Aufsatz 
Studien über das Klima von Iran : 3. Teil
Entstehung
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Studien über das Küna VoH Iran- ☚Q☚

Die vorliegenden Kapitel enthalten den letzten Teil meinerStudien über das Klima von Iran. In dem ersten Teile derselben, welcher dem XIII. Programm der Landwirt- schaftsschule zu Weilburg(1890) als Abhandlung beigegeben war, hatte ich versucht, den Gang der verschiedenen Faktoren des Klimas von Iran darzustellen. Hieran schloss sich daun in der dem Königlichen Gymnasium in Weilburg zu seiner 350 jährigen Jubelfeier am 14. August 1890 vom Lehrerkollegium der Landwirtschaftsschule zu Weilburg gewid- meten Festschrift eine kleine Abhandlung, deren Aufgabe war, zu zeigen, wie sich der jahreszeitliche Gang der verschiedenen klimatischen Faktoren in dem Verhalten der Vege- tation und der Bodenkultur Irans widerspiegelt..

Nach der Erörterung der klimatischen Verbältnisse wenden wir uns hier zunächst zur Betrachtung der auf ihnen beruhenden Agentien, um zu sehen, welchen Einfluss die- selben geübt haben, und wie weit es ihnen gelungen ist, die durch die Tektonik gegebenen Grundlinien zu verwischen oder zu vergraben. ¹)

I. Oberflächenform.

Seit den Tagen, da jene tangentialen Bewegungen den über Iran ausgebreiteten Meeresboden in Falten legten und jene grossen Konturen schufen, welche die oragraphische Gliederung lrans bedingten, haben die Kräfte der Atmosphäre langsam, aber unablässig an der Umgestaltung seiner Oberflächenformen gearbeitet. Wenn sie auch die vorge- schriebenen Charakterzüge, wenigstens nicht überall, werwischen konnten, so haben sie doch wesentlich dazu beigetragen, dass Iran in seiner gegenwärtigen Gestalt, nach Kartenzeich- nungen und Beschreibungen, als ein mächtiges Massiv erscheint, das im Norden, im Süd- westen und im südlichen Teil des Ostrandes steil gegen Tiefebenen und gegen das Meer abfällt, nach Nordwesten und Nordosten aber in reichgegliederte Gebirgsländer übergeht.

Zu den atmosphärischen Agentien gehört in erster Linie die Wärme oder vielmehr der Einfluss der wechselnden Temperatur, welche in kurzen Perioden um grössere oder geringere Beträge schwankt. Wie früber gezeigt worden ist, gehören in Iran schroffe Temperaturwechsel während der Tag- und Nachtperiode zur Regel. Diese regelmässigen und beträchtlichen Temperaturwechsel müssen durch die von ihnen veranlasste und immer wiederholte Ausdehnung und Kontraktion der meist kahlen Gesteinsmassen die Kohäsion der Gesteinsteilchen lockern und schliesslich ganz aufheben, so dass das Gestein Risse und Sprünge erbält und gar zerfällt, Die so begonnene mechanische Zertrümmerung der Ge- steine wird dann im weiteren durch den Frost allenthalben mächtig weiter gefördert.

Der Frost darf in Iran als geologischer Faktor nicht unterschätzt werden. Tiefe Temperaturen unter Null sind auf den höher gelegenen Gebieten des Plateaus regelmäs- sige Erscheinungen des Winters; auch in den tiefer gelegenen Teilen des Hochlandes ist

¹) Man vergleiche hierüber Süss, Das Antlitz der Erde, 1. Bd., S. 546 ff. Tietze, Bemerkungen über die Tektonik des Albursgebirges in Persien, Jahrb. d. K. K. geol. Reichsanst. in Wien 1877, S. 375 und S. 431 ff.; Mitteil. der geogr. Gesellschaft zu Wien 1886, S. 513 ff. Verhandl. d. Ges. für Erdk. zu Berlin 1878, S. 186 f. v. Richthofen, China, 1. Bd., S. 173 ff.