingen wir auf den Niederwald, wo der Direktor vor dem Denkmal eine An⸗ ſprache hielt, dann hinab nach Geiſenheim, wo zwei frühere Schüler von uns, die Herren Gutsbe⸗ ſitzer Hiſſenauer und Baron v. Zwierlein, für treffliche Verpflegung und Nachtquartiere geſorgt hatten. Am nächſten Morgen fuhren wir mit der Eiſenbahn nach Wiesbaden, wo wir den Kochbrunnen und dank der freundlichen Bereitwilligkeit des Herrn Konſervator Römer auch noch das zoologiſche Muſeum beſichtigen konnten; dann, da der urſprünglich geplante Fußmarſch über den Taunus durch Regenwetter verhindert wurde, nach Niederſelters, wo wir den Brunnen in Augenſchein nahmen. Von hier gingen wir, da das Wetter ſich inzwiſchen aufgeklärt hatte, zu Fuß nach Aumenau und fuhren von da mit der Eiſenbahn nach Weilburg zurück. Die ganze Reiſe verlief ohne Unfall und zu allſeitiger Zufriedenheit; den oben genannten drei Herren, welche hierzu ſo weſentlich beigetragen haben, ſei auch an dieſer Stelle der ergebenſte Dank der Anſtalt ausgeſprochen.

Zur Reifeprüfung für das Sommerhalbjahr hatten ſich 4 Schüler der I. Klaſſe gemeldet, deren Namen folgende ſind:

127. Karl Schäfer, Sohn des Schneidermeiſters und Kaufmanns Emil S. in Weil⸗ burg, geb. 3. Okt. 1877, aufgenommen in V 16. April 1887;

128. Friedrich Brinkmann, Sohn des Metzgermeiſters Julius B. in Weilburg, geb. 25. Aug. 1877, aufgenommen in V 16. April 1887;

129. Friedrich Simon, Sohn des Mühlendirektors Karl S. in Löhnberg(Oberlahn⸗ kreis), geb. 24. Sept. 1874, aufgenommen in III 25. April 1889;

130. Hermann Göbel, Sohn des Landwirts und Bierbrauers Heinrich G. in Nieders⸗ hauſen(Oberlahnkreis), geb. 19. März 1876, aufgenommen in V 28. April 1886.

Am 6. 10. Sept. fand ihre ſchriftliche Pruͤfung ſtatt, deren Themata folgende waren:

Deutſcher Auſfſatz: Untreue ſchlägt den eigenen Herrn, erläutert an Beiſpielen.

Eine Überſetzung aus dem Deutſchen ins Franzöſiſche.

Naturwiſſenſchaftliche Arbeit: Die wichtigſten Kohlenwaſſerſtoffe.

Mathematiſche Aufgaben: a) Rechnen: Ein Spiritushändler wünſcht durch Miſchung von 96,4 prozentigem Spiritus mit 75,8 prozentigem 65 1 88prozentigen Spiritus zu erhalten; wieviel von beiden Sorten muß er nehmen? b) Geometrie: Ein Dreieck zu konſtruieren aus dem Radius des umſchriebenen Kreiſes, einer Seite und der zu einer anderen Seite gehörigen Höhe. c) Arithmetik:

5 x 17 7E= 4) J. 12(10 1 19) 35 4X 3 4 X 5 16 XZ 32 15*.

d) Trigonemetrie: Der Umfang eines gleichſchenkligen Dreiecks beträgt 484,63 m, der Winkel an der Spitze 650 33 28; wie groß ſind die Seiten und der Inhalt desſelben?

Landwirtſchaftliche Arbeit: Die Pflege der landwirtſchaftlichen Haustiere.

Am 30. Sept. folgte die mündliche Prüfung, bei welcher als Kommiſſar der Königl. Staatsregierung Herr Geh. Regierungs⸗ und Schulrat Riſch von Wiesbaden, als Vertreter des Kuratoriums Herr Landrat Bindewald in Weilburg fungierte. Allen 4 Abiturienten wurde das Zeugnis der Reife(mit der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Mili⸗ tärdienſt) einſtimmig zuerkannt.

Am 4. Okt. fand die öffentliche Schlußprüfung für das Sommerhalbjahr ſtatt, deren Ord⸗ enung folgende war:

Vormittags 9 ¾ 12 Uhr:

V. Franzöſiſch Krausbauer, Rechnen Ketter;

IV. Geſchichte Dr. Gotthardt, Mineralogie Krausbauer;

III. Pflanzenbau Wellershaus, Chemie Dr. Nauhaus. Nachmittags 2 ½ 4 Uhr:

II. Pflanzenbau Seidenſchwanz, Botanik Dr. Kienitz⸗Gerloff;

I. Pflanzenbau Neye, Franzöſiſch Dr. Ottmann. Am 5. Okt. wurde das Sommerhalbjahr mit der Cenſur und Verſetzung geſchloſſen.